Spontane Aktion über Wochen fortgeführt

Waldecker helfen Flutopfern in Blessem

Zwei Männer rühren in einem großen Topf mit Suppe.n
+
Eine Stärkung für die Helfer in Blessem: Elmar Kottenstede und Stefan Hasenschar (rechts) hatten Eintopf für die Menschen im Flutgebiet mitgebracht.

Mit ihrer spontanen Hilfsaktion wenige Tag nach dem verheerenden Hochwasser an Erft und Ahr haben der Herbser Spediteur Stefan Hasenschar und der Schmillinghäuser Ortsvorsteher Elmar Kottenstede am 17. Juli aufhorchen lassen. Doch die von ihnen organisierte Hilfe ging weiter und dauert auch heute noch an.

Herbsen/Schmillinghausen - Ihrem Hilfsaufruf auf Facebook und Instagram folgten an jenem Sonnabend im Juli hunderte von hilfsbereiten Waldeckern und lieferten Kinderkleidung, Spielsachen, Lebensmittel, Gummistiefel und Trockengeräte auf dem Hof der Spedition ab. Hier ließ Hasenschar von seinen Mitarbeitern 14 Lastwagen beladen und startete noch am gleichen Wochenende ins Überschwemmungsgebiet.

Nach einer Odyssee von einer Kontrollstelle zur nächsten landete der Konvoi mit den Hilfsgütern schließlich in Blessem. Das kleine Dorf an der Autobahn A61 erlangte bundesweite Berühmtheit, weil das Wasser der sonst so beschaulich dahin plätschernden Erft eine Kiesgrube flutete. Das nachrutschende Erdreich riss einen halben Straßenzug in die Tiefe.

Vor dem Winter noch viel zu tun

Noch heute klafft das riesige Loch und gefährdet die Standsicherheit Dutzender Wohnhäuser und einer Fahrtrichtung der Autobahn. Deshalb ist die A61 auch fast vier Monate nach dem schweren Unwetter immer noch in Fahrtrichtung Köln gesperrt.

Der Wiederaufbau ist noch längst nicht so in Gang gekommen, wie es sich die Bewohner wünschten. Deshalb ist die Hilfe aus dem Waldecker Land auch nach wie vor willkommen, zumindest bei den direkt Betroffenen. Von der Verwaltung der Stadt Erftstadt wünschten sich die Helfer aus Schmillinghausen etwas mehr Unterstützung.

Hilfsgüter werden persönlich übergeben

So habe er sich darauf konzentriert, die Hilfsgüter, die er von den privaten Spenden aus Nordwaldeck angeschafft habe, direkt an einen zuverlässigen Ansprechpartner in Blessem zu überbringen, der wiederum als Anlaufstelle für Bedürftige fungiere.

Elmar Kottenstede und Stefan Hasenschar vor einem gespendeten Zelt, das sie in Blessem aufstellten, um Hilfsgüter trocken lagern zu können.

Tonnenweise Viehfutter wurden bei den ersten Transporten für die Landwirte der Region ausgeliefert. In weiteren Transporten folgten Bautrocknungsgeräte, Waschmaschinen und Kühlschränke. Zuletzt orderten Hasenschar und Kottenstede 24 Tonnen Gipsputz auf Paletten, um den Wiederaufbau zu unterstützen. Weitere 15 Tonnen wurden von Waldecker Handwerkern gespendet und von Hasenschar nach Blessem expediert.

Die Resonanz auf jeden Hilferuf ist enorm

„Es ist unbeschreiblich, wie dankbar wir empfangen wurden“, erzählt Kottenstede. Erwachsene Männer hätten Tränen in den Augen gehabt, als ihnen die Nordwaldecker die gebrauchten Haushaltsgeräte übergaben.

Verladen der Hilfsgüter am Sonnabend in Herbsen: Auf dem Gelände der Spedition Hasenschar in Herbsen wurden hunderte von Wagenladungen angeliefert und für den Abtransport vorbereitet.

Kottenstede: „An einem Donnerstag haben wir einen Aufruf bei Facebook gestartet und um 1000 Würstchen für Blessem gebeten. Bis Samstagmorgen hatten wir 1500 Grillwürste, Brötchen, Grillkohle und einen vollen Getränkewagen.“ So kamen die Waldecker Helfer in Blessem an und riefen alle Bewohner und Helfer zu einer Grillfeier ein.

