Jannik Leis hat sein neues Farmer Mobil in Betrieb genommen

Mobile Hühnerställe in Volkmarsen: Mehr Auslauf geht kaum

Voll im Trend: Junglandwirt Jannik Leis setzt auf Legehennen in mobilen Hühnerställen. In Waldeck-Frankenberg gibt es 16 dieser Ställe, hessenweit mehr als 400.
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Voll im Trend: Junglandwirt Jannik Leis setzt auf Legehennen in mobilen Hühnerställen. In Waldeck-Frankenberg gibt es 16 dieser Ställe, hessenweit mehr als 400.

Sein Vater betreibt einen Schweinemastbetrieb am Ortsrand von Volkmarsen, dazu eine Biogasanlage. Junglandwirt Jannik Leis hat sich vorgenommen, mobile Hühnerställe als weiteres Standbein für seinen Betrieb zu etablieren.

Volkmarsen – „Nach der landwirtschaftlichen Technikerschule wollte ich etwas Eigenes aufbauen“, erzählt Jannik. Mobile Hühnerställe seien in Süd- und Mittelhessen schon seit drei Jahren gut im Rennen. Die Verbraucher wüssten es zu schätzen, Eier von Hühnern zu beziehen, die auf Wiesen in der Nähe freien Auslauf genießen. Das wollte Jannik Leis selber ausprobieren und stellte im Januar einen ersten mobilen Stall auf die Wiese zwischen Bahntrasse und Solarfeld der Firma Henkelmann auf.

Die Resonanz sei enorm gewesen, deshalb habe er gleich nach Ostern das größere „Farmer Mobil“ bestellt. Dieser fahrbare Hühnerstall hat in seiner Grundform die Größe eines Wohnmobil-Trailers, kann jedoch zu beiden Seiten ausgezogen werden und bietet dann bis zu 900 Legehennen auf drei nicht geschlossenen Ebenen viel Platz zum Scharren, Picken, Schlafen und Eierlegen.

Gut erzogene Hühner legen ihre Eier nur in den etwas dunkleren Nestern. Dort kullern sie auf ein Transportband, das vom Hühnerbauern regelmäßig geleert wird.

Nach Herzenslust laufen und picken

Jannik Leis staunte nicht schlecht, als er Ende März erfuhr, dass er gut zehn Monate auf sein „Farmer Mobil“ warten müsse. Die Nachfrage ist bundesweit riesengroß.

So richtig kann sich der Junglandwirt diesen Boom nicht erklären: „Offenbar verlangen jetzt immer mehr Verbrauer nach Lebensmitteln aus möglichst natürlicher Produktion. Freilaufende Hühner, die nach Herzenslust ihren Stall verlassen und auf der Weise Gras picken können, bedienen einen modernen Trend.

Drei mobile ställe am Start

Jannik Leis hofft, dass dieses Interesse der Verbraucher anhält. Schließlich legen die Hühner brav weiter ihre Eier, auch wenn die Nachfrage mal etwas nachlässt. Für alle Fälle hat der landwirtschaftliche Unternehmer Kontakt mit einem Produzenten von Eierlikör Kontakt aufgenommen und auch Nudeln lässt er aus seinen Eiern herstellen. Eierlikör und Nudeln selber zu machen wäre unter den geltenden lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu aufwendig. Schon für das gewerbliche Aufschlagen von Eiern benötigt man eine besondere Genehmigung und Zertifizierung.

Mobiles Heim für Hennen: Am Ortseingang von Volkmarsen auf den Wiesen zwischen dem Logistik-Zentrum und der Landesstraße stehen drei mobile Hühnerställe.

Auch die Kontrollen des Veterinäramts bei den Hühnerhaltern sind streng. Die räumlichen Abmessungen und hygienischen Verhältnisse werden regelmäßig kontrolliert. Auf dem Gebiet kennt sich Leis aus. Weil seine drei mobilen Ställen bis zu 1400 Eier am Tag liefern können, hat er sich als Packstelle registrieren lassen. Damit verbunden ist die Verpflichtung zum Abwiegen und Stempeln der frischen Eier.

Verbrauer wollen wissen, wo Lebensmittel herkommen

Einige davon verkauft er selber in einem Automaten an der Arolser Straße. Den größten Teil seiner frischen Volkmarser Eier liefert er an den Rewe-Markt sowie an die Edeka-Märkte in Ehringen und Wrexen. Wer als Landwirt erfolgreich wirtschaften will, muss rechnen können. Die Investitionen in die Ställe waren recht hoch. Die Pflege der Tiere kostet Zeit.

Einen Teil dieser Zeit verbringen die Mitglieder der Familie Leis in diesen Tagen damit, interessierten Verbrauchern die Funktionsweise der mobilen Ställe zu erklären. Leis: „Es ist schön zu sehen, dass sich die Menschen dafür interessieren, wo ihre Lebensmittel herkommen. Diese Leute sind dann auch breit, ein paar Cent mehr für ihre Frühstückseier auszugeben.“

In Deutschland nur zu 70 Prozent Selbstversorger mit Eiern

„Immer mehr Landwirte in Waldeck-Frankenberg setzten auf Hühnermobile“, weiß Stefanie Wetekam. Die Geschäftsführerin des Bauernverbands Waldeck zählt auf, dass derzeit 16 rollende Hühnerställe mit 75 bis 1200 Legehennen im Kreisgebiet unterwegs seien. Der professionelle Hühnerhalter füttere durchschnittlich 480 Stück.

Der Bauernverband ist sehr zufrieden mit dieser Entwicklung. „Schließlich sind wir in Deutschland nur zu 70 Prozent Selbstversorger mit Eiern. 30 Prozent aller hier verzehrten Eier werden importiert. Und da weiß man gar nicht, wie die Haltungsbedingungen sind“, sagt Wetekam. Aus dem Ausland werde vor allem Flüssigei für die Produktion von Nudeln und Teigwaren aller Art importiert.

RP Gießen ist hessenweit für Eierpackstellen zuständig

Ziel des Bauernverbands sei es, für die heimischen Landwirte eine möglichst hohe Wertschöpfung zu ermöglichen. Die meisten Hühnerhalter verfütterten wie Familie Leis Getreide aus eigenem Anbau: Weizen, Gerste, Mais. So stünden die vielen Hühnermobile in Waldeck-Frankenberg für Regionalität im besten Sinne. Der direkte Kontakt zwischen Kunde und Erzeuger sei wichtig und gut für die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Bevölkerung.

„In Hessen gibt es 1 748 410 registrierte Legehennen“, berichtet der Gießener Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Seine Behörde ist nämlich hessenweit zuständig für die Registrierung von Legehennen und die Zulassung von Eierpackstellen. Aktuell bieten mehr als 400 Betriebe ihre Eier im Handel an. (Elmar Schulten)

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