Gustav-Hüneberg-Haus

Bundesjustizministerin zu Gast im Volkmarser Mikwe-Haus: Antisemitismus bekämpfen

Zwei Männer und eine Frau mit Mundschutz in einem historischen Gewölbekeller.
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Besuch im historischen Gewölbe: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht ließ sich im Volkmarser Gustav-Hüneberg-Haus auch das 500 Jahre alte jüdische Ritualbad, eine Schacht-Mikwe, zeigen. Vorstandsmitglied Arno Walprecht und Ausgräber Joachim Geritzen (rechts) erläuterten die Einzelheiten.

An einem Gartentisch hatte sich Christine Lambrecht bisher noch nie ins goldene Buch einer Stadt eingetragen. Die Stippvisite der Bundesministerin für Justiz und Familien (SPD) im Volkmarser Gustav-Hüneberg-Haus war zugleich ihr erster Besuch in der Kugelsburgstadt.

Volkmarsen - Den Anstoß hatte SPD-Kreistagsabgeordnete Christel Keim im vergangenen Frühjahr bei einer digitalen Veranstaltung gegen Antisemitismus, Hass und Hetze gegeben. Im Chat stellte Keim die Arbeit des Vereins „Rückblende – Gegen das Vergessen“ sowie das geschichtsträchtige Haus mit dem jahrhundertealten Ritualbad vor.

Die Ministerin sagte daraufhin zu, Volkmarsen zu besuchen. Am Montag setzte Christine Lambrecht ihr Versprechen in die Tat um und zeigte sich beeindruckt vom ehrenamtlich aufgebauten Dokumentations- und Informationszentrum für deutsch-jüdische Regionalgeschichte.

Jüdische Kultur blüht in Deutschland

Besonders interessierte sich die Ministerin für das Konzept der Geschichtswerkstatt, das Vorsitzender Thomas Neutze vorstellte und in diesem Rahmen bedauerte, dass der Besuch von Schulklassen unter Pandemiebedingungen nach wie vor kaum möglich sei.

In der Gesellschaft und auf Schulhöfen würden antisemitische Sprüche und Parolen laut, häufig ohne dass die Betreffenden einen Grund für ihre diffamierenden Äußerungen nennen könnten, gab Christine Lambrecht zu bedenken. Es sei entscheidend, Unwissen und Vorbehalte durch Aufklärung abzubauen. „Dass das jüdische Leben nach der Shoah wieder in Deutschland blüht, ist ganz vielen Menschen zu verdanken, die unglaubliche Arbeit geleistet haben“, sagte Lambrecht. Antisemitismus sei verheerend. Es sei daher wichtig, dass die Zivilgesellschaft sich aufstelle und eine klare Kante zeige, unterstrich die Bundesministerin.

Mikwe wird bald besser präsentiert

Die Besichtigung der 500 Jahre alten Schacht-Mikwe stand im Mittelpunkt des Ministerinbesuchs im Steinweg, zu dem sich neben Aktiven des Vereins und Mitgliedern der Volkmarser SPD auch Bürgermeister Hartmut Linnekugel und Stadträtin Brigitte Schade-Kleist, Landrat Dr. Reinhard Kubat, Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer und Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher einfanden.

Im Gustav-Hüneberg-Haus ist nun aktuell geplant, die abschüssigen Steinstufen zum Ritualbad mit einer begehbaren Panzerglasplatte abzudecken. Von diesem Vorhaben berichtete Vorstandsmitglied Arno Walprecht: „Die Denkmalpflege hat grünes Licht gegeben, die Aufträge sind verteilt.“ Mithilfe von Mitteln aus dem Leader-Programm sei die Maßnahme finanzierbar. (Sandra Simshäuser)

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