3. Januar, Jahrestag des Kindertransports aus Kassel

Vortrag in Volkmarsen über Kindertransporte: Jeder nur ein Koffer, eine Tasche und zehn Reichsmark

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Aufnahme in den vermeintlich sicheren Niederlanden: Das Foto von 1939 erinnert an die Kindertransporte und die Aufnahme der jüdischen Kinder in niederländischen Heimen.   

Volkmarsen. Der Verein „Rückblende - Gegen das Vergessen“ lädt am Donnerstag, 3. Januar, um 18.30 Uhr zu einer Filmvorführung in den Seminarraum des Mikwe-Hauses, Steinweg 24 ein.

Gezeigt wird die Filmdokumentation „Die Flucht der Kinder“ zur Erinnerung an die jüdischen Kinder, die am 3. Januar 1939 vor der Nazi-Verfolgung nach Holland und England fliehen konnten. Darunter waren auch Kinder aus Nordhessen und Volkmarsen.

Dazu schreibt Ernst Klein vom Verein Rückblende: Die reichsweiten Ausschreitungen gegenüber den deutschen Juden waren ein vorläufiger Höhepunkt in der Entwicklung zum millionenfachen Mord.

Erst unmittelbar nach den Pogromen im November 1938 forderten viele Bürgerinitiativen, jüdische und christliche Gruppen, die Gemeinschaft der Quäker und einflussreiche Privatpersonen in Großbritannien und auch in den Niederlanden sowie den Nachbarländern ihre Regierungen auf, endlich mehr Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich aufzunehmen.

Nach kontroversen Debatten wurde im britischen Parlament beschlossen, 10 000 jüdische Flüchtlingskinder bis zum Alter von 16 (später bis 17) Jahren aufzunehmen, auch die Niederlande und andere Länder wurden aktiv. Das Parlament der USA lehnte einen Gesetzentwurf zu Erhöhung der Einwanderquote zu gleichen Zeit mit Mehrheit ab.

Die Reichsregierung genehmigte die Ausreise unter der Bedingung, dass die Kinder nur einen Koffer, eine Tasche, eine Fotografie und 10 Reichsmark mitnehmen durften. Eine Begleitung durch die Eltern war nicht möglich, vor dem Grenzübertritt wurden alle Kinder kontrolliert.

Am 3. Januar 1939 fuhren Kinder aus Nordhessen über Kassel und Hannover in die Niederlande. Nach der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen im Mai 1940 war - anders als bei den von den Engländern aufgenommenen Kindern - die vermeintliche „Rettung“ jedoch in vielen Fällen nur ein kurzer Aufschub vor dem Transport in die Vernichtungslager. (r)

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