Staudammfest würdigt effektiven Hochwasserschutz an der Erpe

Ehringer Staudamm vermittelt das unbezahlbare Gefühl von Sicherheit

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Ehringer Staudammfest. Der Damm, der vor dem Hochwasser der Erpe schützen soll, wurde 2008 fertiggestellt. Grund genug, ihn 2018 zu feiern. Mit dabei sind alle diejenigen, die damals mitgeholfen haben ihn zu bauen: Ex-Minister Wilhelm Dietzel, Landrat Dr. Udo Schlitzberger, Bürgermeister Hartmut Linnekugel, Ortsvorsteher Günther Henkelmann und all ihre Amtsnachfolger: die Landräte Uwe Schmidt und Dr. Reinhard Kubat und Ortsvorsteher Gottfried Henkelmann.  

Volkmarsen-Ehringen. „Vor zehn Jahren wurde Ehringen trockengelegt.“ – Auf diese griffige Formel habe seine Frau den Anlass des Staudammfestes gebracht, berichtete Ex-Minister Wilhelm Dietzel bei der Feierstunde zur Erinnerung an die Fertigstellung des rund sechs Millionen Euro teuren Bauwerks am Ortseingang von Ehringen.

Jahrzehntelang sei das Erpedorf immer wieder von Überschwemmungen heimgesucht worden, sodass man schließlich in einer gemeinsamen Gewaltanstrengung den Bau des Trockenstaudamms geschafft habe. Ursprünglich seien 12 bis 13 Millionen Euro für das Projekt veranschlagt gewesen. 

Doch dann sei eine Lösung gefunden worden, das Bauwerk für kalkulierte acht Millionen Euro in Angriff zu nehmen. Am Ende sei alles sogar noch günstiger geworden, so dass das Land Hessen, der Wasserverband Diemel, der Landkreis Waldeck-Frankenberg und die Stadt Volkmarsen zusammen nur gut sechs Millionen Euro hätten aufwenden müssen, fasste Dietzel diesen Höhepunkt seiner Amtszeit als Minister für den ländlichen Raum zusammen.

Erinnerung an die großen Hochwasserereignisse darf nicht verblassen

Inzwischen sei der Damm auch schon zweimal bei Unwettern benötigt worden. Er habe bereits Schäden im Dorf verhindert. Dietzel: „Ehringen ist jetzt sicher. Aber nicht zu 100 Prozent. Für ein Unwetter wie das von 1852 hätte der Damm nicht ausgereicht.“

Das ist wohl auch der Grund dafür, warum die Behörden die Ortslage von Ehringen immer noch als Überschwemmungsgebiet einstufen und entsprechende Bauvorschriften erlassen und überwachen, wie der Stadtverordnete Jochen Siebert in einem Gedicht beklagte.

Doch am Ende zähle das Ergebnis: Der Damm stehe und schütze das Erpedorf.

Daran müsse immer erinnert werden, mahnten Pfarrer Kai Scheiding und Landrat Dr. Reinhard Kubat. Die Menschen in Ehringen dürften nicht nachlässig werden und irgendwann den Hochwasserschutz vernachlässigen, nur weil schon lange kein Unglück mehr passiert sei.

Hatte der Staudamm schon eine Bewährungsprobe?

Pfarrer Scheiding erinnerte daran, dass der Damm zuletzt beim Finalspiel der Fußballweltmeisterschaft 2014 nach einem Gewitterschauer im Wolfhager Land aufgestaut gewesen sei. Die Ehringer hätten das Finale nicht feiern können, wäre der Damm nicht gewesen. Er vermittelte ein wertvolles Lebensgefühl von Sicherheit.

„Wir haben damals einen politischen Doppelpass gespielt“, schwärmte Dr. Udo Schlitzberger, vor zehn Jahren noch SPD-Landrat im Kreis Kassel. Gemeinsam mit dem CDU-Minister aus Nordhessen habe man die Südhessen davon überzeugen könne, dass Hochwasserschutz nicht nur am Rhein nötig sei und verwies auf das Unwetter, das 1965 zu schweren Verwüstungen im Zuflussgebiet der Diemel führte und schließlich auch zum Bau des Twistesees führte. Am liebsten hätte er ja auch in Ehringen einen Dauerstau mit See gebaut, bekannte Schlitzberger. Das sei aber aufgrund der Bodenverhältnisse nicht möglich gewesen.

Erfolg hat viele Väter - So ist es auch beim Staudamm

Bürgermeister Hartmut Linnekugel erinnerte daran, dass der Erfolg viele Väter habe. Deshalb beeilte er sich, den Anteil der Oberen Wasserbehörde unter der Leitung des früheren Regierungspräsidenten Lutz Klein zu würdigen. Auch der ehemalige Geschäftsführer des Wasserverbands Diemel, Rolf Enders, habe sich sehr für den effektiven Hochwasserschutz in Ehringen eingesetzt. Sie alle seien auch deshalb eingespannt worden, weil die früheren Ortsvorsteher Otto Bitter und Günther Henkelmann nicht lockerließen und immer wieder auf die Probleme hinwiesen.

Die gute Zusammenarbeit der nordhessischen Mandatsträger bekräftigte auch Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke: Wenn alle an einem Strang ziehen, dann können wir viel bewegen. Das Geld sei in Ehringen jedenfalls gut angelegt.

Solidarität im Wasserverband Diemel war ausschlaggebend

Als neuer Landrat im Kreis Kassel verwies Uwe Schmidt auf die Leistungen des Wasserverbands Diemel, der auch von seinem Hause intensiv unterstützt werde. Schließlich sei die Betreuung der Zuflussgewässer der Diemel eine große Daueraufgabe. Hier seien Hochwasser- und Naturschutz gleichermaßen wichtig.

In diesem Sinne dankte Ortsvorsteher Gottfried Henkelmann allen Beteiligten, die seinerzeit beim Bau des Staudamms halfen. Der Damm sei Ausdruck von Solidarität, denn was hätten schon die Städte Liebenau und Trendelburg vom Hochwasserschutz in Ehringen. Im Wasserverband helfe man sich eben gegenseitig und das sei lobens- und dankenswert.

Was waren die Gründe für den Bau des Hochwasserschutzdammes in Ehringen?

Die Ortslage Ehringen im Landkreis Waldeck Frankenberg wurde allein in den vergangenen 60 Jahren von sieben außergewöhnlichen Hochwasserereignissen der Erpe betroffen, die zu Überflutungen mit beträchtlichen Hochwasserschäden führten. 

Die größten Hochwasserereignisse in dem über den Pegel Ehringen seit 1961 dokumentierten Zeitraum traten in den Jahren 1965, 1984, 1999 und 2002 auf. Bereits zuvor kam es im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert zu großen Hochwasserereignissen mit katastrophalen Überschwemmungen, deren Maximalwasserstände anschaulich an mehreren Stellen im Ort, zum Beispiel an einer Hochwassersäule am Mühlensteg dokumentiert sind. 

Die höchsten Überflutungen traten demnach am 19. Juli 1852 auf. Im Sommer 2002 wurden Teile der Ortslage innerhalb von nur 68 Tagen zwei Mal überflutet. Beim zweiten Hochwasserereignis am 18. Juli 2002 liefen gerade die letzten Vorbereitungen auf den jährlich stattfindenden Gedenkgottesdienst und das Wasserfest zur Erinnerung an das Katastrophenhochwasser von 1852 mit damals drei Todesopfern. Die häufigen Hochwasserereignisse innerhalb von Ehringen machten eine Verbesserung des Hochwasserschutzes dringend erforderlich.

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