Ökumenischer Solidaritätsgottesdienst in der Marienkirche mit 1000 Besuchern

Tat beim Karnevalsumzug Volkmarsen: Angriff auf die Menschlichkeit

Beim Einzug in die Stadtkirche: (von links) Bürgermeister Hartmut Linnekugel, Ministerpräsi dent Volker Bouffier und Innenminister Peter Beuth.

Volkmarsen Bei einem ökumenischen Gottesdienst wurde die Verbundenheit mit den 61 Verletzten beim Rosenmontagsumzug und ihren Angehörigen und Freunden gezeigt.

 Der Karneval vereint die Volkmarser beim Feiern – und er lässt sie auch in schweren Zeiten zusammenstehen. Das war die Botschaft des ökumenischen Gottesdienstes in der mittelalterlichen Pfarrkirche St. Marien mit insgesamt 1000 Besucher drinnen und draußen auf dem Marktplatz, der nach der Wahnsinnstat eines Autofahrers beim Rosenmontagsumzug mit 61 Verletzten, darunter 20 Kinder, stattfand.

Beim Einzug in die Stadtkirche: (von links) Bürgermeister Hartmut Linnekugel, Ministerpräsident Volker Bouffier und Innenminister Peter Beuth.

Der Rahmen des Gottesdienstes mit zum Teil stark bewaffneten Polizeikräften machte deutlich, was in den Wortbeiträgen in der Kirche zum Ausdruck kam: Plötzlich zerstört ein Gewaltakt mit vielen Opfern das Bild einer scheinbar heilen Welt auf dem Lande.

Das sagte der Ministerpräsident

In den Ansprachen wurde das Unfassbare in deutliche Worte gefasst: Von einem „Angriff auf die Menschlichkeit“, den die Menschen nur gemeinsam ertragen können, sprach Dekanin Eva Brinke-Kriebel (Kirchenkreis Twiste-Eisenberg). Als „Anschlag“ beschrieb der Volkmarser Bürgermeister Hartmut Linnekugel die Tat des 29-Jährigen aus Volkmarsen, der nun wegen Mordversuchs in Untersuchungshaft zubringt.

Gut 500 Menschen verfolgten den Gottesdienst in Volkmarsen vom Marktplatz aus.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der erst vier Tage vorher nach dem Mordanschlag in Hanau zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier tröstende und stärkende Worte finden musste, rief die Menschen in Volkmarsen und Umgebung auf: „Wir wollen uns nicht von solchen Tätern unser Handeln vorschreiben lassen. Wir sind gemeinsam traurig, finden aber auch die Kraft, um gemeinsam fröhlich zu feiern.“

Fürbittengebet

„Wir feiern gerne Karneval, wir halten aber auch in schweren Zeiten zusammen“, rief Karnevalsprinzessin Ilona Schmand im Fürbittengebet den Menschen in und vor der Kirche aus den Herzen. Zusammen mit Pfarrer Martin Fischer unterstrichen Vertreter der Polizei, der Rettungskräfte und der Feuerwehren ihre Verbundenheit mit den Verletzten und wünschten ihnen die Genesung an Leib und Seele.

Blick über den Marktplatz zum Rathaus vor dem Solidaritätsgottesdienst in Volkmarsen.

In den Fürbitten wurde auch dazu aufgerufen, „für diejenigen zu beten, die jeglichen Maßstab für ihr Handeln verloren haben und Unglück über andere Menschen bringen.“

Zusammenhalt wichtig

„Halten sie zusammen und lassen sie sich nicht durch Zorn und Hass leiten“, erklärte Bischof Michael Gerber (Bistum Fulda) in einer gemeinsamen Ansprache mit Bischöfin Beate Hofmann (Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck). Schließlich werde der Täter vor Gericht stehen.

Bürgermeister Hartmut Linnekugel äußerte die Erwartung, dass „der Rechtsstaat dieser Gewalt mit aller Härte entgegentritt.“

Das war ein Lichtblick

Dieser „furchtbare Tag wird uns sicherlich noch lange, lange beschäftigen und in trauriger Erinnerung bleiben,“ sagte der Rathauschef. Karnevalspräsident Christian Diste äußerte sich völlig schockiert über die Tat, die „das Herz des Karnevals, den Rosenmontagsumzug, zerstört hat.“

Polizeiposten vor der Kirche Volkmarsen.

Habe er bisher geglaubt, auf dem Lande in friedlichem Umfeld zu leben, so sei seit dem Rosenmontag alles anders. Doch die schnelle und selbstlose Hilfe auch von Teilnehmern und Zuschauern habe „einen Lichtblick“ in schwerer Zeit gegeben.

Sie zeigten Solidarität

Der katholische Ortspfarrer Martin Fischer sprach ebenso wie alle weiteren Redner allen Helfern, den Angehörigen der Rettungsdienste, der Polizei, der Feuerwehren und den Notfallseelsorgern seinen „Dank für den tollen Dienst“ aus. Vertreter der umliegenden Kommunen, der Karnevalsvereine Münden, Wrexen und Zierenberg, die Kirmesburschen Breuna zeigten durch Präsenz, Feuerwehrkameraden aus Wettesingen, Welda und Oberlistingen durch aktive Unterstützung im Rahmen des Gottesdienstes ihre Solidarität.

Einsatz der Notfallseelsorger

Bereits am Montag waren 17 Seelsorgerinnen und Seelsorgern der evangelischen Kirche im Rathaus, bei den Zelten, in denen die Verletzten versorgt wurden, in der Apotheke und auch im katholischen Pfarrheim. Am Dienstag hat ein Dutzend Pfarrerinnen und Pfarrern aus den Kirchenkreisen Twiste-Eisenberg, Hofgeismar- Wolfhagen und Eder die Betreuung im Rathaus gewährleiste, die immer wieder angefragt wurde.

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