Frühere Mitarbeiter in Gefahr

Hilferufe aus Afghanistan erreichen einen langjährigen Entwicklungshelfer in Volkmarsen

Der Entwicklungshelfer Kurt Rudolf setzt sich für seine ehemalige afghanischen Mitarbeiter ein. Das Bild zeigt Rudolf mit seinen nationalen Kollegen und Dorfbewohnern bei der Arbeit im Distrikt Takhar.
+
Der Entwicklungshelfer Kurt Rudolf setzt sich für seine ehemalige afghanischen Mitarbeiter ein. Das Bild zeigt Rudolf mit seinen nationalen Kollegen und Dorfbewohnern bei der Arbeit im Distrikt Takhar.

Der Entwicklungshelfer Kurt Rudolf in Volkmarsen setzt sich für bedrohte frühere Mitarbeiter in Afghanistan ein.

Volkmarsen – Hilferufe von ehemaligen afghanischen Mitarbeitern erreichen den Entwicklungshelfer Kurt Rudolf derzeit an seinem Wohnort Volkmarsen. Er setzt sich dafür ein, diese Menschen und ihre Familie in Sicherheit zu bringen.

Bangen um das Leben

Rudolf, der seit 1989 beim Deutschen Entwicklungsdienst (DED), der späteren Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Welthungerhilfe unter anderem in Afghanistan und Haiti verschiedene Projekte mithilfe von örtlichen Mitarbeitern verwirklichen Konnte, unterstützt ein Schreiben an die Bundesregierung und an die GIZ zur Rettung der früheren afghanischen Kollegen. Sie fürchten nach der Machtübernahme um ihr Leben.

„Die Leute, die für ausländische Organisationen und ausländisches Militär gearbeitet haben, sind auf der Abschussliste“, beschreibt Rudolf die Lage der afghanischen Mitarbeiter.

Bitte um Hilfe

„Es ist erschreckend, dass erst jetzt, nach dem überstürzten Abzug der Bundeswehr, langsam die Problematik der Bundeswehr-Ortskräfte diskutiert wird. Ich finde es empörend, dass (...) die Mitarbeiter der Entwicklungshilfe, auch die von den NGOs (Nichtregierungsorganisationen) gar nicht einbezogen wurden“, schrieb Rudolf in einem Brief vor wenigen Tagen an die GIZ.

Er bittet die GIZ, sich für die ehemaligen nationalen Mitarbeiter einzusetzen. Diese hätten Entwicklungshelfern wie ihm die nötige Sicherheit für ihren Einsatz in dem fremden Kulturkreis geboten.

Der Entwicklungshelfer Kurt Rudolf (links) setzt sich für eine Aufnahme afghanischer Mitarbeiter ein. Rechts sein langjähriger Freund Bernhard Bielefeld in Volkmarsen, wo er zurzeit wohnt.

Rudolf hat Hilferufe von ehemaligen Mitarbeitern bekommen, die es unter erheblichen Gefahren geschafft hätten, den Flughafen Kabul zu erreichen, um das Land zu verlassen.

Rudolf schätzt, dass die Zahl der allein für deutsche Organisationen tätigen Mitarbeiter auf mehrere Tausend. Diese sollten alle den Zugang in ein westliches Land bekommen.

Gut ausgebildete Mitarbeiter

Das Spektrum reiche von Technikern über Fachleute mit akademischer Ausbildung bis hin zu den Fahrern, die häufig unterschätzt würden, aber für die Sicherheit der Entwicklungsfachleute von großer Bedeutung seien. „Sicher hatte ich in manchen Situationen Glück, aber ich bin mir sicher, dass ich nur durch den Schutz meiner afghanischen Mitarbeiter noch am Leben bin und heute meine Rente genießen kann!“, schreibt Rudolf..

Er berichtet, dass die Teams gut zusammengearbeitet hatten und die Projekte durch die Mitwirkung der Menschen vor Ort erfolgreich abgewickelt wurden. Trotz aller Gefahren und schweren Zwischenfälle, so wurden zwei Mitarbeiter bei einem Bombenanschlag auf ein Fahrzeug schwer verletzt, arbeiteten die Gruppen weiter, weil sie an den Sinn der Aktivitäten geglaubt hätten.

Das leisten die Helfer

„Die nationalen Mitarbeiter waren meine Stimme und meine Hand“, beschreibt der Entwicklungshelfer Kurt Rudolf die Bedeutung gerade der afghanischen Kräfte. In seinem ersten Projekt, von 2004 bis 2006, war er von der Welthungerhilfe in Sheberghan als Projektleiter eingesetzt und hatte die Verantwortung für 124 einheimische Mitarbeiter in den Provinzen Jawzjan und Faryab.

2009 war für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit zwölf nationalen Mitarbeitern für ein von der EU finanziertes Infrastrukturprojekt verantwortlich.

Gefährliche Einsätze

Ein Einsatz als Verantwortlicher eines Vorhabens des Auswärtigen Amtes in Kandahar 2010 endete unerwartet, als das Büro durch eine Autobombe zerstört wurde. Bei dem Einsatz von 2010 bis 2012 für die GIZ mit 24 Mitarbeitern gab es bei einem Bombenanschlag zwei Schwerverletzte in seinem Team.

Damals war er als Standortmanager in Taloquan eingesetzt, wurden im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit Vorhaben in Kunduz und Taloquan umgesetzt.

Unentbehrlich für Projekte

Bei aller Gefahr wusste Rudolf die Zusammenarbeit mit den Ortskräften und den Menschen vor Ort zu schätzen. Es sei wichtig, Verständnis für das kulturelle Umfeld zu entwickeln und die Menschen in die Projekte einzubinden. Umso größer sei der Erfolg und die Garantie, dass die Einwohner sich mit den Vorhaben identifizierten, die schließlich ihre Lebensumstände verbessern.

Kurt Rudolf war zunächst Produktmanager eines Landmaschinenhersteller und seit 1989 Entwicklungshelfer. er ist in Braunsen aufgewachsen und wohnt derzeit bei Bernhard Bielefeld in Volkmarsen, einem alten Freund aus Jugendzeite er bereitet sich nun auf den Umzug zu seiner Familie in die Dominikanische Republik vor, wo seine aus Venezuela stammende Ehefrau und die beiden Söhne leben. (Armin Haß)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare