Entdeckungen in der Feldflur:

Freistuhl bei Ehringen: Sieht alt aus, ist es aber nicht

+
Ideale Kulisse für einen Historienfilm: Der Freistuhl zwischen Ehringen und Lütersheim.  

Volkmarsen-Ehringen. Mitten im Feld, zwischen Ehringen und Lütersheim gelegen fällt das kleine Wäldchen auf, das sich beim näheren Hinsehen als eine von Bäumen eingefasste Parkanlage entpuppt.

Und mittendrin, gestaltet wie die Kulisse zu einem mittelalterlichen historienfilm, eine Anordnung von Steinen, die wie eine alte Gerichtsstätte aussehen.

Die Gemarkung trägt die Bezeichnung Freistuhl, was tatsächlich auf eine historische Gerichtsstätte hinweist. So ranken sich auch viele Erzählungen um dieses Stück Ackerland, das mit einer Hecke umzogen und mit Bäumen gestaltet ist.

Es findet sich aber keine Urkunde, die auf die Existenz einer solchen Gerichtsstätte bei Ehringen hinweist. Das ist das Ergebnis heimatgeschichtlichen Forschungen, die auch im zweiten Band des Ortssippenbuches von 2008 nachzulesen ist. 

Der wahre Grund für die Bewahrung dieses Platzes ist in der Pfarrchronik nachzulesen: „Als aber etwa 1903 der Freistuhl im Rahmen einer Flurbereinigung zu verschwinden drohte, setzte sich der damalige Ehringer Pfarrer August Wilhelm Fürer für die Erhaltung des Platzes beim Landrat Rudolf von Buttlar in Wolfhagen ein, der den Platz durch Gebietstausch für den Landkreis Wolfhagen erwarb.“

Auf Anregung von Pfarrer Fürer wurde dann der Freistuhl in seiner heutigen Form errichtet: Vor den sprichwörtlichen Gerichtslinden ein steinerner Stuhl für den Freigrafen, Bänke für die Schöffen und das Ganze mit einer Hecke umzogen. 

Irreführend mag dabei die im Stuhl eingehauene Schift „Der Landrat von Buttlar“ sein. Sie bezeichnet nicht etwa den mittelalterlichen Vorsitzenden des Gerichts, sondern den Stifter des Platzes, auf dessen Betreiben der Freistuhl wieder sichtbar gemacht wurde. (es)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare