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Dorfkirche frisch herausgeputzt für Lütersheim

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Die Dorfkirche von Lütersheim.
Pünktlich zum Osterfest ist die Renovierung der kleinen, aber feinen Dorfkirche von Lütersheim abgeschlossen worden. Sie ist 300 Jahre alt. Die Pläne zu ihrem Bau stammen vom Bad Arolser Schlossbaumeister Rothweil. © Elmar Schulten

Pünktlich zum Osterfest ist die Renovierung der kleinen, aber feinen Dorfkirche von Lütersheim abgeschlossen worden. Sie ist 300 Jahre alt. Die Pläne zu ihrem Bau stammen vom Bad Arolser Schlossbaumeister Rothweil

Volkmarsen – Nun können die Kirchenvorsteher am Ostersonntag um 10.45 Uhr Blumen, Bibel und Osterkerze wieder feierlich vor den Altar tragen. Im Anschluss an den Festgottesdienst wird zu einem Sektempfang geladen.

Zu feiern gibt es eine Menge. Schließlich haben sich Zimmerleute, Steinmetze, Orgelbauer und Maler über viele Wochen und Monate bemüht, den Kirchenbau aus dem 18. Jahrhundert wieder für die nächsten 50 fit zu machen.

Schadensbild wie im Residenzschloss

Zu sanieren gab es vor allem unter dem Dach eine Menge: Viele Sparrenköpfe, die die Last des Daches auf das Sandsteinmauerwerk übertragen, waren angefault. Der Sandstein hatte offenbar die Feuchtigkeit von den Fundamenten bis unters Dach getragen. So wurden auch die alten Eichenbalken feucht und verloren über die Jahrzehnte ihre Tragkraft.

Ein ähnliches Schadensbild wurde in den 1980er Jahren bei der Sanierung des Residenzschlosses in Bad Arolsen festgestellt. Möglich, dass es sich um einen Planungsfehler handelte: Schließlich stammten die Pläne für die Lütersheimer Kirche ebenfalls vom Schlossbaumeister Julius Ludwig Rothweil.

Sparren waren teilweise weggefault

Wahrscheinlicher ist aber, dass die Handwerker die Saugkraft des hiesigen Sandsteins unterschätzten. Für Regressforderungen an den Planer von einst ist es eh zu spät. Immerhin haben sich Kirche und Schloss 300 Jahre bis zur ersten großen Sanierung glänzend gehalten.

Bei der jetzt erfolgten Dachsanierung tauschten die Zimmerleute Sparren aus und verstärkten die Auflageflächen. Um das Problem der aufsteigenden Feuchte in den Griff zu bekommen, wurden die Außenmauern freigelegt und zur Hangseite ein Schrägbeet geschaffen. Die Kirche ist nun rundum begehbar. Die Fugen wurden neu ausgemauert.

Elektrische Leitungen erneuert

Im Innenraum verlegten Steinmetze teilweise neue Sandsteinplattten. Außerdem wurde der Holzboden unter den Kirchenbänken aufgearbeitet. Gereinigt wurde auch die Orgel aus den 1970er Jahren. Die Wände bekamen einen neuen Anstrich. Das Dekor der Fensterlaibungen wurde aufgefrischt. Sämtliche elektrische Leitungen wurden erneuert, ebenso die Glockensteuerung.

Akribisch dokumentiert wurden die Bauarbeiten von der Küsterin Christa Schaake, die Fotos anfertigte und ein Tagebuch führte. Ansonsten aber ist über die Geschichte der Lütersheimer 1728 fertiggestellten Kirche nur wenig bekannt. Es wird vermutet, dass der wuchtige Steinaltar auf einem Säulenstumpf aus der Külter Kirche stammt. Gesichert ist das aber nicht.

Kräftige Farben nur an der Kanzel

Auch sonst ist der Kirchenraum sehr puritanisch schlicht und beinah schmucklos. Von den weißen Wänden mit den dezenten pastelfarbenen Ornamenten an den Fenstern hebt sich nur die hölzerne Kanzel mit deutlichen Farbakzenten ab.

Eine Dorfkirche wurde erstmals im Jahr 1283 in Lütersheim urkundlich erwähnt. Die Urkunde beweist, dass der Hof Liudherissen oder Liutersen damals abgabenpflichtig gegenüber dem Kloster Corvey war.

Wechselvolle Dorfgeschichte

Das Kirchengebäude wird in der Auflistung der Baudenkmäler im Kreis Waldeck aus dem Jahr 1936 als barocke Saalkirche beschrieben. Dort ist auch nachzulesen, dass das Dorf Lütersheim so manche schwere Zeit erlebt hat. Im 30-jährigen Krieg wurde es verwüstet, 1669 brannte das Dorf bis auf vier Häuser nieder. (Elmar Schulten)

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