Daniela Schadt, Lebensgefährtin des Bundespräsidenten, wirbt für jüdisches Museum in Volkmarsen

Steine ins Rollen gebracht

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Daniela Schadt, die Lebensgefährtin des Bundespräsidenten Joachim Gauck, lässt sich von Pter Kirschbaum (2.v.l.) die Entdeckung der Mikwe erklären. Rechts der Vorsitzen des Vereins Rückblende - Gegen das Vergessen. Links MdB Thomas Viesehon. Foto: Armin Haß

 Volkmarsen. Für den Aufbau eines jüdischen Regionalmuseums im Volkmarser Steinweg 24 mit dem 500 Jahre alten jüdischen Ritualbad warb Daniela Schadt, Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck, beim Neujahrsempfang in der Nordhessenhalle.

Vor gut 250 Besuchern erklärte sie, jüdische Geschichte müsse in Gänze dargestellt werden, auch die Zeit vor der Shoa, um den Beitrag jüdischer Bürger zur Gesellschaft deutlich zu machen. Damit ist nach ihren Worten nicht die Idee verbunden, die jüdische Geschichte in Deutschland minus der zwölf Jahre des Nationalsozialismus darzustellen, in der Juden verfolgt und ermordet wurden.

"Unser aller Geschichte"

Es gehe darum, Geschichte ohne Scheuklappen zu betrachten, und dabei sei der Verein Rückblende - Gegen das Vergessen in Volkmarsen auf dem richtigen Wege.

„Wir reden davon, wie viele Juden in den Vernichtungslagern gestorben sind. Wir sollten auch darstellen, wie sie hier gelebt haben, das bereichert die Vermittlung historischer Zusammenhänge.“ Sie betonte: „Es geht nicht nur um jüdische Geschichte, es geht um unser aller Geschichte.“

Neugierde wecken

Diese Art des Umgangs mit Geschichte baue Blockaden ab, zerstreue Berührungsängste und wecke Neugierde. Deswegen unterstütze auch die Hessische Landeszentrale für Politische Bildung die Arbeit  des Volkmarser Vereins mit seiner Ausstellung über Jüdisches Leben in der Region, Die Schacht-Mikwe, die tiefste in Hessen, sei ein außerordentliches Kulturdenkmal und verdient es nach den Worten von Schadt, mitsamt dem Gebäude im musealen Kontext für eine lebendige Bildungsarbeit und als Begegnungsstätte unterstützt zu werden: „Das wäre dann ein Ort, wo man gerne hinfährt.“

Begeisterung

 Sie machte aber auch eingangs deutlich: „Geld, das tut mir leid, habe ich keins dabei.“ Dafür aber die Grüße des Bundespräsidenten, und sie teile dessen Begeisterung bei seinen früheren Besuchen Volkmarsens als Bundesvorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen - Für Demokratie“ .

Wissen, Nachdenken und Urteilskraft zu stärken, das seien wichtige Ziele des 158 Mitglieder zählenden Vereins. In dem neuen Buch des Vorsitzenden Ernst Klein („Aber es ist besser als Butterbrot in D.“), das Biographien jüdischer Bürger aus Volkmarsen  versammelt, die zur Flucht vor dem Nazi-Terror gezwungen waren, habe sie sich festgelesen.

Brücken gebaut

Blockaden seien aufgehoben und Brücken gebaut worden durch die Einladungen an 28 frühere jüdische Bürger Volkmarsens, die in der NS-Zeit geflohen sind. Deren Besuche aus den USA, Israel oder Australien sind durch Spenden finanziert worden.

„Das ist ein Erlebnis, das ans Herz geht“, erklärte Schadt. Viele wurden zu Freunden, einige kamen mehrmals. Man könne sich fragen, warum das nicht schon früher geschehen sei. Aber es sei schon wichtig gewesen, dass die Menschen überhaupt gefragt wurden. 

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