Deftig und amüsant zugleich

Külter Nachmittag mit Schimpfwörtern: Herzlich Schimpfen auf Platt

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Schimpfen auf Platt: Mundartnachmittag mit Plattsprechern in Külte. In der Mitte Ilse Tilenius mit Andreas Karl Böttcher vom Arbeitskreis des Waldeckischen Geschichtsvereins.  

Volkmarsen-Külte.  Rund 50 Freunde des Waldecker Platt haben sich am Wochenende im Dorfgemeinschaftshaus getroffen, um sich nach Herzenslust „utzuschengen“. Schimpfwörter standen bei dem amüsanten Külter Platt-Nachmittag im Fokus.

Früher, bevor es Internet und Social Media gab, fanden Auseinandersetzungen im direkten Gespräch statt. Das brachte Organisatorin Ilse Tilenius auf die Idee für das Motto. Ein Körbchen mit etwa 100 Zetteln, auf denen Külter Schimpfwörter niedergeschrieben waren, machte gleich zu Beginn die Runde.

Die Gäste lasen vor, verglichen die Aussprache und konnten viele weitere „Utschenge-Wörter“ aus ihren Heimatorten nennen.

Die alten, deftigen Ausdrücke gaben zugleich Einblick in frühere Gegebenheiten. So etwa der „Bläckääs“, ein blankes Hinterteil, das auf einem Misthaufen hervorblitzen konnte. Als „Schietfretter“, „Apengesichte“ oder „Pissewimmel“ wollte auch niemand gelten.

Mit vergleichenden Redensarten wurde ebenfalls gern kritisiert: „En Issel verlöürt de allen Hoore, äbber ni de allen Nuppen!“ (Ein Esel verliert die alten Haare, aber nicht die alten Schwächen).

Historisches Zeitgeschehen kann auch durch bildhafte Überlieferungen nahe gebracht werden, wie die vom hart arbeitenden Külter Knecht „Schwaden Heinrich“, der durch die Inflation sein erspartes Geld verlor. Sein lautes Geschimpfe auf die Regierung: „Olles Verbrecker, den söllme de Hälse affschnieden!“ wurde zum geflügelten Wort.

Zu den Külter Beiträgen ließen noch die zahlreichen, meist lustigen Anekdoten aus Landau, Lütersheim, Massenhausen, Meineringhausen, Neerdar, Neudorf und Wirmighausen den Nachmittag rasend schnell vergehen.

Aus Bründersen war eine Abordnung der Gesellschaft für nordhessische Mundarten angereist, die gesungene Platt-Beiträge zum Besten gaben. Deren Vorsitzender, Herbert Jacob, hatte den „Mendocino“-Hit von Michael Holm umgedichtet zu „Auf der Straße nach Frijjenhagen“ und die Mädchen aus Bründersen wünschen sich keinen Cowboy, sondern „Ick will ‘nen Buren als Mann“.

Der Platt-Nachmittag gehörte zur Veranstaltungsreihe des Plattdeutschen Arbeitskreises, Bezirk Bad Arolsen, im Waldeckischen Geschichtsverein. Der Leiter des Arbeitskreises, Andreas Karl Böttcher, nahm die Sprachbeiträge für das im Aufbau befindliche Waldeckische Mundartarchiv auf. Großer Beliebtheit erfreuten sich wieder die „Dilldopp“-Plakate aus dem WLZ-Wettbewerb um „Waldecks Wort“.

Gastgeberin Ilse Tilenius bot die übrigen Schimpfwort-Zettel für den Heimweg an: „Hi sin no Schimpwörter drinne, wer sich no wat mit na Hause nehmen will!“

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