Informationen in Bürgerversammlung

Trocknungsanlage in Volkmarsen: Aus Klärschlamm Energie und Phosphat gewinnen

Über die geplante Trocknungsanlage für Klärschlamm in Volkmarsen informierte von der Klärschlamm- und Reststioffverwertungsgesellschaft Waldeck-Frankenberg deren Geschäftsführer Friedhelm Emden in der Bürgerversammlung vor etwa 100 Bürgern.
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Über die geplante Trocknungsanlage für Klärschlamm in Volkmarsen informierte von der Klärschlamm- und Reststioffverwertungsgesellschaft Waldeck-Frankenberg deren Geschäftsführer Friedhelm Emden in der Bürgerversammlung vor etwa 100 Bürgern.

Über die Pläne für eine Klärschlammtrocknungsanlage in Volkmarsen wurde in einer Bürgerversammlung informiert.

Volkmarsen – Wohin mit dem Klärschlamm, wenn er bald nicht mehr zur Düngung genutzt werden darf? Die Pläne für eine Trocknungsanlage in Volkmarsen, von der Brennstoff in Zementfabriken geliefert und in denen das Düngemittel Phosphat wiedergewonnen wird, wurden in einer Bürgerversammlung erläutert.

Wohin mit dem Schlamm?

Etwa 100 Besucher hörten in der Nordhessenhalle, was die kommunale Klärschlamm- und Reststoffverwertungsgesellschaft Waldeck-Frankenberg auf einem Gelände neben den beiden Biogasanlagen in Volkmarsen plant.

Während unaufhörlich Klärschlamm entsteht, werden seit Jahren die Möglichkeiten, diesen Überrest der Abwasserreinigung auf den Äckern auszubringen, immer mehr eingeschränkt, momentan ist es nur noch die Hälfte. Tendenz sinkend, wie der KRV-Geschäftsführer Friedhelm Emden erklärte. Und Aufsichtsratsvorsitzender Bürgermeister Stefan Dittmann (Twistetal) bezeichnete die landwirtschaftliche Verwertung als „Auslaufmodell“. Die übrigen 50 Prozent werden in Verbrennungsanlagen gefahren. Tendenz steigend.

Klärschlamm trocknen mit Biogaswärme: Bürgermeister, der Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber, Betreiber der Anlagen und Vertreter des Maschinenrings befassen sich vor Ort mit dem Thema.

Alternativen gefragt

Doch die Kommunen müssen einen Weg finden, wie der Schlamm möglichst kostensparend und auch unter Umweltaspekten beseitigt und genutzt werden kann. Der von 21 Kommunen aus Waldeck-Frankenberg, den westfälischen Nachbarstädten Hallenberg und Medebach sowie sieben heimischen Abwasserverbänden gebildete KRV kümmert sich seit gut 30 Jahren um die Verwertung des Klärschlamms.

Immer mehr davon lagert zunächst direkt neben den Kläranlagen, um dann in einem immer landwirtschaftlich genutzt oder über weite Strecken zur Verbrennung gefahren zu werden, sagte Emden. So würde der Stoff etwa nach Leipzig zur thermischen Verwertung transportiert.

Einstieg in Kreislaufwirtschaft

Doch die Trocknungsanlage am heutigen Gewerbegebiet Wetterweg, wie sie die KRV plant, bietet die Möglichkeit zu einem Einstieg in die Kreislaufwirtschaft wie Burkhard Scheele, der Volkmarser Stadtverordnetenvorsteher zu Beginn der Bürgerversammlung erklärte.

Im heutigen Gewerbegebiet Wetterweg ist geplant, eine Trocknungsanlage für den Schlamm aus sieben Kommunen im Norden des Waldecker Landes zu bauen, in der der Reststoff vorgetrocknet und damit „transportwürdig“ gemacht werden könne, so Emden.

So wird der Schlamm getrocknet

Dazu werde die Abwärme aus den beiden Biogasanlagen in Volkmarsen genutzt. Volkmarsen sei die einzige Kommune im Landkreis, in der über zwei nebeneinander stehende Biogasanlagen die Abwärme genutzt werden könne.

Der Bau im Bioenergiepark Mengeringhausen scheide aus, da die Kosten für die aus dem Holzhackschnitzelheizkraftwerk gelieferte Wärme höher seien. Auch die Standorte Korbach und Willingen seien geprüft worden, diese schieden aber aus wirtschaftlichen Gründen aus. Der KVR-Aufsichtsrat werden am 13. Januar entscheiden.

Beitrag zum Klimaschutz

Das Granulat solle zu viel Energie verbrauchenden Zementfabriken geliefert werden, die besonders stark zum Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid beitragen, . oder zu einem Wärmekraftwerk in Kassel. Die Abnehmer sollen für die KVR das im Granulat enthaltene Phosphat recyceln, das für die Landwirte so wertvoll ist. Schließlich müssen die Kommunen laut Emden bis 2030 nachweisen, dass sie den Mineralstoff zurückgewinnen.

Pro Tag würden 25 Tonnen Klrschlamm von einem Laster nach Volkmarsen in einen 100 Tonnen fassenden Ladebunker gekippt, der nur für kurze Zeit geöffnet werden müsse und daher kaum Geruch verströme. In der Trocknungsanlage herrsche ein Unterdruck, sodass kein störender Geruch austreten könne, sagte Emden. Davon hätten sich Vertreter der städtischen Gremien vorige Woche bei einer Besichtigung einer Trocknungsanlage in Rinteln überzeugen können.

Das sind die Mengen

Pro Jahr würden 7500 Tonnen Klärschlamm getrocknet, sagte der Dipl.-Ing. Christopher Denhof aus Buchenberg Für die Lagerung und Abfüllung des Granulats wird ein Hochsilo mit 70 Tonnen Fassungsvermögen baut.

Die Abluft wird durch einen so genannten Wäscher von Ammoniak befreit, durch einen Biofilter aus Holzhackschnitzeln und über einen zehn Meter hohen Schornstein ohne Geruchsbelästigung nach draußen in die Luft geschickt.

Das fordern die Behörden

Für die Trocknung wird zum einen eine 100 Meter lange Trocknungshalle erwogen, in der der Klärschlamm auf einem beheizbaren Betonboden gelagert und zusätzlich mit einem Krählwerk von oben eine Woche lang getrocknet wird. Die zweite Möglichkeit wäre ein Bandtrockner, bei dem der Schlamm wie über ein Förderband in einem kleineren Gebäude zu Granulat verarbeitet würde.

Dafür muss eine Prüfung unter der Regie des Regierungspräsidums nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz vorgenommen werden. Der Bebauungsplan muss geändert werden: Ziel eines bereits von der Stadtverordnetenversammlung gefassten Aufstellungsbeschlusses ist die Umwandlung eines Teils des Gewerbgebietes Wetterweg in ein Industriegebiet, in dem solche Anlagen gebaut werden dürfen.

Stinkt es?

Auch die möglichen Geruchsemissionen werden im Rahmen eines Gutachtens untersucht, so Bürgermeister Hartmut Linnekugel. Dipl.-Ing. Denhof nahm das Ergebnis schon vorweg: „Die Belastung für Wohngebiete ist gleich Null.“

Befürchtungen, dass es doch zu Geruchsbelästigungen kommen könnte, wurden in der Zuhörerschaft laut. Stadtverordnetenvorsteher Scheele gab zu bedenken, dass jetzt schon 100 Tonnen Klärschlamm an der Volkmarser Kläranlage an der frischen Luft lagerten und keine Geruchsbelästigung davon ausgingen: „Man muss sich wegen der Trocknungsanlage keine Sorgen machen.“

Schutzgut Mensch

Das Genehmigungsverfahren sehe auch eine Prüfung der Umweltbelastungen vor, wie Bernd Wecker vom Planungsbüro Bioline in Dalwigksthal erklärte. Dabei stehe das Schutzgut Mensch an erster Stelle. Zudem bestehe neben der Anhörung der Behörden und Träger öffentlicher Belänge die Öffentlichsbeteiligung an, bei der sich jeder Bürger informieren und einen Kommentar abgeben kann.

„Es ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten an dem Projekt“, sagte KRV Aufsichtsratsvorsitzender Bürgermeister Dittmann. Auch wenn das vielfach nicht so gesehen werde, so gehöre die Abwasserbehandlung doch zum Kerngeschäft der Kommunen. Und es sei besser, diese nähmen das Heft des Handelns in die Hand als große Konzerne, die dann die Preise in ihrem Sinne bestimmten.

Gebühren stabil halten

„Als lokale Player sind wir flexibler und kostengünstiger“, sagte er. Sein Volkmarser Kollege Linnekugel äußerte die Erwartung, dass für die Bürger die Abwassergebühren stabil gehalten werden könnten. Auf höhere Gewerbesteuereinnahmen für die Stadt spekuliere er da nicht. (Armin Haß)

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