Pfiffiges Energiekonzept bei der Fleischwarenfabrik Henkelmann

Beim Volkmarser Solarstrom geht's um die Wurst

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Eigenstrom aus Sonnenenergie: Dr. Dieter Brinkemeyer, Geschäftsführer des Fleischwarenproduzenten Henkelmann (rechts), und Christoph Lübcke (BLG Project), vor den Auf-Dach-Modulen und der neuen Freiland-Photovoltaikanlage zwischen dem Betrieb und dem Logistikunternehmen im Hintergrund.

Volkmarsen. Die Fleischwarenfabrik Henkelmann hat zwei Millionen Euro investiert, um Energie zu sparen. Im Mai ist ein Freiland-Solarpark neben der Fabrik entstanden, der angesichts des sommerlich-sonnigen Wetters schon mit Rekordwerten aufwarten kann und erheblich zum Eigenversorgungsgrad des Unternehmens beiträgt.

Hitze und Kälte sind unentbehrlich für die Herstellung von Wurst- und Schinkenprodukten bei Henkelmann. Dafür verbraucht das Unternehmen pro Jahr 3,5 Gigawattstunden Strom. Das entspricht dem Konsum von 640 Vier-Personen-Haushalten.

Mit Investitionen in die Einsparung von Energie sowie in die Produktion von Wärme und Strom hat Henkelmann inzwischen einen Grad der Selbstversorgung von 70 Prozent erreicht, wie Geschäftsführer Dr. Dieter Brinkmeyer berichtet. Das sah 2007 ganz anders aus, als Brinkmeyer und Andreas Behrenswerth das traditionsreiche Unternehmen zu hundert Prozent übernahmen: Damals wurden noch 3,8 Gigawattstunden Strom verbraucht.

Wie lässt sich in einem Großunternehmen Strom sparen?

Im Unternehmen wurden zur Energieeinsparung Temperaturzonen neu konzipiert und Isoliermaßnahmen vorgenommen. Eine neue Kälteproduktionsanlage mit der Möglicheit der Wärmerückgewinnung und einer Wärmepumpe entstand. Eine neue Druckluftanlage ermöglicht die Rückgewinnung von Wärme.

Frequenzsteuerungen an Motoren und Pumpen machen einen bedarfsorientierten und sparsamen Stromverbrauch möglich. Die Ausrüstung des Betriebs mit LED-Leuchtmitteln drückt ebenfalls die Stromrechnung.

Daneben investierte das Unternehmen in die alternative Energieerzeugung. Die vor etwa acht Jahren erichteten Aufdach-Solaranlagen liefern 0,2 Gigawattstunden Strom, die überwiegend im Betrieb verbraucht werden. Aus dem erdgasbetriebenen Blockheizkraftwerk (BHKW) wird mit 1,9 Gigawattstunden der meiste Strom selbst hergestellt und zum allergrößten Teil auch selbst verbraucht. Die am 8. Mai in Betrieb genommene Freilandanlage erzeugt 0,7 GWh, die zur Hälfte im Betrieb verbraucht werden.  Der Rest kann in das Netz eingespeist werden. 

Das regional aktive Unternehmen BGL Project GmbH in Istha, das in Volkmarsen bereits den Bürgersolarpark plante, hat auch die Photovoltaikanlage für Henkelmann auf einer Fläche zwischen dem Betrieb und der Bahnlinie am Logistikzentrum konzipiert und realisiert.

Mit mit einem Leistungsvermögen von 749 Kilowattstunden produzieren die über 2600 Module knapp unter dem Limit Strom, bei dem eine Förderung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes möglich ist.

Wie ist die Firma Henkelmann aufgestellt?

Wurst- und Schinkenprodukte für Großverbraucher machen das Gros der Erzeugnise des 1924 in Ehringen gegründeten und 2007 verkauften Familienunternehmens Henkelmann heute aus. Mehr als 75 Prozent des Umsatzes von 30 Millionen Euro werden in diesem Bereich von derzeit 174 Mitarbeitern erwirtschaft, so Dr. Dieter Brinkemeyer, der diie Firma zusammen mit Andreas Behrenswerth kaufte. 

Durch die Beteiligung des Unternehmens Kemper GmbH und Co. KG aus Nortrup an Henkelmann wächst die Firma abermals. Kemper erwirtschaftet mit 1350 Mitarbeitern einen Umsatz von 400 Millionen Euro in fünf modernen Werken und gehört damit zu den ersten Drei auf dem Markt der deutschen Wurst- und Schinkenindustrie. 

Kemper und Henkelmann werden ihr Geschäft mit Großverbraucherkunden von Volkmarsen aus in der gemeinsamen Kemper Professional-Vertriebsgesellschaft zusammenlegen und die Produktion für Großverbraucher in Volkmarsen ausbauen. Erster Schritt ist die Erweiterung des Kommisionierungs- und Versandbereiches um 500 Quadratmeter. 

Im Anschluss sollen der Herstellungsbereich erweitert und die Kommissionierung automatisiert werden. Weiter betrieben wird die Metzgerei, die aus dem Betrieb mit frischen Waren beliefert wird. Im Endausbau soll Henkelmann einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro abwickeln können.

 „Ob es dazu kommt, hängt auch von der bisher guten Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden ab“, heißt es in einer Mitteilung von Henkelmann.

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