Gebietsreform vor 50 Jahren:  Ehringen kam zu Volkmarsen und beide nach Waldeck

Für Ehringen und Volkmarsen war es ein langer Weg nach Waldeck

Das Schwarz-Weiß-Foto entstand am neuen Volkmarser Ortseingangsschild mit dem Hinweis auf den Landkreis Waldeck. Davor stehen ältere Herren, die Kommunalpolitiker des Jahres 1972.
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Historisches Foto vom 1. August 1972: Der Kreisausschuss des Landeskreises Waldeck besucht Volkmarsen, das über Nacht Teil des Kreises Waldeck geworden sit. Mit dabei sind der damalige Volkmarser Bürgermeister Wolfgang Vervoort und Landrat Dr. Karl-Hermann Reccius.

Auf den Tag genau heute vor 50 Jahren, am 1. Februar 1971 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Ehringen, die damals noch dem Landkreis Wolfhagen angehörte, in die Stadt Volkmarsen eingemeindet, ebenfalls Teil des Kreises Wolfhagen.

Volkmarsen-Ehringen – Es sollte noch bis zum 1. August 1972 dauern, bis sich auch Herbsen, Hörle, Külte und Lütersheim der neuen Großgemeinde Volkmarsen und gleichzeitig auch dem Landkreis Waldeck anschlossen. Erst 1974 entstand durch Zusammenschluss der damaligen Landkreise Waldeck und Frankenberg das heutige Waldeck-Frankenberg.

Die Stadt Volkmarsen, die Ende der 60er Jahre noch knapp 4000 Einwohner zählte, hatte nach der Neugliederung mit allen Stadtteilen rund 6700 Einwohner. Wer in alten Akten blättert, der stößt bald auf die Pläne von einst, eine Großgemeinde Volkmarsen mit Ehringen, Breuna, Wettesingen, Nieder- und Oberlistingen, außerdem Hörle, Herben, Külte und Lütersheim zu gründen. Es gab viele strategische Überlegungen. Die angeblich schlechte finanzielle Lage des Landkreises Wolfhagen wurde ebenso ins Feld geführt wie die Bauverpflichtungen für die Erweiterung der Wilhelm-Filchner-Schule in Wolfhagen.

19 Monate nach der Eingemeindung von Ehringen gehörte Volkmarsen zu Waldeck

Der Zusammenschluss von Volkmarsen und Ehringen und der Wechsel ins Waldecker Land, für den der Landtag eigens ein Gesetz beschließen musste, gehören zu den bemerkenswertesten Veränderungen, die mit der Gebietsreform in Nordhessen ausgelöst wurden. Als Letztes hat übrigens die evangelische Landeskirche die Gebietsreform nachvollzogen. Die Kirchengemeinde Volkmarsen gehört seit 2014 zum Kirchenkreis Twiste Eisenberg. Das Kirchspiel Ehringen jedoch gehört heute zum neu gebildeten Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen.

Die Eingemeindung von Ehringen nach Volkmarsen war 1971 nur einer von vielen Schritten auf dem langen Weg nach Waldeck. Am 1. August 1972 berichtete die Waldeckische Landeszeitung sehr ausführlich über die Aufnahme der neuen Großgemeinde Volkmarsen mit ihren sechs Stadtteilen in den Landkreis Waldeck.

Volkmarsen hat mehrfach versucht, waldeckisch zu werden

Der damalige Bürgermeister Wolfgang Vervoort wurde mit den Worten zitiert, dass die Stadt Volkmarsen schon 1932/33 sowie 1948 vergeblich versucht habe, waldeckisch zu werden.

WLZ-Reporter Hans-Heinrich Strippel schrieb damals: „Es war für Volkmarsen ein langer Weg nach Waldeck. Die Endphase begann am 17. April 1970, als die Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschloss, mit den umliegenden Gemeinden im Kreis Waldeck Verhandlungen über einen Zusammenschluss aufzunehmen.“

Mehrere Bürgerbefragungen wurden abgehalten

Während sich Hörle, Herbsen, Külte und Lütersheim für eine Fusion aussprachen unter der Voraussetzung, dass Volkmarsen Teil des Kreises Waldeck werde, lehnte die Nachbargemeinde Breuna im Mai 1970 eine Fusion mit Volkmarsen generell ab.

Bei einer Bürgerbefragung im März 1971 sprachen sich 1675 Wahlberechtigte in Volkmarsen und Ehringen für einen Anschluss an Waldeck aus, 1344 waren dagegen. Es folgten gleichlautende Beschlüsse von Stadtparlament und Waldecker Kreistag.

Ortsbeirat versuchte, das Ruder herum zu reißen

Dann aber überschlugen sich im Juni 1972 noch einmal die Ereignisse: Im Stadtteil Ehringen strebten die „Gegner des Weges nach Waldeck“ eine Trennung der Ehe mit Volkmarsen und einen Zusammenschluss mit Wolfhagen an, um gemeinsam in den neuen Großkreis Kassel einzugehen.

Am 11. Juni 1972 stimmte das Stadtparlament für den Verbleib von Ehringen in der Stadt Volkmarsen, aber schon fünf Tage später fand sich im Ortsbeirat von Ehringen eine 7:1-Mehrheit für die Eingliederung in die Stadt Wolfhagen. Am 18. Juni 1972 wurden die Ehringer Bürger erneut gefragt. Ihr Votum fiel eindeutig für den gemeinsamen Weg mit Volkmarsen nach Waldeck aus: 395 Ehringer stimmten für einen Verbleib bei Volkmarsen, 185 für eine Eingemeindung nach Wolfhagen.

Neue Kreisstruktur in Gesetzesform gegossen

Inzwischen stellte sich der Wolfhager Kreistag quer: Volkmarsen solle nicht nach Waldeck gehen. Die erlösende Entscheidung fiel dann am 5. Juli in Wiesbaden, wo der Landtag in dritter Lesung das Gesetz über die Neugliederung der Kreise Hofgeismar, Wolfhagen und Kassel beschloss und die Auskreisung von Volkmarsen nach Waldeck absegnete.

Hauptargument der Gegner der Auskreisung war die Sorge, dass am Ende nicht genügend Schüler für die geplante Volkmarser Gesamtschule übrig bleiben könnten. Die Kugelsburgschule wurde gebaut und die Schulbezirksgrenzen so gezogen, dass die Schüler aus den neuen Stadtteilen hier zu unterrichten waren. (Elmar Schulten)

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