Nach dem Wasserfest die 1000-Jahr-Feier

Erpedorf Ehringen erinnert an Flutkatastrophe von 1852

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Die Oberkante der Kanzel wurde knapp verfehlt: Das rote Band in der Ehringer Kirche markiert den Wasserstand der Erpe am 19. Juli 1852. Bei der großen Flut kamen vier Menschen ums Leben. Daran erinnern alljährlich die Ehringer beim Wasserfest. Die Konfirmanden trugen das Wasserfestgedicht vor, das in seinen 48 Strophen alle Details der Katastrophe zusammenfasst.  

Volkmarsen-Ehringen. Ein heftiges Sommergewitter hat sich am 19. Juli 1852 über dem Wolfhager Land und Ehringen ausgetobt.

In der Folge schwoll das kleine Bächlein Erpe zu einem reißenden Fluss an, der über die Ufer trat und sämtliche Häuser in der Ortslage überflutete. Als das Wasser wieder abgeflossen war, wurden vier Ertrunkene gefunden. Die Häuser waren verwüstet, das Vieh lag tot auf den Weiden.

An dieses traumatische Ereignis erinnern die Ehringer seitdem mit ihrem Wasserfest. Der Erinnerungstag ist ein kirchlicher Feiertag im Dorf, der mit einem Festgottesdienst begangenen wird.

Was bedeutet das rote Band in der Kirche?

Diesmal hatte Pfarrer Scheiding seinen Wolfhager Kollegen Martin Jung eingeladen, die Predigt zu halten. Dabei fiel sein Blick von der Kanzel auf das rote Band, das die Ehringer quer durch die Kirche gespannt haben, um den höchsten Wasserstand der Erpe zu markieren. Fast bis an die Oberkante der Kanzel reichte das Wasser des kleinen Baches heran.

Die Ereignisse dieser Unwetterkatastrophe wurden vom ehemaligen Lehrer und Kantor Wilhelm Volkwein in einem Gedicht mit 48 Strophen zusammengefasst, die am Donnerstag von den Konfirmanden vorgetragen wurden. Danach kam die rettende Wendung erst, als unter dem Druck des Wassers eine Brücke am Unterlauf der Erpe brach, sodass das angestaute Wasser ablaufen konnte. Beim Gedenkgottesdienst spielte der Posaunenchor und es sang der Kirchenchor.

Immer wieder wurde Ehringen in den Folgejahren bei Sommergewittern überschwemmt, doch niemals mehr so verheerend wie damals 1852. Zum Schutz vor künftigen Hochwassern wurde vor zehn Jahren ein Staudamm mit Stauwehr errichtet. Daran soll im September mit einer großen Feier erinnert werden.

Ehringer Gemeinde blickt auf 1000 Jahre Geschichte zurück

Am Sonntag, 22. Juli, feiern die Ehringer das 1000-jährige Bestehen ihrer Kirchengemeinde mit einem großen Fest rund um die romanische Kirche. Zum Festgottesdienst um 11 Uhr werden Prälat Bernd Böttner und als Patron der Ehringer Kirche Wittekind Fürst zu Waldeck und Pyrmont erwartet. Nach dem Gottesdienst wird rund um die Kirche gefeiert. Der Kirchturm kann bestiegen werden.

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