Neue Gedenktafeln am jüdischen Friedhof

Gedenken als Dauerauftrag auch in Volkmarsen

Zwei Männer in schwarzen Mänteln an einer Gedenktafel auf dem jüdischen Friedhof in Volkmarsen.
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Neue Infotafeln angebracht: Ernst Klein (im Bild mit Bürgermeister Hartmut Linnekugel) an der Mauer des Jüdischen Friedhofs in Volkmarsen. In Deutsch und Englisch wird über die Geschichte des Erinnerungsortes informiert.

Seine Grabsteine wurden von den Nationalsozialisten zerschlagen, doch der Gedenkort ist noch da. Der jüdische Friedhof in Volkmarsen erinnert nicht nur an jene, die dort einst bestattet wurden.

Volkmarsen - Der Ort steht auch für die im Dritten Reich ermordeten Einwohner jüdischen Glaubens. Ernst Klein hat dafür gesorgt, dass neue Infotafeln an der Mauer Auskunft über ihre Geschichte geben.

Seit rund drei Jahrzehnten arbeitet der Volkmarser die Geschichte der jüdischen Mitbürger aus Volkmarsen und den angrenzenden Kommunen auf. Neben wenigen noch lebenden Zeitzeugen sind es vor allem die Nachkommen der emigrierten oder ermordeten Volkmarser Juden, die den Erinnerungsort besuchen. Für sie wurden die Texte der drei erneuerten Tafeln ins Englische übersetzt und ebenfalls in die Mauer eingefügt.

Die Lücken in der Mauer sind symbolisch

Die bisherigen Infotafeln aus Edelstahl waren in die Jahre gekommen und teils schwer zu entziffern. Eine vierte Tafel gibt Auskunft über die Friedhofsmauer, die große Lücken aufweist.

Das sei kein Zufall, sagt Ernst Klein, habe doch die Ermordung Volkmarser jüdischen Glaubens ebenfalls Lücken in die Ortsgemeinschaft gerissen.

Kontinuierliche Erinnerungsarbeit ist nötig

Dass Ernst Klein die Texte in ehrenamtlicher Arbeit angefertigt habe, hob Bürgermeister Hartmut Linnekugel hervor. Die Umsetzung sei in Kooperation mit der Stadt Volkmarsen sowie Mitteln des RP Kassel erfolgt. Mit der Anbringung der Tafeln ist die Hoffnung verbunden, dass sie weitere Jahre unbeschädigt an Ort und Stelle bleiben.

Mitglieder des Volkmarser Vereins „Rückblende – Gegen das Vergessen“ engagieren sich gleichfalls für den Friedhof, bauten etwa 2005 die Mauer neu auf. So waren Vorsitzender Thomas Neutze und Vorstandsmitglied Arno Walprecht bei der Vorstellung der neuen Infotafeln zugegen. Dass Aktionen zu Gedenktagen wie dem 9. November allein jedoch nicht ausreichten, betonte der Bürgermeister.

Kontinuierliche Erinnerungsarbeit, wie sie etwa im Gustav-Hüneberg-Haus geleistet werde, sei gefragt, unterstrich Linnekugel: „Gedenken muss ein Dauerauftrag werden“. (Sandra Simshäuser)

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