Mit EC-Karte des Opfers eingekauft

Lütersheimer Mordprozess: Ladendetektiv erkennt Verdächtigen

Ein Jahr nach dem Mord mit anschließender Brandstiftung wird das moderne Holzhaus des Mordopfers in Lütersheim am 12. Februar 2020 abgerissen. Foto: Elmar Schulten
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Ein Jahr nach dem Mord mit anschließender Brandstiftung wurde das moderne Holzhaus des Mordopfers in Lütersheim Mitte Februar 2020 abgerissen.

Kassel: Einem Mann, der einen Rentner getötet, ausgeraubt und dann dessen Haus angezündet haben soll, wird nun trotz Corona der Prozess gemacht.

Lütersheim/Kassel – Der Mordprozess gegen einen 43-jährigen Mann aus Fulda, der im November 2018 einen Rentner in Lütersheim getötet, ausgeraubt und dann dessen Haus angezündet haben soll, geht auch in Corona-Zeiten weiter. Die beiden vorletzten Verhandlungstage vor der 10. Strafkammer des Landgerichts waren zwar der Virus-Krise zum Opfer gefallen, aber am Mittwoch konnten Richter Robert Winter und seine Kammer weiter an der Aufklärung des Verbrechens arbeiten.

Mordprozess in Kassel: Mutmaßlicher Mittäter nicht gekommen

Wenn auch mit Hindernissen: Der Mann, gegen den zwischenzeitlich als Mittäter ermittelt worden war und der nun als Zeuge gehört werden sollte, war nicht gekommen. Er soll nun zu einem späteren Termin geladen werden.

Gekommen war hingegen der Polizeibeamte, der die Finanzermittlungen leitete, die letztlich zum Angeklagten in Fulda führten. Der hatte nämlich nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft aus dem Haus des 79-jährigen Opfers in Lütersheim neben Elektrogeräten auch mehrere EC- und Kreditkarten mitgenommen, die er kurze Zeit später auch einsetzte. Der Polizeibeamte berichtete, dass bereits am Abend nach der Tat versucht wurde, an einem Geldautomaten in Kassel Geld zu ziehen. Das scheiterte zwar an der fehlenden Pin-Nummer, jedoch wurden da bereits Bilder des Angeklagten aufgenommen.

Mordprozess in Kassel: Angeklagte benutzte Kreditkarte des Opfers

Einige Tage später, so der Zeuge, waren die Kreditkarten im tschechischen Eger und Pilzen erfolgreich eingesetzt worden, dort auch mit größeren Geldbeträgen.

Entscheidend aber war, dass der Angeklagte die Karten in Aldi- und Tegut-Märkten sowie an Tankstellen in seiner Heimatstadt Fulda benutzte. Dort tätigte er stets Einkäufe knapp unterhalb der 20-Euro-Grenze, ab der die Eingabe einer Geheimnummer erforderlich wird. Ein Ladendetektiv hatte den Mann, nach dem inzwischen gefahndet wurde, wieder erkannt. Er alarmierte die Polizei, die den 43-Jährigen festnehmen konnte.

Die Verhandlung soll nun am 20. und 23. April fortgesetzt werden, wenn dies die Corona-Krise zulässt. Dann soll ein Rechtsmediziner gehört werden, der Aussagen zur Todesursache machen kann. Vermutlich wurde der 79-Jährige mit dem Griff einer Schreckschusspistole erschlagen. Der Leiter des Kriminaltechnischen Institutes beim Landeskriminalamt in Wiesbaden soll die in dem ausgebrannten Holzhaus gesicherten DNA-Spuren interpretieren.

Mordprozess in Kassel: Fünf weitere Verhandlungstage

Vorsichtshalber hat die Strafkammer fünf weitere Verhandlungstermine bis zum 8. Juni angesetzt, weil Zeugen nach den ausgefallenen Prozesstagen neu geladen werden müssen.

Zwar kommen derzeit kaum Zuhörer zu den wenigen Gerichtsverhandlungen, die in Kassel noch laufen, doch grundsätzlich bleiben sie öffentlich. Gegen den 43-jährigen Mann aus Fulda wird jetzt im großen Schwurgerichtssaal D130 verhandelt, in dem große Glasscheiben die Zuhörer vom Gerichtssaal trennen. Besucher müssen ihre Personalien und Rufnummern angeben, damit sie im Falle einer Infektionsgefahr erreichbar sind. 

Von Thomas Stier

Im Januar 2020 begann der Prozess wegen Mordes und Brandstiftung in Lütersheim vor dem Landgericht in Kassel. 2018 waren zwei Verdächtige festgenommen worden

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