Abschied mit Zwiebelkuchen

In Ehringen geht ein Stück Backtradition zu Ende

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Sie sagt „Tschüss!“: Silke Keim gibt schweren Herzens den Backwaren-Laden an der Dorfstraße in Ehringen auf. Das Foto erinnert an die 1926 begründete Bäckereitradition.

Volkmarsen-Ehringen. Nach über 90 Jahren ist Schluss in der alten Bäckerei an der Ehringer Oberstraße. „Silkes Eiringer Back“ schließt zum 3. November mit einer kleinen Fete.

Der Backofen wurde in den vergangen Jahren vom letzten Bäckermeister nur noch für private Zwecke angeheizt, und die Backwaren wurden ebenso für den nun schließenden Laden mit Café lediglich zugekauft wie die ebenfalls dort erhältlichen Wursterzeugnisse und Eier aus der Region. Doch hat sich das Lädchen in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt.

1926 haben Fritz Bertermann und Sohn aus Wolfhagen das Haus gekauft und die Bäckerei dort gegründet. Dann führte Sohn Alfred die Backstube, und 1984 übernahm Otmar Baumbach die Bäckerei. Damals begann auch Silke Keim. Die gelernte Bäckereifachverkäuferin war ein Jahr als Gesellin und anschließend als Aushilfe in dem Betrieb tätig. Vor sieben Jahren schloss Baumbach die Bäckerei. „Da haben mich dann alle bekniet, ich solle die Bäckerei übernehmen“, erinnert sich Silke Keim. „Ich habe dann lange überlegt, hatte zuerst Schiss und am ersten Tag im gerade eröffneten Laden geheult“, fügt sie hinzu.

Offiziell ist ihr Ehemann Hartmut Keim der Betriebsinhaber. Das Ehepaar lebt mit Silkes Mutter in der angrenzenden Haushälfte, die den Keims gehört. Daher ist der Familie die alte Bäckerei schon ans Herz gewachsen. Der Backwarenladen mit seiner gepflegten, etwas nostalgisch anmutenden Einrichtung ist zu einem Dorftreff geworden.

Auch Lastwagenfahrer machen dort gerne halt, um sich mit Proviant für die Fahrt zu versorgen. „Von den Ehringern allein könnte der Laden nicht überleben“, sagt Silke Keim. Schließlich sind in dem Laden auch noch drei Aushilfen beschäftigt.

An zwei Tagen der Woche fährt die Chefin mit dem Bäckerauto nach Viesebeck, Gasterfeld, Nieder-Elsungen und Lütersheim. Die Kunden sind in meist Senioren, die sonst kaum in einen Supermarkt kämen und das Ende dieser Dienstleistung bedauern.

Dass der Laden nun schließt, liegt nicht an der fehlenden Kundschaft“, wie Silke Keim bekräftigt. Als der Gebäudeteil mit der Bäckerei und dem Eiringer Back verkauft wurde, zogen Mieter mit ihrer Familie ein. Um den Laden dauerhaft weiter betreiben zu können, müssten aufwändige Umbauten erfolgen. 

Als Silke Keim schon von der Schließung sprach, wurde sie von den Dorfbewohnern erneut bekniet, doch weiter zu machen. Möglichkeiten wurden ausgelotet, etwa die Gründung eines Fördervereins. Der Ehringerin fällt das Aufhören nicht leicht: „Hier ist mein Herzblut hineingelaufen, die Bäckerei ist mein zweites Zuhause geworden“, sagt sie. Ein Comeback ist nicht ausgeschlossen, überrascht sie dann doch. Aber das sei Zukunftsmusik. 

Die Ehringer werden nach der Schließung von Silkes Eiringer Back nicht ganz ohne Grundversorgung überleben müssen: Lebensmittel gibt es im Edeka-Laden und der Rollende Bäcker Briesemeister liefert Brot, Brötchen und Feingebäck. 

Am 3. November werden Hartmut und Silke Keim zum Abschied im Backwarenladen ab 11 Uhr Speck- und Zwiebelkuchen, Bratwurst und Federweißen anbieten, nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen.

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