Folgen der Flut noch überall sichtbar

Bei bestem Wetter kamen fast 1000 Personen. Kottenstede: „Einige waren so überwältigt, dass sie mit Tränen in den Augen vor uns standen. Die haben sich gefreut, dass man bei all der Aufräumarbeit auch mal wieder zum persönlichen Gespräch zusammenkommen konnte.“

Traurig sei es zu sehen, dass mehrere Häuser in Blessem nun abgerissen werden müssten, weil sich nach dem Hochwasser niemand in die Gebäude hineingewagt habe. Dadurch habe sich Wasser mit Heizöl vermischt und sei in die Kellerwände eingedrungen, die nun nicht mehr zu retten seien. Auch das von der Feuerwehr abgepumpte Öl lagere noch in oberirdischen Tanks. Sperrmüll liege auf einem großen Berg an der Grenze zum Nachbardorf. Dort beklagten sich die Anlieger über den Gestank.

Seit Monaten hoch motiviert zu helfen

Die Bürger in Blessem seien weitgehend auf sich und auf die Hilfe von weitgereisten Helfern angewiesen. Umso mehr sehen sich die Waldecker motivert, mit ihrem Einsatz nun nicht nachzulassen. Der Spendenaufruf des Schmillinghäuser Ortsvorstehers hat bisher rund 30.000 Euro und Sachspenden im Wert von rund 40.000 Euro erbracht. Ein Großteil sei bereits aus geliefert worden.

Mit dem restlichen Spendengeld wollen die Schmillinghäuser Helfer weiteres Baumaterial kaufen. Außerdem wurden bereits Erholungsurlaube für Mütter mit Kindern in Helsen und Landau vermittelt.

Hilfe wird weiterhin benötigt

Weitere Einladungen stehen aus für eine Woche Urlaub im Ferienpark am Twistesee und im Landhotel Teuteberg in Schmillinghausen. Als Zeichen der Hoffnung in der Adventszeit soll in den nächsten Wochen noch ein sechs Meter hoher Weihnachtsbaum samt Beleuchtung aus dem Waldecker Land nach Blessem gebracht werden.

Auf dem Gelände der Spedition Hasenschar in Herbsen wurden am Samstag Hilfsgüter für die Hochwassergebiete gesammelt. Die Resonanz war gewaltig.

Wer helfen möchte, kann auf das Treuhandkonto OB Schmillinghausen- „Flutopferhilfe“ überweisen: IBAN DE63 5235 0005 0000 1328 03

Dank an alle Helfer

„Das Dorf Blessem mit der Abbruchkante an der Kiesgrube ist zum Bild der Flutkatstrophe geworden. Das täuscht aber darüber hinweg, dass wir in Erftstadt viele Stadtteile haben, die ähnlich stark vom Hochwasser betroffen waren.“ Das berichtet Christian Kirchharz, Sprecher der Stadt Erftstadt, im Gespräch mit der WLZ.

Die Flut und die nachfolgende Welle der Hilfsbereitschaft hätten das System zunächst überfordert. Auch die Stadtverwaltung habe erst einmal wieder arbeitsfähig werden müssen, nachdem Büros und Server überflutet wurden und nicht mehr einsatzfähig waren.

Ein segen für viele

So hätten zunächst Privatleute einspringen und Hilfe organisieren müssen. Die Stadt Erftstadt sei allen Helfern unendlich dankbar für alles, was sie in den schweren Wochen nach der Flut unternommen haben.

Bürgermeisterin Carolin Weitzel stellt dazu fest: „Wir sind bis heute überwältigt von den vielen Hilfen und der großen Unterstützung nach der Flutkatastrophe. Viele Menschen haben sich selbstlos engagiert und sind auch weiterhin aktiv. Die Hilfen aus Bad Arolsen waren und sind für viele ein Segen. Es sind auch persönliche Freundschaften entstanden. Diese Freundschaften und der Zusammenhalt bilden ein Fundament für die Zukunft.“ (Elmar Schulten)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare