Erinnerung an Flutkatastrophe

Kirchengemeinde Ehringen feiert Wasserfest mit Gartenstuhl-Gottesdienst

Die Kirchengemeinde Ehringen hat sich zu einem Gartenstuhl-Gottesdienst vor der Kirche versammelt, um an die Opfer der großen Flut des Jahres 1852 zu erinnern.
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Gartenstuhl-Gottesdienst zum Wasserfest in Ehringen.

Jedes Jahr am 19. Juli erinnert die Kirchengemeinde Ehringen an die Flutkatastrophe, die sich an diesem Tag des Jahres 1852 ereignet hat.

Volkmarsen-Ehringen - Im Corona-Jahr 2020 verlief das Wasserfest anders als sonst üblich: Die Gemeinde versammelte sich in gebührendem Abstand auf der großen Wiese neben der Kirche. Der Bläserkreis spielte, ohne dass die Gemeinde dazu singen durfte. Und dennoch schien das Geschehen von einst näher als sonst.

Denn damals wie heute hatte eine Naturkatastrophe das Alltagsleben von einem auf den anderen Tag verändert. Viele Menschen sahen sich in ihrer Existenz bedroht. Auf diese Parallelen gingen Pfarrer Kai Scheiding und der neue Dekan im neu formierten Kirchenkreis Hofgeismar-Wolfhagen, Wolfgang Heinicke, in ihren Predigten ein.

Erpe wurde zum reißenden Fluss

Zum Wasserfest gehört das Verlesen der Aufzeichnungen des damaligen Pfarrers Johann Heinrich Kimpel und der 1927 von Kantor Wilhelm Volkwein verfassten Verse über die Flutkatastrophe durch die Konfirmanden.

Sehr drastisch wird darin beschrieben, wie damals nach einer schweren Gewitternacht der Bachlauf des unscheinbaren Erpe so stark anschwoll, dass das ganze Dorf überschwemmt wurde. In manchen Häusern stand das Wasser 1,80 Meter hoch.

Welle der Hilfsbereitschaft

Dramatische Szenen spielten sich ab, als es darum ging, in ihren Häusern eingeschlossene Menschen vor dem Ertrinken zu retten. Am Ende wurden vier Ehringer tot in den Trümmern ihrer Häuser aufgefunden. In den Ställen und auf den Weiden ertranken einige hundert Schafe, Schweine, Zeigen und Rinder.

Es folgte eine Welle der Hilfsbereitschaft aus den Nachbargemeinden, zu allererst aus Breuna und dann aus dem Kirchenkreis Wolfhagen und dem ganzen Hessenland. Seitdem erinnerte Ehringen jedes Jahr an die große Flut und die große Hilfsbereitschaft der Nachbarn.

Augen geöffnet für das wirklich Wichtige

Dekan Wolfgang Heinicke, der das verheerende Flutgeschehen auch aus seiner Heimatgemeinde Ippinghausen kennt, ging in seiner Predigt auf die Frage ein: „Wie kommt man von der einen zur anderen Katastrophe?“ Es gebe Katastrophen, die den Menschen ganz persönlichen betreffen und solche, die die Familie, das Dorf betreffen.

Allen Katastrophen gemeinsam sei die Tatsache, dass das bis dahin geführte Leben von einem auf den anderen Moment plötzlich vorbei sei. Katastrophen zeigten sehr drastisch, was wirklich wichtig sei und welche Menschen einem wichtig seien.

Stift aus Holz der Ehringer Kirche

Dekan Heinicke: „Man rückt näher zusammen, man spürt, dass man eine Schicksalsgemeinschaft ist.“ Das gehe auch den Flüchtlingen in ihren unsicheren Booten auf dem Mittelmeer nicht anders. Mancher werde durch so eine Erfahrung auch empfänglicher für das Leid anderer.

Pfarrer Kai Scheiding nutzte die Gelegenheit, dem neuen Dekan einen ganz besonderen Kugelschreiber mit auf den Weg zu geben. Der Stift ist gedrechselt aus einem Stück Holz aus dem Dachstuhl der Ehringer Kirche.

Denkmalmittel des Bundes helfen bei Kirchensanierung

Einen weiteren Kugelschreiber mit Ehringer Kirchenholz überreichte Pfarrer Scheiding zusammen mit einem Blumenstrauß an die Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher als Dank für deren Einsatz für die Kirchensanierung. Die Kirchensanierung werde nun mit 101 500 Euro zu einem Drittel vom Bund mitfinanziert. Das sei dem Einsatz der heimischen Bundestagsabgeordneten zu verdanken, lobte der Pfarrer.

So erinnert Ehringen im Corona-Jahr an die Flutkatastrophe von 1852

Die Kirchengemeinde Ehringen hat sich zu einem Gartenstuhl-Gottesdienst vor der Kirche versammelt, um an die Opfer der großen Flut des Jahres 1852 zu erinnern.
Die Kirchengemeinde Ehringen hat sich zu einem Gartenstuhl-Gottesdienst vor der Kirche versammelt, um an die Opfer der großen Flut des Jahres 1852 zu erinnern.
Die Kirchengemeinde Ehringen hat sich zu einem Gartenstuhl-Gottesdienst vor der Kirche versammelt, um an die Opfer der großen Flut des Jahres 1852 zu erinnern.
Die Kirchengemeinde Ehringen hat sich zu einem Gartenstuhl-Gottesdienst vor der Kirche versammelt, um an die Opfer der großen Flut des Jahres 1852 zu erinnern.
So erinnert Ehringen im Corona-Jahr an die Flutkatastrophe von 1852

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