Pfarrer Martin Fischer wird am Sonntag in St. Marien in sein Amt eingeführt

Vom Finanzamt an den Altar

Pfarrer Martin Fischer ist seit Mitte August katholischer Pfarrer von St. Marien Volkmarsen. Foto: Elmar Schulten

Volkmarsen - Die meisten Lebensläufe lesen sich eher langweilig, weil zu geradlinig. So richtig spannend sind Berufsentscheidungen, die auch Umwege enthalten. Der neue katholische Pfarrer von Volkmarsen war Finanzbeamter, bevor er sich zum Theologiestudium entschied.

Es gibt bestimmt nicht viele Sachbearbeiter für Körperschaftssteuer in deutschen Finanzämtern, die sich für die Verwendung der Kirchensteuer interessieren. Und auch bei Martin Fischer ist der Gedanke erst langsam, über Jahre hinweg gewachsen.

Wenn der heute 42-Jährige zurückblickt, stand er eigentlich schon immer der Kirche nahe. Aufgewachsen in Petersberg bei Fulda war er früh durch den Glauben seiner Eltern geprägt.

Die Familie war in der katholischen Kolpingbewegung aktiv. Auch Martin Fischer war Vorsitzender der Kolpingsfamilie und Lektor in seiner Gemeinde.

Das Interesse für theologische und philosophische Fragen wurde vor allem im Religionsunterricht der Oberstufe des Beruflichen Gymnasiums mit Schwerpunkt Wirtschaft in Fulda geweckt.

Doch mit dem Abitur in der Tasche entschied sich der junge Mann zunächst für eine Ausbildung für die Beamtenlaufbahn des gehobenen Dienstes in der Steuerverwaltung. Als fertiger Diplom-Finanzwirt absolvierte er ein Jahr Zivildienst am Klinikum in Fulda.

Ganz nah an der Bibel

Es folgten sechs Jahre als Sachbearbeiter beim Finanzamt Frankfurt am Main III und als Betriebsprüfer. Es sei eine gute, keinesfalls verlorene Zeit gewesen, so Fischer. Aber irgendwann habe er doch gefühlt, dass das nicht alles gewesen sein konnte. Der Sinn des Lebens sei für ihn doch ein anderer, spiritueller.

Von 2002 bis 2008 studierte er Theologie in Fulda und München. Anschließend ging der Diplom-Theologe für sechs Monate nach Jerusalem. Schon vorher hatte er das Heilige Land bei Pilgerreisen kennengelernt, doch das halbe Jahr Alltagsleben in Israel habe noch einmal tiefere Einblicke vermittelt.

So spricht Pfarrer Fischer von einer „großen Liebe zum Heiligen Land, dem Land der Bibel“. Als Theologe könne er nun viele Aussagen der Bibel viel besser örtlich zuordnen.

Fischer: „Wenn es in der Heiligen Schrift heißt, Jesus stieg auf einen Berg, dann weiß ich heute, wie der Berg ausgesehen haben könnte und wie es sich anfühlt, da bei 35 Grad Hitze hinaufzusteigen.“

In seinen Predigten bezieht sich Pfarrer Fischer gerne auf die Bibel, betreibt sehr intensive Exegese (Bibelauslegung). Im Gespräch wirkt er ruhig und bedächtig, wägt jedes Wort sorgsam ab.

So ist er auch zurückhaltend, wenn es um die Frage geht, wie er sein Amt künftig ausüben möchte: „Ich bin nicht derjenige, der mit der großen Keule kommt und alles ändern will.“

Er wolle als Pfarrer für alle 2487 Seelen in seiner Gemeinde da sein, sich in den kommenden Wochen und Monaten ansehen, was alles läuft und gut funktioniert, und dann erst überlegen, was man anders machen könnte. Fischer: „Ich muss erst Strukturen und Gesichter kennenlernen. Da hat es die Gemeinde einfacher. Die muss sich nur ein neues Gesicht merken.“

Gutes Miteinander

Gutes ökumenisches Miteinander hat Pfarrer Fischer schon in den Gemeinden in Somborn und Bimbach kennengelernt, wo er nach seiner Priesterweihe 2010 als Kaplan tätig war. Und auch in Volkmarsen, seiner ersten eigenen Pfarrstelle, will er ein gutes Miteinander mit den evangelischen Christen pflegen.

Pfarrer Fischer wird am Sonntag, 6. September, um 14.30 Uhr im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes von Dechant Harald Fischer aus Kassel in sein neues Amt eingeführt.

Im Anschluss an den Gottesdienst lädt die Gemeinde zu einem Empfang ein, der je nach Wetterlage rund um die Pfarrkirche St. Marien oder im Gemeindezentrum St. Hedwig stattfinden wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare