Teurere Versicherung, geringe Attraktivität

Ende der Geburtshilfe in Volkmarsen nicht nur wegen des Geldes

St.-Elisabeth-Krankenhaus in Volkmarsen: Die Geburtshilfeabteilung wird geschlossen. Foto: elmar schulten

Volkmarsen – Die WLZ-Meldung von der bevorstehenden Schließung der Geburtshilfe-Abteilung im St. Elisabeth-Krankenhaus Volkmarsen hat die Wogen hochgehen lassen. Liegt es allein am Geld?

Kann es sein, dass enorme Haftpflichtpolicen der Gynäkologen und Gebührenkürzungen bei den Hebammen zu solchen drastischen Schritten führen? Dazu Geschäftsführer Michael Schmidt: „Allein am Geld liegt es nicht, wenn auch die Verteuerungen die Rahmenbedingungen mit beeinflusst wurden. Es war aber nicht der entscheidende Faktor.“ 

Generationswechsel

Im Vordergrund ständen personelle Ressourcen. So stehe ein Generationswechsel an und stelle der „Betrieb einer Geburtshilfe für viele Fachärzte für Gynäkologie und für Anästhesie einen Hinderungsgrund dar, sich als Belegärzte niederzulassen und eine solche Belegabteilung zu versorgen.“

Allein mit rund 350 Geburten im Jahr seien zudem die Versicherungskosten nicht zu decken, somit verringere sich die Attraktivität des Standortes für Belegärzte. Es stelle sich die Frage, ob darüber hinaus noch genug Arbeit für Gynäkologen sei.

Gute Arbeit im Kreißsaal

Die Mannschaft in Volkmarsen sei eine „aussterbende Spezies“, sagte Schmidt anerkennend über die Ärzte und bezog auch die Leistungen der Hebammen ein. Die überwiegende Zahl der Geburten verlaufe unproblematisch. Die Frauen würden durch die Hebammen gut vorbereitet.

Ein ungelöstes Problem sei die Haftpflichtversicherung. Wie berichtet, kritisiert in dem Zusammenhang der Belegarzt Leonard Kalhoff eine „Untätigkeit der Bundespolitik“.

Neue Honorare

 In einem unserer Redaktion gestern zugeleiteten Schreiben vom Anfang dieses Jahres auf die Frage eines Volkmarser Bürgers verweist der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesgesundheitsministeriums, Dr. Thomas Gebhart, auf die im Bewertungsausschuss der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen vereinbarten Änderung der Ärztehonorare. 

Diese sind nach Mitteilung der KBV angehoben worden und sollen weiter beobachtet werden, um die Belastungen durch die Haftpflichtpolicen zu verringern. Im gleichen Brief verweist der Staatssekretär auf die Zuständigkeit der Landes bei der Bedarfsplanung in Krankenhäusern.

Zuschläge 

Die von dem gleichen Volkmarser angeschriebene Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher weist in einem vor wenigen Tagen verfassten Antwortschreiben darauf hin, dass der Gemeinsame Bundesausschuss als Spitzengremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Deutschlands bereits vor einem Jahr geänderte Sicherungszuschläge beschlossen habe, um Geburtshilfeabteilungen zu finanzieren. 

Doch diese Zuschläge kommen für die Klinik in Volkmarsen nicht in Frage, stellt der Geschäftsführer der Volkmarser Klinik, Michael Schmidt, fest. Diese würden nur dann gezahlt, wenn die zeitliche Erreichbarkeit für Schwangere das vom Land vorgeschriebene Höchstmaß überschreiten würde. Das sei aber nach Schließung der Geburtshilfe in Volkmarsen nicht der Fall. 

40 Minuten zumutbar

Die maximale Frist von 40 Minuten werde für die Bewohnerinnen des Landkreises Waldeck-Frankenberg durch die verbliebenen Kreißsäle im Stadtkrankenhaus Korbach und im Kreiskrankenhaus Frankenberg eingehalten. Das Land und der Landkreis seien ebenfalls überfordert, stellt Schmidt fest. Ende vorigen Jahres hatte Erster Kreisbeigeordneter Karl Friedrich Frese noch bekräftigt, sich für den Erhalt der Geburtshilfe in Volkmarsen einzusetzen, und finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt.

 Frese hatte auch Gespräche mit Vertretern des nordrhein-westfälischen Nachbarkreises Höxter und des Landkreises Kassel geführt, woher viele Schwangere nach Volkmarsen kommen. „Leider war es aber nicht möglich, hierzu einen gangbaren Weg zu finden“, bedauert der Geschäftsführer des Volkmarser Krankenhauses.

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