Vor einem Jahr hielt der Kasseler Regierungspräsident die Gedenkrede  in Volkmarsen

Gedenkfeiern zum Volkstrauertag: Erinnerung wachhalten - Landrat spannt Bogen zum Lübcke-Mord

+
Volkstrauertag in Volkmarsen auf dem Friedhof an der Herbser Straße. Kranzniederlegung mit den beiden Stadtverordnetenvorstehern Burkhard Scheele, Klaus Teppe sowie Landrat Dr. Reinhard Kubat und Bürgermeister Hartmut Linnekugel.

 Mit Andachten und Kranzniederlegungen wurde am gestrigen Volkstrauertag in allen Dörfern des Waldecker Landes an die Opfer der beiden Weltkriege und des nationalsozialistischen Rassenwahns erinnert.

Fahnenabordnungen der Vereine, anrührende Worte der evangelischen Pfarrerin Britta Holke und ihres katholischen Kollegen Martin Fischer und schließlich die Kranzniederlegung der beiden Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Scheele und Klaus Teppe gemeinsam mit Bürgermeister Hartmut Linnekugel. So oder so ähnlich sieht das Gedenkritual seit Jahrzehnten zum Volkstrauertag aus.

“Früher war es für die Menschen in unseren Dörfern und Städten sebstverständlich, an diesem Gedenken teilzunehmen“, stellte Landrat Dr. Reinhard Kubat bei seiner Gedenkansprache auf dem Volkmarser Friedhof an der Herbser Straße fest. Gerade die Erlebnisgeneration habe sich noch genau an das Grauen und Leid der Kriege, an die Millionen von Toten, Zerstörung und Gewalt, an Willkür, Unterdrückung und Terror erinnert. Dr. Kubat: „Das gemeinsame Gedenken half dabei, diese Erfahrungen zu bewältigen.“

Aber mit dem Abstand zum Gesehenen verblasse auch die Erinnerung. Es sei zwar schön, dass Deutschland mit fast 74 Jahren die längste Friedensperiode in seiner Geschichte erlebe. Aber Frieden bekomme man nicht geschenkt, Frieden müsse man sich erarbeiten

Dr. Kubat: „Jahrzehntelang schien es so, als hätte unsere Gesellschaft ihre Lehren aus der nationalsozialistischen Willkür- und Gewaltherrschaft gezogen.“ Mittlerweile zeige sich aber, dass die Mahner recht behielten. Der Rechtsextremismus zeige sich wieder ganz offen und scheue auch vor Morden nicht zurück.

Tief betroffen erinnerte der Landrat an die heimtückische Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke. Noch vor einem Jahr habe er an gleicher Steller gestanden und die Gedenkrede zum Volkstrauertag 2018 gehalten. Dr. Kubat: „Er wurde vor seinem eigenen Haus von einem rechtsextremen Gewalttäter getötet. Die Erinnerung begleitet mich jeden Tag“

Ebenso bedrückend sei der Angriff auf die jüdische Gemeinde in Halle, ebenfalls durch einen Gewalttäter, der der Neonazi-Szene zugerechnet werde. Es sei beschämend, dass heute wieder jüdische Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Synagogen unter Polizeischutz gestellt werden müssten.

Das zeige, wie wichtig eine funktionierende Erinnerungskultur für den Fortbestand der Demokratie sei. Gerade in einer Zeit, in der rechtsextremes Gedankengut sich in der Maske demokratischer Rechtschaffenheit wieder in die Gesellschaft Einlass verschaffe, sei ein wehrhafte Demokratie vonnöten.

Dr. Kubat: „Blinder Nationalismus hat uns im 20. Jahrhundert in die größten Katastrophen geführt. Wir müssen wachsam sein und aufpassen, dass wir nicht wieder einen falschen Weg einschlagen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare