Kompletter Vorstand verzichtet auf weitere Amtszeit

Volkmarser Kur- und Verkehrsverein in der Krise - Sauerbrunnen-Betrieb auf der Kippe

Die Zapfhalle für Mineralwasser am Sauerbrunnen in Volkmarsen.
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Der Sauerbrunnen in Volkmarsen. In der Trink- und Zapfhalle kann jedermann für wenige Cent Mineralwasserkisten auffüllen.

Am Rande der Vereinsauflösung befindet sich der Kur- und Verkehrsverein nach der missglückten Vorstandswahl am Montagabend. Wie vorab in einer Mail an alle Mitglieder angekündigt, traten die sieben gleichberechtigten Vorstandsmitglieder nach ihrem Jahresbericht nicht wieder zur Wahl an.

Volkmarsen - Offenbar waren auch keinerlei Vorgespräche zur Fortführung der Vereinsarbeit geführt worden, sodass dem zum Wahlleiter berufenen Bürgermeister keinerlei Wahlvorschläge vorlagen. Nach einer Auszeit wurde die Neuwahl daher verschoben. Der bisherige Vorstand erklärte sich bereit, für weitere sechs Wochen im Amt zu bleiben.

Damit ist auch die Fortführung des öffentlichen Zapfbetriebes am Sauerbrunnen und die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter in Teilzeit an der Zapfanlage vorerst gesichert.

Ärger wegen Termin der Spielplatzöffnung

In der Rundmail an die Mitglieder hatte der Vorstand von Respektlosigkeit gegenüber dem Vorstand gesprochen. Auf die Frage von Hubert Spichal, was denn damit gemeint sei, verwies Vorstandssprecher Thomas Rose auf den Mailverkehr mit der Stadtverwaltung. Unter anderem seien die Folgen des Corona-Lockdowns für den betreib des Sauerbrunnens nicht ausreichend kommuniziert worden.

Das habe sich sowohl bei der Schließung des Sauerbrunnens, als auch bei der Wiederöffnung des Spielgeländes gezeigt. So seien die städtischen Spielplätze schon wieder geöffnet gewesen, als der Spielplatz am Sauerbrunnen noch geschlossen war.

E-Mail-Verkehr verstärkt Kommunikationsproblem

Bürgermeister Hartmut Linnekugel berichtete, dass es mehrfach zu ruppigen Aussagen von Mitgliedern des Verkehrsverein-Vorstands gegenüber Mitarbeitern des städtischen Bauhofs gekommen sei. Daraufhin habe er sich schützend vor seine Mitarbeiter gestellt, so der Bürgermeister. Außerdem habe er klargemacht, dass Personalanforderungen an den Bauhof ausschließlich über den Rathauschef zu laufen hätten.

Es könne nicht sein, dass jedes Mitglied des Vorstands des Kur- und Verkehrsvereins Arbeitsaufträge an den Bauhof erteile. Hier habe sich gezeigt, dass der Verzicht auf die Benennung eines verantwortlichen Vorsitzenden problematisch sei. Aus den Reihen der Mitglieder stellte Thomas Neutze fest, dass die Probleme offenbar hauptsächlich Kommunikationsproblem seien. Er habe im eigenen beruflichen Umfeld schon mehrfach erlebt, dass der bloße Austausch per E-Mail sehr leicht zu Missverständnissen und Verstimmungen führen könne. Es sei in solchen Fällen besser, das direkte Gespräch zu suchen.

Wer kehrt den Scherbenhaufen zusammen?

An die Adresse des scheidenden Vorstands gerichtet, bedauerte Neutze, dass man sich vor der Sitzung nicht um Nachfolger bemüht habe. Die Erfahrung aus vielen Mitgliederversammlungen zeige, dass sich spontan nur ganz selten ein neuer Vorstand zusammenfinde. Nun sei die Überlebensfähigkeit des Vereins in Gefahr.

„Und wer kehrt die Scherben jetzt zusammen?“, brachte Hubert Spichal die Gedanken der rund 30 versammelten Mitglieder in der Nordhessenhalle auf den Punkt.

Sauerbrunnen gehört der Stadt Volkmarsen

Nach einer Auszeit erklärte sich der scheidende Vorstand bereit, noch sechs Wochen im Amt zu bleiben und eine neue Mitgliederversammlung mit dem Tagesordnungspunkt Vorstandswahl einzuberufen. Für den Fall, dass kein neuer Vorstand gefunden werde, müsse über die Auflösung des Vereins und die Übertragung des Vereinsvermögens an die Stadt entschieden werden.

Das Wassertretbecken am Sauerbrunnen musste nach Frostschäden aufwendig repariert werden. Im Hintergrund ein Fuß-Fühl-Pfad.

Das Gelände am Sauerbrunnen steht im Eigentum der Stadt. Der Kur- und Verkehrsverein mit seinen rund 230 Mitgliedern ist Betreiber der öffentlichen Zapfanlage für Mineralwasser und des Freizeitgeländes mit Minigolfanlage, Wassertretbecken und allerlei Spielgerät.

Einbußen durch Lockdown im Frühjahr

In seinem letzten Jahresbericht ging der scheidende Vorstand auf die seit Jahren schwindenden Einnahmen aus dem Mineralwasserverkauf ein. Dabei liege der Abgabepreis für das selbst gezapfte Volkmarser Wasser bei nur 15 Cent pro Liter.

Der amtlich verordnete Corona-Lockdown habe im Frühjahr zusätzliche Einnahmeausfälle in Höhe von rund 7000 Euro beschert. Deshalb sei der Vorstand froh gewesen, eine Soforthilfe in gleicher Höhe zur Deckung der Personalkosten bekommen zu haben.

Großer Pflegebedarf auf dem Gelände

Für rund 15.000 Euro hat der Verein neue Spielgeräte angeschafft und dazu einen Zuschuss in Höhe von 10.000 Euro erhalten. Außerdem musste das Tretbecken aufwendig repariert werden, nachdem der Winterfrist dort viele Fliesen hat abplatzen lassen. Eine Sturmböe ließ mehrere Bäume auf dem Gelände kippen und richtete kleinere Schäden an. Außerdem mussten rund 30 abgestorbene Birken gefällt und entsorgt werden. (Von Elmar Schulten)

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