Geopark Grenzwelten hat neue Broschüre aufgelegt

Auf den Spuren der geheimnisvollen Hollen im Wattertal bei Lütersheim 

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Sagenumwoben: Die Hollenkammern zwischen Volkmarsen und Lütersheim haben schon seit Jahrhunderten die Fantasie der Menschen angeregt. 

Volkmarsen. Nördlich des Dorfes Volkmarsen-Lütersheim durchschneidet das Tal der Watter die Schichten des Buntsandsteins mit zahlreichen markanten Felsklippen, die den östlichen Talhang auf einer Strecke von rund zwei Kilometern begleiten.

Um die Felsen „Kattekurts Klippe“ und „Hollenkammer“ ranken sich einige Sagen und Legenden. So sollen dort kleine Wichtelmännchen (Hollen) gewohnt haben. Möglicherweise lag dort auch ein heidnischer Kultplatz und Experten deuten Ritzungen im Fels als Darstellung einer „steinzeitlichen Fruchtbarkeitsgöttin“.

Bei den Hollen handelte es sich der Sage nach um kleine schwarze Männchen mit Hüten. Hatten sie ihre Hüte auf, waren sie unsichtbar. Die Hollen waren meist gut zu den Menschen, aber manchmal auch böse. Wem sie böse waren, stahlen sie oft wertvolle Dinge, die sie dann dem schenkten, welchem sie gut waren. Nach einer Überlieferung sollen die Hollen unbemerkt Menschenkinder aus den Krippen gestohlen und mit ihren eigenen Kindern vertauscht haben.

Über die Geologie der markanten Felsformationen und die geheimnisvollen Hollen berichtet ein vom Projektbüro des Geoparks GrenzWelten kürzlich herausgegebenes Faltblatt. Darin enthalten ist auch eine kleine Karte mit einem Wandervorschlag und Hinweisen auf weitere Sehenswürdigkeiten wie die verfallene Burgruine Ödelbeck, die Wetter-Kapelle und das heimatgeschichtliche Museum im Haus Bock in Volkmarsen.

Steinzeitliche Ritzungen: Peter Kirschbaum, ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger, sieht hierin eine Fruchtbarkeitsgöttin.

Einen hervorragenden Einblick in den Aufbau der Gesteinsschichten geben die sich bis in die Nebentäler hineinziehenden, mächtigen Klippenzüge am Wattertal-Osthang nördlich von Lütersheim. Die Sandsteine zeichnen sich durch ihre raue löcherige, oft wabenförmig verwitterte Oberfläche aus.

Von Geologen wird die Formation als „Wilhelmshausener Schichten“ bezeichnet. Sie wurden in der Buntsandsteinzeit (etwa 250 Millionen Jahre vor heute) in einer riesigen Binnensenke („Germanisches Becken“) abgelagert. Bei seltenen, aber heftigen Niederschlagsereignissen strömten große Wassermassen in das Becken hinein.

Während dieser Ereignisse wurden enorme Schuttmengen von der umgebenden Gebirgslandschaft in das Becken verfrachtet. Im Laufe der Buntsandsteinzeit entstanden weitläufige, sich vernetzende Fluss-Systeme und zeitweilig mit Wasser bedeckte Überflutungsebenen, die rasch wieder abtrockneten. Die Felslandschaft im Unteren Wattertal mit der „Hollenkammer“ ist eine von neun ausgewählten, so genannten „Geo-Landschaften“, die der Geopark zukünftig verstärkt bewerben wird. Dazu werden weitere Faltblätter vorbereitet, u.a. über die „Bruchhauser Steine“ (Hochsauerland) und die Kalkfels-Landschaft im Werbetal bei Waldeck-Oberwerbe.

Das Faltblatt „Felslandschaft Unteres Wattertal“ ist ab sofort kostenlos erhältlich im Projektbüro des Geoparks GrenzWelten, Auf Lülingskreuz 60 in Korbach, in der Informationsstelle des Geoparks im Bonhage-Museum sowie im Rathaus der Stadt Volkmarsen. Ab 2019 wird der Geopark auch Führungen zu den Felsen der „Hollenkammer“ anbieten. (Von Norbert Panek)

Mehr unter: www.geopark-grenzwelten.de

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