"Platt schwatzen un öwer alle Austerbräuche vertellen“

Kniestrümpfe und Hasenhof: Alte Osterbräuche in Ehringen

„Austern in Eiringen“: Was die Menschen früher an Ostern machten und welche Rituale davon erhalten geblieben sind, davon erzählten einige Mitglieder des Vereins „Eiringer Platt“ in Volkmarsen-Ehringen. Foto: stefanie Rösner

Ehringen – Osternester bauen und Eier färben sind geläufige Traditionen. In Ehringen gab es zudem früher ganz spezielle Bräuche.

Platt schwatzen un öwer alle Austerbräuche vertellen“: Der Verein „Eiringer Platt“ erinnert an alte Osterbräuche, ob ortstypisch oder landesweit üblich. So manches verrückte Ritual lebt in den Erzählungen wieder auf. Bei einigen würde der Osterhase von Heute mit den Ohren schlackern.

Eier werfen

Die Ostereier wurden früher über die Straße geschmissen, berichten die Ehringer. Wessen Ei dabei unversehrt blieb, derjenige gewann den Wurfwettbewerb.

Eier in Ameisenhaufen

„Früher gab es rund ums Dorf jede Menge Ameisenhaufen“, berichten die Mitglieder des Vereins. Die Ehringer legten Eier in die Haufen, und die Ameisen, die diese als Fremdkörper ansahen, besprenkelten diese. Das Ergebnis waren recht hübsch ausschauende, rot marmorierte Eier. Die Ehringer nannten diese „schwarte Eer“.

Der Hasenhof

„Nester maken für de Kinder“ war und ist noch jedes Jahr zu Ostern ein beliebter Brauch. „Wir haben aus Holzblöcken oder kleinen Stöcken einen Hasenhof mit Eingang gebaut und getrocknetes Moos dort hinein gelegt.“ Manche behielten die Holzblöcke, um sie im nächsten Jahr wiederzuverwenden.

Osterwasser

Aus verschiedenen Quellen schöpften die Ehringer „Osterwasser“. „Auf dem Weg dahin durftes’te nicht schwatzen.“ Die Menschen haben aus dem Waser getrunken, sich „damidde gewosken“ (gewaschen) und „ingeribben“ (eingerieben). Jung verliebte Paare bespritzten sich den Überlieferungen zufolge damit.

Zicklein schlachten

Als Festmahl zum Osterfest wurden früher junge Ziegen geschlachtet.

Karfreitag

Den „stillen Friedach“ haben nicht alle aus der Gruppe in guter Erinnerung. Günter Henkelmann zum Beispiel berichtet von dem tristen, „bösen“ Freitag vor Ostern, als die Mädchen und Jungen einen ganzen Tag lang mucksmäuschenstill sein mussten, „noch nicht mal Radio hören“ und kein Fleisch essen durften. „De Wurst kam vom Diske.“

Ganz selbstverständlich war für die älteren Mitglieder des Vereins Eiringer Platt, die um 1930 und danach geboren wurden, jeden Ostermorgen einen Spaziergang zu machen.

Osterspaziergang

Der Kirchenbesuch ist noch immer für die meisten auch heute noch selbstverständlich. Osterlamm backen und Eier „outpusten un anmolen“ gehörten ebenso zu den Bräuchen beim Osterfest wie das Eiersammeln in der Nachbarschaft. Das Buch „Die Häschenschule“ war eine geläufige Lektüre, und das Goethe-Gedicht „Osterspaziergang“ lernten die Kinder in der Schule auswendig.

„An Ostern durften wir Mädchen das erste Mal Kniestrümpfe anziehen“, erinnert sich eine Ehringerin. Das heutzutage weit verbreitete Osterfeuer (Austerfüer) vor Ostern gab es in Ehringen erstmals in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Dort gehen alle hin – „egal, wat für Wedder“.

Der Verein „Eiringer Platt“ hat 53 Mitglieder. Vorsitzender ist Günter Henkelmann. Der Volkmarser Ortsteil Ehringen hat 770 Einwohner, circa 160 davon können noch Platt sprechen. eiringer-platt.de

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