Erklärung in Stadtverordnetensitzung

Volkmarser Bürgermeister Hartmut Linnekugel tritt nach 23 Jahren nicht mehr zur Wahl an

Wahlsonntag 2016: Der damalige Kreisbeigeordnete und heutige Warburger Bürgermeister Tobias Scherf gratuliert dem wiedergewählten Bürgermeister Hartmut Linnekugel, der nun den Verzicht auf eine erneute Kandidatur 2022 erklärt. Neben ihm Ehefrau Renate. Rechts SPD-Fraktionssprecherin Christel Keim. Von links Bruder Norbert Linnekugel, EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller und Erster Stadtrat Thomas Viesehon.
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Wahlsonntag 2016: Der damalige Kreisbeigeordnete und heutige Warburger Bürgermeister Tobias Scherf gratuliert dem wiedergewählten Bürgermeister Hartmut Linnekugel, der nun den Verzicht auf eine erneute Kandidatur 2022 erklärt. Neben ihm Ehefrau Renate. Rechts SPD-Fraktionssprecherin Christel Keim. Von links Bruder Norbert Linnekugel, EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller und Erster Stadtrat Thomas Viesehon.

Der Volkmarser Bürgermeister Hartmut Linnekugel erklärt nach 23 Amtsjahren, dass er nicht mehr zur Wahl antreten werde.

Volkmarsen – Der Volkmarser Bürgermeister Hartmut Linnekugel tritt nicht wieder zur Wahl im Frühjahr 2022 an. Nach dann 24 Jahren Amtszeit möchte der 60-Jährige aus privaten Gründen nicht mehr kandidieren und sich mehr seiner Familie widmen, wie er am Ende der jüngsten Stadtverordnetensitzung am Donnerstagabend erklärte.

Erklärung lange abgewogen

Linnekugel hatte bereits im Frühsommer auf WLZ-Nachfrage erklärt, er werde sich im September entscheiden, ob er noch einmal kandidieren werde.

Die erklärung gab er am Donnerstagabend: „Ich bin jetzt 23 Jahre lang Bürgermeister und habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Ich schaue auf eine positive Bilanz, wir haben viel für unsere Stadt erreicht, aber auch schwere Zeiten erlebt.“

Mehr Zeit für Familie

Gemeinsam mit seiner Familie habe er sich für diesen Schritt entschieden. „Diese Entscheidung, für die es am Ende nicht ,den einen Grund" gibt, sondern die das Ergebnis einer intensiven Abwägung des Für und Wider ist, ist mir nicht leichtgefallen und hat vor allem private Gründe. Ich möchte auch als Familienvater und Großvater mehr Zeit mit der Familie verbringen.“

Für einige Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung kam diese Ankündigung an dem Abend, so schien es, nicht unerwartet, dennoch schienen alle von dem endgültigen und nun auch offiziellen Schritt überrascht.

Mit vollem Einsatz weiterarbeiten

Er habe seinen Entschluss schon jetzt mitgeteilt, „um allen Beteiligten ausreichend Zeit zu geben, sich auf diese Situation einstellen zu können“, sagte der Rathauschef.

„Selbstverständlich werde ich in bisher gewohnter Weise mit ganzer Energie und Engagement die anstehenden Aufgaben erledigen.“ Mit einem „Dank an alle für das grundsätzliche Vertrauen, den Magistrat für die große Unterstützung, den Gremien der Stadt für deren Respekt und Zusammenarbeit“ wurde die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung geschlossen.

Viele Projekte verwirklicht

Eine Fülle von Projekten hat der parteilose Bürgermeister in den vergangenen 23 Jahren angestoßen und zum Teil nach intensiven Diskussionen mit breiten Mehrheiten verwirklichen können. Zudem gelang es, unter dem Kommunalen Schutzschirm-Programm des Landes Hessen die Finanzen der Stadt zu konsolidieren.

Der Ausbau der Interkommunalen Zusammenarbeit stehen bei ihm oben auf der Agenda. Weitere Vorhaben in Volkmarsen stehen noch an. Linnekugel: „Ich freue mich auf die kommenden Monate der Zusammenarbeit.“

Erklärung angekündigt

Völlig unvorbereitet sind die Stadtverordneten nicht in die vergangene Sitzung gegangen. Wie Daniel Clemens (Bündnis 90/Die Grünen) gestern auf Anfrage der WLZ erklärte, habe Bürgermeister Linnekugel zuvor im Ältestenrat seine Erklärung angekündigt. Diesem Gremium gehören neben dem Stadtverordnetenvorsteher die Fraktionssprecher an.

Völlig überraschend kam die Erklärung auch für FWG-- Fraktionsvorsitzenden Klaus Teppe nicht, schließlich habe Linnekugel die Antwort auf die Frage nach einer abermaligen Kandidatur bewusst offen gelassen. Der von der FWG und der CDU von Anfang unterstützte Rathauschef würde bestimmt wiedergewählt, bekräftigte Teppe, wenn er wieder anträten würde.

„Erfolgsstory fortschreiben“

Nun gelte es, „die Erfolgsstory fortzusetzen.“ Wünschenswert wäre ein Bewerber, der von einer breiten Mehrheit, auch in den Parteien, getragen würde.

Der CDU-Vorsitzende und Erste Stadtrat Thomas Viesehon bekundete Verständnis für die Entscheidung Linnekugels. Ihm gelte Dank für nunmehr 23 erfolgreiche Jahre.

Kooperation gelobt

Die Stadt habe sehr gute Erfahrungen mit einem parteilosen Rathauschef gemacht, daher sei neben einem Bewerber der CDU auch ein parteiübergreifend unterstützter Bewerber gut möglich.

Neu in der Stadtverordnetenversammlung sind seit April die Grünen. Fraktionschef Clemens äußert sich positiv über die Zusammenarbeit mit dem parteilosen Bürgermeister. Linnekugel habe dem Ortsverband der Grünen gleich nach dessen Gründung seine Unterstützung angeboten. So sei auch die Kooperation mit der Fraktion konstruktiv gewesen

FDP: Erfolgreiche Amtszeit

Die FDP hat zwar keine Kandidaten mehr für die Kommunalwahl aufgestellt, aber Linnekugel seit 1998 als Bürgermeister begleitet. Der frühere Fraktionssprecher Thomas Neutze bekundet Verständnis für Linnekugels Entscheidung nach einer so langen und sehr erfolgreichen Amtszeit.

Erste Reaktion der SPD: Die Ankündigung sei nicht überraschend gewesen, sagte Fraktionssprecherin Christel Keim in einer ersten Stellungnahme. Der Bürgermeister habe bereits angekündigt, dass er vor den Haushaltsberatungen eine Erklärung geben werde.

Ausschreibung der Stelle

Im Dezember oder Januar muss die Stelle des Bürgermeisters ohnehin ausgeschrieben werden. Wahltermin müsste zwischen dem 1. März und Ende Mai 2022 sein. Die neue Amtszeit beginnt Anfang September 2022. (Armin Haß / Barbara Liese)

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