Freie Wähler diskutieren über Gesundheitsversorgung in Waldeck-Frankenberg

Kooperationen sollen Ärzte aufs Land bringen

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Netzwerk für Gesundheit in der Diskussion. Ärzte wollen nicht mehr "Einzelkämpfer" sein.

 Volkmarsen – Die ärztliche Versorgung in Waldeck-Frankenberg war Thema der Kreisversammlung der Freien Wählergemeinschaft (FWG) in Volkmarsen.

Diskutiert wurde die Frage, inwieweit Kommunen und der Landkreis ihren Teil zur Sicherung der medizinischen Versorgung beitragen können - oder sollen. Einigkeit besteht über die Notwendigkeit von Kooperationen. Diese wollen die Freien Wähler unterstützen, wie Kreisvorsitzender Uwe Steuber betont.

Projektkoordinatorin: Katharina Kappelhoff

Über kommunale Projekte berichtete Katharina Kappelhoff, beim Landkreis beschäftigte Projektkoordinatorin im Rahmen der Wirtschaftsförderung. Sie berichtete über das Gesundheitsnetzwerk PORT Willingen-Diemelsee, in dessen Trägerverein sie aktiv ist, und das mit 250 000 Euro von der Robert Bosch-Stiftung sowie mit EU-Mitteln gefördert wird.

Netzwerk in Diemelsee und Willingen

In dem auf vorerst drei Jahre befristeten Projekt ist eine Versorgungslotsin eingestellt worden, die für die Beratung von Patienten und Pflegebedürftigen über die passenden Angebote Ansprechpartnerin ist. Das zweite Projekt ist ein vom hessischen Sozialministerium gefördertes Netzwerk für Battenberg, Frankenau und Frankenberg, das zum Ziel ein Ärztehaus hat und unter der Trägerschaft des DRK Frankenberg und das Angebote von Apotheken, Ärzten und Therapeuten koordiniert.

„Ärzte wollen nicht aufs Land“, stellte Koordinatorin Katharina Kappelhoff fest. Die neue Generation der Ärzte sei zu zwei Dritteln weiblich. Ärztinnen wollten lieber im Team und mit der Option von Teil- und Elternzeit tätig sein.

Attraktive Bedingungen schaffen

Die Netzwerke im Landkreis haben das Ziel, Strukturen anzubieten, die ein Ansiedlung von jungen Ärzten auf dem Lande attraktiv machen und damit die Versorgung einer zunehmend älteren Bevölkerung sicherzustellen.

Auch gehe es bei den Bemühungen im Landkreis darum, über die Vermittlung von Praktika und Weiterbildungen in Kliniken junge Mediziner in den Landkreis zu holen. In Willingen-Diemelsee haben junge Ärzte Interesse bekundet, so Kappelhoff.

Stimmen aus der FWG

Der kommunale Ansatz bei PORT Willingen-Diemelsee sei schon gut, sagte der stellvertretende FWG-Kreisvorsitzende Heinfried Horsel. Denn von Bundesebene komme nicht so viel. 

Skeptisch über die Verwendung von öffentlichen Mitteln äußerte sich der FWG-Ehrenvorsitzende Manfred Steiner. Lieber wäre es ihn, wenn die Versorgung auf Haus- und Facharztebene geregelt werde.

Dialog in Bad Arolsen

In Bad Arolsen moderiert Bürgermeister Jürgen van der Horst einen Gesundheitsdíalog von Haus- und Fachärzten. Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) sei Arolsen übersorgt mit Haus- und Fachärzten. „Das bestehende System ist zu träge“, monierte er Nach mehreren Gesprächsrunden, auch mit dem aus Bad Arolsen stammenden KV -Vorstandsvorsitzenden für Hessen, Frank Dastych, zeichne sich der Weg zu einem Ärztehaus mit einem Unternehmer und angestellten Ärzten ab, die nicht mehr „als Einzelkämpfer“ tätig seien, aber nicht immer ihre Patienten kennten. 

Junge Mediziner seien an solchen Modellen interessiert. Ältere Ärzte müssten dann aber auch bereit sein, ihren Kassensitz dafür abzugeben. Doch die Gespräche darüber gestalteten sich schwierig. Und wenn zu lange gewartet werde, dann könne dies den Verlust des Kassensitzes bedeuten.

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