Gustav-Hüneberg-Haus eingeweiht

Einzigartiges Denkmal in Volkmarsen spiegelt jüdisches Leben wider

Zweieinhalb Jahre nach dem ersten Besuch besichtigte Daniela Schadt, Lebensgefährtin des früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck, die inzwischen fertiggestellte Bildungsstätte über jüdisches Leben. Unser Bild zeigt sie mit Rückblende-Vorsitzenden Ernst Klein. Foto:Haß

Volkmarsen – Wir brauchen feste Orte der Erinnerung“, betonte der Kasseler Historiker Prof. Dr. Dietfrid Krause-Vilmar zur Eröffnung des Bildungszentrums Gustav-Hüneberg-Haus in Volkmarsen über jüdisches Leben und die Verfolgung und Ermordung der Juden in der NS-Zeit.

Die Stühle reichten für die Einweihungsfeier nicht aus: An zwei Tagen war das vom Verein Rückblende erworbene und umgestaltete Wohnhaus mit der 500 Jahre alten Mikwe (jüdisches Ritualbad) Ziel von Besuchern und Ehrengästen. Darunter auch die Lebensgefährtin des früheren Bundespräsidenten, Daniela Schadt.

Hervorragende Voraussetzungen

Die historische und politische Bildung in Hessen habe einen weiteren Standort erhalten, sagte Krause-Vilmar. Mitten in Volkmarsen seien hervorragende Voraussetzungen für die Kultur der Erinnerung geschaffen worden, „die uns mahnt, gegen Verfolgung und Hass einzutreten. Zudem werde ein Ort geschaffen, der Verfolgten oder ihren Angehörigen die Rückkehr erleichtern könne.

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Es sei wichtig, die Stimmen der gedemütigten und verfolgten Menschen dauerhaft wieder hörbar zu machen. Es seien Nachbarn und angesehene Menschen gewesen, die die Nazis für immer verstummen lassen wollten, indem sie zur Auswanderung zwangen, deportierten und ermordeten, wie Krause-Vilmar deutlich machte. Auch wenn von einem Ende der Zeitzeugen gesprochen werde, so gebe es doch die Erinnerungen an sie und die Beziehungen auch zu den folgenden Generationen.

Wichtiges Etappenziel

„Wir haben ein wichtiges Etappenziel erreicht“, sagte der Vorsitzendes des Vereins Rückblende, Ernst Klein. Er bat die Politik, die Einrichtung dauerhaft zu unterstützen.

Land, Landkreis, Stadt und viele Spender hätten ermöglicht, das Haus mit dem jüdischen Ritualbad zu erwerben und neu zu gestalten als Stätte der Begegnung und der pädagogischen Arbeit mit Schülern. 

Erinnerungsarbeit

Auch die Stadt Volkmarsen habe sich an jüdischem Eigentum bereichert, sagte Klein ergänzend bei der gestrigen Einweihung. Leider habe es zu wenige honorige Bürger gegeben, die den bedrängten Juden geholfen hätten, erklärte er in Gegenwart unter anderem vom Ersten Stadtrat Thomas Viesehon sowie der Landtagsabgeordneten Daniel May (Bündnis 90/Die Grünen) und Claudia Papst-Dippel (AfD).

Für die Juden aus der ehemaligen Sowjetunion sei die Erinnerungsarbeit besonders wichtig, sagte Ilana Katz von der Jüdischen Gemeinde in Kassel. Hier werde ein Zeichen der Solidarität gesetzt. Klein und sein Verein hätten die Gemeinde unterstützt bei der Schaffung einer neuen Synagoge in Kassel oder der Integration der jüdischen Kontingentflüchtlinge aus der früheren UdSSR, die in Vokmarsen früher Abiturkurse absolvierten. Juden hätten in Deutschland ein neues Zuhause gefunden.

Das sind die Ziele

Der Verein Rückblende leiste für die Region beispielhafte Arbeit, sagte Karl-Heinz Stadtler vom Förderverein der Synagoge in Vöhl, der mit dem Volkmarser Verein verbunden ist. Es sei gerade heuzutage wichtig, junge Menschen mit der Geschichte vertraut zu machen, kritisches Denken, Offenheit und Toleranz zu fördern.

Die lebendige Schilderung der jüdischen Geschichte vor der NS-Zeit und der Verfolgung unter der Nazi-Herrschaft berühre, sagte Bürgermeister Hartmut Linnekugel. Volkmarsen sei einer von nur zirka 110 jüdischen Siedlungsorten im mittelalterlichen Reich im Jahr 1238 gewesen.

"Ein Geschenk"

Zu dieser Zeit, als die römisch-katholische Kirche und der mit ihr verbundene Staat den Juden als feindlicher Religion begegneten, sei in Volkmarsen der Grundstein für den Bau des jüdischen Ritualbads gesetzt worden, das 500 Jahre später wieder entdeckt worden sei. „So ein einzigartiges Kulturdenkmal mitten in unserer Stadt ist ein Geschenk“, sagte Linnekugel.

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