Gamer im Turniermodus

Netzwerk-Party in der Volkmarser Nordhessenhalle

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Blick in die Volkmarser Nordhessenhalle: 320 Bildschirme leuchten, wenn die dota-Spieler sich aufs Turnier vorbereiten.

Volkmarsen. Großveranstaltungen sind in der Nordhessenhalle an der Tagesordnung. Die Kanzlerin war schon hier und hat vor 3000 Gästen gesprochen, die Höhner aus Köln sangen ihr Viva Colonia und bald ist wieder Karneval. Ein völlig anderes Publikum trifft sich an diesem Wochenende (6. und 7. Januar) sich am Wochenende am Volkmarser Stadtbruch.

320 Gamer, junge Leute meist zwischen 18 und 35 Jahren, meistens männlich, nur um die zehn Prozent junge Frauen, strömten aus ganz Deutschland in die Halle, um ihre Computer zu einem großen Netzwerk zu verknüpfen. Kommentator Fabian Kerngarten aus dem österreichischen Graz dürfte wohl die weiteste Anreise aus Richtung Süden gehabt haben.

Ein Gamer flog sogar aus Schweden ein. Sie alle vereint die Freunde am Videospiel „dota“, einem Adventure-Game, bei dem jeweils Fünfer-Teams mit Fantasie-Figuren darum kämpfen, das virtuelle Haus der gegnerischen Mannschaft zu zerstören.

Was geht hier ab in der Nordhessenhalle?

Das geht mit List und Tücke und blitzschnellen Klick-Reaktionen, die nur in einem erstklassigen Netzwerk funktionieren. Ein Team aus versierten Technikern wacht darüber, dass die Ping-Zeiten stimmen.

In Volkmarsen traten am Wochenende 44 Teams in einem viertägigen Turnier gegeneinander an. Nach der Gruppenphase geht es im K.O-System weiter. dota-Turniere werden weltweit ausgetragen, es gibt sogar eine Weltmeisterschaft. In Volkmarsen jedoch ist zweimal im Jahr nur Spaß angesagt. 

Die Szene trifft sich zum Spielen und um alte Bekannte wiederzutreffen. Wer gerade nicht im Turniermodus steckt, beschäftigt sich mit anderen Computerspielen, sieht seine Lieblingsserie im Streaming-Dienst oder schaut Nachrichten. Alles dreht sich um Computer, Netzwerk und Internet. 

Es ist schon ein enormer technischer Aufwand nötig, um 300 Rechner gleichzeitig störungsfrei ans Netz zu bringen. Das Team um Jens Riemenschneider und Robin Schäfer ist schon seit Jahren im Geschäft. Nach kleinen Anfängen, unter anderem in Hessisch-Lichtenau, fühlt sich die dota-Gemeinschaft seit 2012 in Volkmarsen wohl. 

Wer macht das dota-LAN-Turnier möglich?

„Das funktioniert hier ganz hervorragend, weil die Halle so gut geeignet ist“, verrät Riemenschneider: „Hier gibt es so viele Nebenräume, dass alle Gamer ihre Luftmatratzen auslegen können. Wir haben tolle Catering und der städtische Bauhof unterstützt uns nach Kräften.“ 

Am Wichtigsten aber sei die Unterstützung durch den Internetanbieter Unitymedia. Der stelle nämlich regelmäßig zehn Business-Modems als Eventzugang zur Verfügung. „Wenn wir zehn Jahresverträge abschließen müssten“, könnten wir das hier gar nicht leisten“, so Schäfer. So aber könne die viertägige LAN-Party mit einem Teilnehmerbeitrag von nur 50 Euro bequem finanziert werden. 

Dazu trägt auch bei, dass viele begeisterte Profis ihre ganze technische Ausrüstung mitbringen. So konnte das Orga-Team auf der Empore der Halle ein veritables Fernsehstudio aufbauen mit aller nötigen Technik, um einen Streaming-Kanal mit Live-Berichten vom dota-Turnier und professioneller Live-Kommentierung auf die Beine zu stellen. 

Wie lange dauert ein dota-Spiel?

Zwischen 1000 und 3000 Internet-Zuschauer bedient dieser Streaming-Dienst während der vier Turniertage. Als erfahrenster Kommentator gilt Fabian Kerngarten aus Graz. Er hat aus seinem Hobby einen Beruf gemacht, zu Hause betreibt er einen eigenen Streaming-Dienst und bereist zudem Gaming-Events in halb Europa.

 Ein durchschnittliches dota-Spiel fünf gegen fünf dauert um die 40 bis 60 Minuten. Es kann aber auch schon mal vorkommen, dass eine Partie 120 Minuten dauert. In dieser Zeit kommentiert Fabian jeden Spielzug so spannend, als ging es um ein Fußballspiel in der Champions-League und jeder Spielzug könnte den Meisterpokal kosten. 

Die Mannschaften geben sich ulkig Namen. Sie heißen „Kuschelkinder“, „Kellerkinder“, „KanalreinigerZ“ oder „Mommy and her Spiderlings“. Am Rande der großen Spielshow ist übrigens auch genügend Platz für das normale Leben. 

Wie hoch ist der Stromverbrauch an diesem Wochenende?

Auch ein Hard-Core-Gamer muss mal essen. Und das Köche-Team in der Halle versorgt die Spieler mit allerlei Leckereien aus dem Wok, der Friteuse und aus dem Ofen. Wer lieber seine mitgebrachten Spezialitäten aufwärmen will, der findet Mikrowellen und Minibacköfen im Foyer. Und dann gibt’s natürlich auch noch den Pizza-Service. 

Damit die Augen vom vielen Bildschirm-Gestarre nicht viereckig werden, ist im Foyer ein Spieltisch für Beer-Pong aufgebaut und am Sonnabend hatten sich 60 Spieler für ein Sammelkarten-Turnier angemeldet. Das ändert aber nicht, dass an diesem Wochenende e-Sports im Mittelpunkt stehen: Spiele, die ohne Computer gar nicht möglich wären. 

Bildergalerie: LAN-Party in der Volkmarser Nordhessenhalle

Und das geht natürlich nicht ohne Strom. Kein Wunder also, dass die Stromrechnung für diese Veranstaltung so hoch ausfällt wie für einen Vier-Personen-Haushalt im ganzen Jahr: 4000 Kilowattstunden verbrauchen die rund 320 Gamer mit ihren Computern an vier Tagen.

Mehr im Netz zur laufenden dota-LAn-Party in Volkmarsen: http://www.dota-lan.de/lans/view/8#currentLan

Und hier, in der Nordhessenhalle in Volkmarsen, findet das dota-LAN-Turnier statt: Karte

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