Thema in Auschusssitzung

Kritik wegen Schießlärms vom Wurftaubenstand bei Külte

Der Vorsitzende des Waldeckischen Wurftaubenclubs, Thomas Beling, führt eine funkgesteuerte Wurfmaschine auf dem Gelände bei Külte vor. Fast lautlos werden die Tontauben hochgeschleudert.
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Der Vorsitzende des Waldeckischen Wurftaubenclubs, Thomas Beling, führt eine funkgesteuerte Wurfmaschine auf dem Gelände bei Külte vor. Fast lautlos werden die Tontauben hochgeschleudert.

Kritik wegen Schießlärms vom Wurftaubenstand bei Külte wurde bei der jüngsten Ausschusssitzung erhoben. Dabei wurde eine Beschwerde seitens des Ortsbeirats aufgegriffen.

Volkmarsen-Külte – Jagdliches Schießen auf Tontauben ist seit 1975 im Wald bei Külte ein beliebtes Hobby von Mitgliedern des Waldeckischen Wurftaubenclubs und Gästen, zu Wettkämpfen kommen Gäste aus den Niederlanden, Luxemburg oder dem Raum Dresden. Doch das Schießen geht Bewohnern in umliegenden Dörfern auf die Nerven, Kritik erhebt vor allem der Ortsbeirat Külte.

Bis zu 15 000 Schuss täglich erlaubt

Die Ortsbeiräte weisen darauf hin, dass täglich bis zu 15 000 Schuss abgefeuert werden dürften. Das bedeute eine Belastung für Boden und Wasser, mithin den nahe gelegenen Trinkwasserbrunnen Bickersbusch, mit bleihaltiger Munition. Hochrechnungen seitens des Ortsbeirats kommen auf gut sieben Tonnen.

Der Ortsbeirat fordert unabhängige Messungen in Boden und Wasser. Zudem solle die Lärmbelastung begutachtet werden. „Wäre eine solche Anlage heute noch genehmigungsfähig?“, fragt der Ortsbeirat. Die aktuellen Baumaßnahmen ließen erwarten, dass der Lärm zunehmen werde.

„Was sagen die Fachbehörden dazu?“

Der SPD-Stadtverordnete Bruno Kramer brachte die Kritik in der jüngsten Ausschusssitzung zur Sprache. Es werde vermutet, dass sich das Schwermetall in Boden und Wasser einlagere: „Was sagen die Fachbehörden dazu?“, fragte Kramer.

Auf einem weitläufigen Gelände von 33 Hektar verteilt sich der Wurftaubenstand bei Külte. Der graue Stand ist eine Olympische Anlage für Trap- und Skeet-Schießen. In den Holzhäuschen und auf Türmen sind weitere Wurfmaschinen installiert.

Bei einer Ortsbesichtigung mit Vertretern des Wurftaubenclubs Anfang dieses Jahres sei der Ortsbeirat überrascht gewesen über die genehmigten Schusszahlen, berichtete Gerhard Laabs (CDU), zugleich Ortsvorsteher in Külte. Der Ortsbeirat habe bisher vergeblich versucht, mit den Behörden (Naturschutz, Bauaufsicht, Wasserschutz) Kontakt aufzunehmen.

„Das kocht hoch“

Laabs äußerte sich erstaunt, dass die Naturschutzbehörde den Änderungen im Laufe der vergangenen Jahre zugestimmt habe. „Das kocht hier langsam hoch!“, schilderte Laabs seine Eindrücke aus den umliegenden Ortschaften.

Bürgermeister Hartmut Linnekugel kritisierte, dass die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte erfolgten Neubauten und veränderten Genehmigungen von Schießzeiten und Schusszahlen an der Stadt vorbei erfolgt seien. Dabei gehe es um ein Wasserschutzgebiet und Belange des Naturschutzes in der Gemarkung.

An der Stadt vorbei

Er habe dringend um Gespräche mit Vertretern der Behörden gebeten und weise auf die angesprochenen Probleme hin. Bisher sei leider keine Klärung erreicht worden.

Der langjährige Vorsitzende des Wurftaubenclubs, Thomas Beling (Oberwelsungen), erklärte im Gespräch mit der Waldeckischen Landeszeitung, er sehe für den Club kein Problem durch Schallmessungen. Die bisherigen Ergebnisse lägen unter den Werten für Gewerbemischgebiete.

Weit unter Grenzwerten für Lärm

Außerdem würden die erlaubten 15 000 Schuss täglich „bei weitem“ nicht erreicht. Im Gespräch mit der WLZ verzeichnete Beling für 2019 rund 300 000 beschossene Wurfscheiben. Je nach Diszplin sei mehr als ein Schuss erlaubt.

Genehmigt sei Schießen von 8 bis 20 Uhr täglich. Werktags beginne das Schießen erst um 10 Uhr, sonntags um 9 Uhr. Dann werde oft um 12 Uhr der letzte Schuss abgefeuert, erlaubt sei dies bis 13 Uhr. Werktags werde der Schießbetrieb bis um 19 Uhr eingestellt.

Treffen im Januar mit Behördenvertretern

Für den kommenden Januar ist nach Auskunft des Vorsitzenden des Waldeckischen Wurftaubenclubs, Thomas Beling, ein Ortstermin mit Vertretern des Landkreises, des Ortsbeirats und der Stadt Volkmarsen geplant, bei dem es um Lärmmessungen gehen solle. Weiteren Gutachten sehe er gelassen entgegen. Die maximale Schusszahl werde nicht erreicht, zudem dürfen nur sechs Schützen gleichzeitig schießen

Kontrollen von Boden Wasser

Der bleihaltige Schrot lagere sich auf dem Boden ab und verkapsele sich. Auf dem Gelände würden Patronenteile gesammelt und der professionellen Entsorgung durch eine Abfallfirma zugeführt.

Der Club beauftrage in Abstimmung mit dem Landkreis ein Labor, dessen Mitarbeiter in drei jeweils zehn Zentimeter starken Schichten untereinander sowie an zwei Stellen in der Wilpe den Bleieintrag untersuchten. Tiefer als 30 Zentimeter dürfe das Blei nicht nachzuweisen sein.

Das ergab die Wasserprobe

Sonst müssten Maßnahmen zur Reinigung des Bodens getroffen werden. Beim Wurftaubenclub liege der Bleischrot in der obersten Schicht. Im Bachlauf sei kein Blei nachgewiesen worden

Der Wurftaubenclub verfügt über ein Gelände von 33 Hektar im Wald bei Külte, 6,5 Hektar befinden sich im Eigentum des Vereins. Das Gros ist von der Fürstlichen Hauptverwaltung gepachtet worden.

Attraktiver Schießsport

Dort werden „alle Disziplinen geschossen, die es weltweit gibt“, sagt Thomas Beling, seit 25 Jahren Vorsitzender des Clubs. Entsprechend groß ist die Anziehungskraft auf Schützen, sie kommen aus einem Umkreis von 200 Kilometern, bei Wettbewerb dehnt sich dieser Radius auf 500 Kilometer aus.

31 Hütten mit Wurfmaschinen sind in den vergangenen Monaten komplett erneuert worden, hinzu kommen noch sechs Türme mit jeweils vier Wurfmaschinen, von denen die Tontauben in die Luft geschleudert werden.

Investitionen in Schutzwall

Allein von Dezember 2019 bis vorigen August seien 118 000 Euro in die Modernisierung investiert worden. Für die Wurfmaschinen würden 100 000 Euro aufgebracht, die Schießsportanlage werde dazu vom Land mit 37 000 Euro und zusätzlich vom Landkreis Waldeck-Frankenberg gefördert.

Derzeit entstehe ein 24 Meter langer und fünf Meter hoher Lärm- und Personenschutzwall aus Containern. Geplant ist noch der Neubau des Clubhauses, das wegen eines Blitzeinschlags am 19. Mai 2019 teilweise abgebrannt ist. Die Kosten werden mit weitren 340 000 Euro beziffert.

Das genehmigen die Behörden

Eine Genehmigung des Wurftaubenstands bei Külte vom 18. Februar 2003 durch das Regierungspräsidium (RP) Kassel ist maßgeblich für den Betrieb der Anlage, wie eine Sprecherin des RP auf Anfrage der WLZ erklärte.

Eine Maschine im Wurftaubenstand bei Külte.

Darin sind Regelungen zum Umfang des Betriebs und der Lärm-Immissionsrichtwerte für die nächstgelegenen Wohngebäude in Külte festgelegt. Änderungen, die der Betreiber am 11. Juli 2003 angezeigt habe, hätten darauf schließen lassen, dass mehr Schuss abgegeben würden.

Deutlich unter dem Grenzwert

Mit einer gutachterlichen Stellungnahme wurde nachgewiesen, dass die angezeigten Änderungen zu keiner wesentlichen Erhöhung der Lärmsituation führten und Richtwerte aus dem Genehmigungsbescheid vom Februar 2003 nach wie vor deutlich unterschritten werden.

Am 20. Juli 2020 teilte der Betreiber mit seiner Anzeige mit, dass Türme und Hütten für Wurfmaschinen ausgebaut sowie ein Schutzwall gebaut werde. Die Prüfung der Anzeige hat nach Auskunft des RP ergeben, dass die durch diese Änderungen hervorgerufenen nachteiligen Auswirkungen offensichtlich gering seien und Sicht keine Genehmigung erforderlich sei.

RP und Landkreis gefragt

Für die Schießsportanlage sind von Behördenseite das Regierungspräsidium Kassel und der Landkreis Waldeck-Frankenberg zuständig. Dabei geht es um Genehmigungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz, die immissionsschutzrechtliche Überwachung der Schießstände, die Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen (Boden und Wasser), die Abfallvermeidung und -verwertung.

Falls erforderlich, müssen mit den Bodenschutz-, Wasser- und Abfallbehörden Maßnahmen angeordnet werden, so die RP-Sprecherin. Vom Betrieb der Anlage dürften keine schädlichen Umwelteinwirkungen ausgehen.

Überprüfungen durch Landkreise

2009 hätten die Landkreise als immissionsschutzrechtliche Überwachungsbehörden geprüft, ob auf Schießständen die erforderlichen Maßnahmen zur Vorsorge gegen Boden- und Grundwasserverunreinigungen sowie zu Abfallvermeidung getroffen wurden. (Von Armin Haß)

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