Bistum Fulda drängt auf Zusammenlegung bis 2030

Die katholischen Pfarreien Volkmarsen, Naumburg, Zierenberg und Wolfhagen  sollen fusionieren - Doch noch ist nichts entschieden

Die katholische Pfarrkirche St. Marien in Volkmarsen blickt auf eine 700-jährige Geschichte zurück.
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Die katholische Pfarrkirche St. Marien in Volkmarsen blickt auf eine 700-jährige Geschichte zurück.

Volkmarsen. Die Vorgabe aus der Zentrale des Bistums in Fulda ist eindeutig: Angesichts des Priestermangels und der rückläufigen Zahlen der katholischen Gläubigen sollen Pfarreien zusammengelegt werden, um das Bistum mit einer neuen Struktur auf die Anforderungen in der Zukunft vorzubereiten. Spätestens 2030 soll der Prozess abgeschlossen sein.

Vier der 274 noch bestehenden Gemeinden bilden den Pastoralverbund St. Heimerad – Wolfhager Land mit seinen Kirchengemeinden Naumburg, Volkmarsen, Wolfhagen und Zierenberg. Und auch hier laufen die Vorbereitungen für eine Fusion, die von Zierenbergs Pfarrer Marek Prus vor Ort moderiert wird.

Am Ende des Weges wird es nach den Vorstellungen des Bistums im Wolfhager Land noch eine Pfarrei geben mit einer Pfarrkirche. Die übrigen drei Gotteshäuser werden zu Filialen.

Ein Pfarrer und ein „mitarbeitender Priester“, so Prus, werden dann die rund 7400 Katholiken mit Unterstützung von Gemeindereferenten betreuen. Ein zentrales Pfarrbüro wird am Ort der noch zu bestimmenden Pfarrkirche entstehen.

Auch die Pfarrgemeinderäte sowie die Verwaltungsräte werden sich vereinigen. Vermögen und gegebenenfalls Schulden der heute noch selbstständigen Gemeinden werden zusammengefasst.

Derzeit ist noch völlig offen, in welcher der vier Städte die Zentrale mit Sitz des Pfarrers angesiedelt wird. Prus geht davon aus, dass es weder Zierenberg noch Wolfhagen sein werden, deren katholisches Gemeindeleben erst nach dem Zweiten Weltkrieg begründet wurde.

So konkurrieren die beiden Pfarreien mit jahrhundertealter katholischer Tradition: Volkmarsen und Naumburg. Pfarrer Prus machte nun in der pastorlaen Dienstgemeinschaft den Vorschlag, dass beide Pfarreien fortbestehen sollten, die eine mit Zierenberg, die andere mit Wolfhagen als Filialkirche.

„Wir haben mit Naumburg und Volkmarsen zwei Pfarreien, die schon immer katholisch waren und zwei Gemeinden, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind“, beschreibt Pfarrer Marek Prus die Situation im Pastoralverbund St. Heimerad – Wolfhager Land.

Eine Fusion des Quartetts und das Bestimmen einer neuen Zentrale sei für Zierenberg und Wolfhagen weniger problematisch. Die wenigen Katholiken, die dort vor dem Krieg ansässig waren, gehörten schon zu Volkmarsen, sagt Prus, der als Moderator für den Fusionsprozess im Wolfhager Land eingesetzt ist. Eigenständig wurden die katholischen Gemeinden Zierenberg und Wolfhagen erst, nachdem die Zahl der Katholiken dort nach dem Krieg durch den Zuzug von Heimatvertriebenen vor allem aus dem Sudetenland deutlich anstieg. In Wolfhagen gab es zudem durch die Bundeswehreinheiten, die ab 1958 die Pommernkaserne bezogen, und einen Zuzug von Katholiken aus der Ukraine in den 1990er-Jahren weitere Zuwächse.

Die Pfarreien in Naumburg und Volkmarsen haben dagegen eine jahrhundertealte katholische Prägung, waren katholische Enklaven im protestantisch bestimmten Nordhessen. Traditionen haben sich in Volkmarsen wie in Naumburg bis heute gehalten, beispielsweise eine Vielzahl von Prozessionen. Prus, der Pfarrer von Zierenberg ist und zudem die Wolfhager Gemeinde seelsorgerisch betreut, geht deshalb davon aus, dass die Entscheidung für den Sitz der neuen Zentralpfarrei zwischen Volkmarsen und Naumburg fallen wird, weil dieses beiden „vom Gewicht, von ihrer Geschichte und Bedeutung stärker sind“.

Prus weiter: „Ich habe die besorgten Gesichter der katholischen Christen in Naumburg und Volkmarsen gesehen. Die können es sich nicht vorstellen, plötzlich keine Pfarrei mehr zu sein, sondern nur noch eine Filiale.“ Da schwinge die Angst mit, dass Einiges von dem, was seit vielen Generationen zum Leben in der Kirchengemeinde gehört, verloren gehen könnte.

Deshalb habe er kürzlich bei einem Treffen der Akteure im pastoralen Vereinigungsprozess in Naumburg den Vorschlag gemacht, man solle doch bei der Bistumsleitung „aufgrund der Gegebenheiten vor Ort, auch wegen der Entfernungen im Wolfhager Land“ darauf hinwirken, dass es eine kleinere Lösung gibt: Naumburg bleibt Pfarrei mit Wolfhagen als weiterer Filiale zusätzlich zu Merxhausen, und Volkmarsen behält ebenfalls den alten Status und erhält Zierenberg als Filiale. Diese Idee gelte es nun im Pastoralverbundsrat zu diskutieren.

Ob sich das Bistum auf eine derartige Ausnahme einlassen würde, sei völlig offen. Etscheiden müsse letztlich der Nachfolger des gerade erst in den Ruhestand gegangenen Bischofs Heinz Josef Algermissen. Der neue Bischof könne im Fusionsprozess „Akzente setzen, er kann die Abläufe beschleunigen oder verlangsamen oder ändern“.

(Von Norbert Müller)

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