Vor 25 Jahren Brücke zu vertriebenen Mitbürgern gebaut

Volkmarser Verein „Rückblende“ im Einsatz gegen das Vergessen

Ernst Klein steht vor einer Schauwand mit Textausschnitten und Fotos. Darüber die große Überschrift: Deutsch-jüdisches Leben in unserer Region im Lauf der Jahrhunderte.
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In 25 Jahren vieles bewegt: Ernst Klein hat vor 25 Jahren begonnen, ehemalige jüdische Mitbürger aufzuspüren, die aus Volkmarsen vor den Nachstellungen der Nationalsozialisten fliehen konnten.

„Wir wollten eine Brücke bauen“, stellt Ernst Klein fest, wenn er davon berichtet, wie er vor 25 Jahren die erste Gruppe von 28 jüdischen Emigranten aus aller Welt in ihre frühere Heimatstadt Volkmarsen eingeladen hat.

Volkmarsen - „Seit Anfang der 1980er Jahre versuchte ich gemeinsam mit meiner Frau, Angehörige der jüdischen Familien zu finden, die früher in Volkmarsen und Umgebung zu Hause waren.“ Durch Zeitungsanzeigen in New York, Jerusalem und Buenos Aires gelang es nach und nach, erste Kontakte zu jüdischen Familien zu knüpfen, die der NS-Verfolgung entkommen waren.

Klein: „Nach langer Vorbereitung luden wir im Namen des 1995 gegründeten Vereins „Rückblende gegen das Vergessen“ die Holocaust-Überlebenden mit ihren Angehörigen zum Besuch in Volkmarsen ein.“ 28 Emigranten aus den USA, aus Israel und Australien nahmen die Einladung trotz vieler Bedenken an.

Die Opfer nicht vergessen

Die Kosten für Anreise und Unterkunft konnten durch Spendenaktionen vom Verein getragen werden. „In der Zeit vom 10. bis 19. Mai 1996 absolvierten wir mit unseren Gästen ein Besuchsprogramm mit vielen Begegnungen und Ausflügen, vor allem aber mit tief greifenden Gesprächen“, erzählt Klein.

Nach der anfänglichen Unsicherheit auf beiden Seiten habe sich bald Vertrauensverhältnis entwickelt. An seine Begrüßungsworte vom „Brückenbauen“ erinnert sich der Gründer des Vereins „Rückblende“ noch heute: „Die entsetzlichen Verbrechen während der NS-Herrschaft haben tiefe Gräben gerissen zwischen den jüdischen und nichtjüdischen Menschen in Deutschland. Wir können diese Gräben nicht zuschütten, wir sollten dies auch nicht tun, denn die Opfer dürfen nicht vergessen werden und auch die Verbrechen nicht. Aber wir müssen versuchen, Brücken zu bauen, um damit die Gräben der Vergangenheit zu überwinden.

Generationenübergreifende Freundschaften begründet

Unvergesslich sei ihm bis heute die Antwort des damals 82-jährigen Alfred Hamberg: „Wir werden eure zur Versöhnung ausgestreckte Hand nicht zurückweisen!“ Auch die folgenden Besuche seien von diesem Geist getragen gewesen. Tiefe Freundschaften seien begründet worden, die heute von der Kinder- und Enkelgeneration weitergeführt werden.  (Elmar Schulten)

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