Wichtiger Zeuge ist immer noch nicht aufzutreiben

Angeklagter im Lütersheimer Mordprozess wegen ungewöhnlicher Betrugsmasche vorbestraft

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Archivfoto aus der Mordnacht: Der Täter hatte zur Verdeckung seiner Spuren das Wohnhaus seines Opfers in Lütersheim in Brand gesetzt. 

Auch im dritten Versuch ist es der Göttinger Polizei nicht gelungen, einen wichtigen Zeugen im Mordprozess gegen einen 40-jährigen Angeklagten aus Fulda aufzutreiben.

Volkmarsen/Kassel - Robert Winter, Vorsitzender der 10. Strafkammer am Kasseler Landgericht, berichtete am Montag vom erneut vergeblichen Versuch der Göttinger Polizei, den 49-jährigen Bekannten des Angeklagten, der vorübergehend als Mittäter bei dem Mord an einem 79-jährigen Rentner in Volkmarsen-Lütersheim verdächtig war, in seiner Wohnung anzutreffen. 

Der Mann war zuletzt am 25. April gesehen worden, als er am Flughafen Hannover ein Auto mietete. Seitdem ist er untergetaucht, vermutlich weil er im Prozess um den Lütersheimer Mordprozess nicht aussagen will

Afrikanische Handtrommeln als Beweisstücke

Am Montag ging es vor allem um sechs große Handtrommeln vermutlich afrikanischer Herkunft, die aus dem Wohnhaus in Lütersheim seit der Mordnacht im November 2018 verschwunden sind. Genau solche Trommeln waren in der Wohnung des Angeklagten in Fulda sichergestellt worden, jedoch verweigerte der Angeklagte die Herausgabe der Trommeln. 

Die Nebenklage ließ die sichergestellten Trommeln mit Fotos aus dem Familienleben des Opfers vergleichen, die sie zu Weihnachten und im Garten des getöteten Rentners zeigen. Auf den Fotos ist zu sehen, wie die Trommeln bei Hausmusik und am Lagerfeuer von Enkeln und Freunden des 79-Jährigen gespielt werden, rein optisch gleichen sie den sichergestellten Trommeln aufs Haar. 

Ungewöhnliche Betrugsmasche mit gefälschten Pfandbons

Der Angeklagte ist wegen einer ungewöhnlichen Betrugsmasche vorbestraft: Er hatte in den Jahren 2015 und 2016 drei reguläre Leergut-Pfandbelege mit Werten zwischen 20 und 30 Euro fotokopiert und so bearbeitet, dass er sie in verschiedenen Supermärkten im ganzen Bundesgebiet, meist aber in Thüringen, einlösen konnte.

Auf diese Weise erschwindelte sich der bei diesen Fällen geständige 40-Jährige insgesamt rund 1.100 Euro. Das Amtsgericht Detmold verurteilte ihn im Mai 2016 wegen gewerbsmäßigen Betruges und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. 

Weitere Fortsetzungstermine - Urteil noch im Mai erwartet

Bei der Tat im November 2018, die ihm die Anklage zur Last legt, stand er also unter laufender Bewährung. Außerdem war der Fuldaer vom Amtsgericht Korbach wegen Beitragsschulden verurteilt worden.

Die Verhandlung wird am kommenden Freitag, 8. Mai, um 9 Uhr in Saal D 130 fortgesetzt. Dann ist auch der flüchtige Zeuge erneut geladen und soll von der Polizei vorgeführt werden. 

Richter Winter geht davon aus, dass an diesem Tag auch das Gutachten von Psychiater Dr. Frank Paulmann vorgetragen und das Plädoyer der Staatsanwaltschaft gehalten werden können. Möglicherweise könnte dann am 22. Mai nach dem Plädoyer der Verteidigung auch schon das Urteil fallen, so die Planung.

Hintergrund des Mordprozesses in Lütersheim*: Ein 39-Jähriger, soll einen Senior in Lütersheim ermordet und dessen Haus angezündet haben soll. Nun steht er vor Gericht.

Von Thomas Stier

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