Wichtiger Zeuge spurlos verschwunden

Mord an Rentner:  Laut Google-Ortung war Angeklagter zur Tatzeit vor Ort - Lebenslange Haft gefordert

Mord an Rentner in Volkmarsen-Lütersheim: Prozess am Landgericht Kassel läuft.
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Bei einem Brand in Lütersheim Mitte November 2018 ist ein Rentner ums Leben gekommen: Später stellte sich heraus, dass es Mord war - jetzt hat der Prozess am Landgericht Kassel begonnen und einer der Zeugen ist verschwunden.

Mord an einem Rentner in Volkmarsen (Nordhessen): Google-Ortung und Handydaten belasten Angeklagten schwer. Staatsanwaltschaft fordert Lebenslang.

  • Mord an einem Rentner in Volkmarsen-Lütersheim im Landkreis Waldeck-Frankenberg in Nordhessen.
  • Der Prozess am Landgericht Kassel läuft - die Anklage fordert lebenslange Haft.
  • Angeklagter und Opfer sollen eine Beziehung miteinander gehabt haben.

Update vom Samstag, 09.05.2020, 12.15 Uhr:

Wegen Mordes aus Habgier an einem Rentner und zur Verdeckung einer Straftat soll der 40-jährige Angeklagte nach Auffassung der Anklage lebenslänglich hinter Gitter. In ihrem Plädoyer forderte Staatsanwältin Julia Beinroth am Freitag (08.09.2020) vor der 10. Strafkammer des Landgerichts Kassel zusätzlich die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, die eine vorzeitige Entlassung aus der Haft unmöglich machen würde.

Auch am 10. Verhandlungstag hatte der Angeklagte eisern geschwiegen und kaum Emotionen gezeigt, doch als die lebenslängliche Strafe gefordert wurde, schlug er beide Hände vor das gerötete Gesicht.

Mord an Rentner: Anklage mit lückenloser Indizienkette

Die Anklägerin hatte eine nahezu lückenlose Indizienkette geknüpft: Danach hat der Angeklagte am Nachmittag des 19.11.2018 seinen Pkw oberhalb des Holzhauses in Volkmarsen-Lütersheim geparkt und das Haus des 79-jährigen Rentners stundenlang beobachtet.

Gegen 22.45 Uhr kam es in dem Haus zum Streit zwischen dem 40-Jährigen und dem Rentner, in dessen Verlauf der alte Mann mit mindestens acht Schlägen - vermutlich mit einer Schreckschusswaffe - totgeschlagen wurde. Mit einer Schubkarre wurden dann laut Anklage Computer, Bildschirme, Handys und Buschtrommeln zum Pkw transportiert. An mindestens fünf Stellen wurde Benzin verschüttet und angezündet. Das Haus brannte vollständig aus. 

Mord an Rentner: Angeklagter missbrauchte die EC-Karte des Opfers

Schon am 20.11.2018 wurde vergeblich versucht, mit EC-Karten des Rentners Geld am Automaten in Kassel zu ziehen. Später wurde mit den Geldkarten für insgesamt über 3000 Euro eingekauft. Dies wurde dem Angeklagten zweifelsfrei nachgewiesen.

Der Psychiater Dr. Frank Paulmann aus Haina konnte nur bedingt eine Aussage zum Angeklagten treffen, weil der jede Zusammenarbeit verweigert hatte. Der Arzt konnte allerdings keinerlei psychische Erkrankung erkennen und attestierte dem Fuldaer volle Steuerungs- und Schuldfähigkeit.

Mord an Rentner: Google-Ortung lokalisierte Angeklagten im Haus

Der Angeklagte Tino S. hatte behauptet, seit Monaten eine homoerotische Beziehung zu dem Rentner unterhalten zu haben. Dieser Aussage schenkte Staatsanwältin Beinroth gestern in ihrem Plädoyer keinen Glauben. Tatsächlich hatte der untergetauchte Zeuge Alexander G. wohl seit Monaten Kontakt zu dem 79-Jährigen, wie Handy-Daten belegen. S. hatte zu G. eine Beziehung, beide hatten wohl seit längerer Zeit Betrügereien in Norddeutschland begangen. 

Die Auswertung von Google-Ortungsdaten, die den Aufenthalt der Handys beider Männer auf zehn Meter genau und minutiös nachzeichneten, bewies, dass sich S. und G. am Vormittag des Mordtages bei Obi in Kassel trafen und beide dann mit zwei Autos nach Lütersheim fuhren. Möglicherweise hatte G. den Angeklagten informiert, dass es im Haus des Rentners, das er aus mehreren Besuchen kannte, wertvolle Dinge zu stehlen gab, die die finanzielle Klemme des Hartz IV-Empfängers lindern könnten. Die Google-Daten belegten auch, dass sich der Angeklagte zur Tatzeit in dem Haus aufhielt. 

Mord an Rentner: Auch Handydaten belasten den Angeklagten

Gleiches zeigte auch die Auswertung des Handys, das in der Funkzelle von Volkmarsen-Lütersheim im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg - dem Wohnort des Rentners - eingeloggt war. Die Handy-Daten korrespondieren auch mit den Einsätzen der Geldkarten des Opfers an Geldautomaten und bei Einkäufen in Tschechien. In der Fuldaer Wohnung des 40-Jährigen waren zudem Turnschuhe und ein Feuerlöscher aus dem Haus in Lütersheim gefunden worden, an denen DNA-Untersuchungen Blutanhaftungen des Opfers nachwiesen.

Am nächsten und voraussichtlich letzten Verhandlungstag am Freitag, 22.05.2020, wird Verteidiger Johann Müller plädieren. Dann will die Strafkammer von Richter Winter ihr Urteil verkünden.

Mord an Rentner: Wichtiger Zeuge im Prozess bleibt spurlos verschwunden

Update vom Donnerstag, 07.05.2020, 12.42 Uhr: Auch im dritten Versuch ist es der Göttinger Polizei nicht gelungen, einen wichtigen Zeugen im Lütersheimer Prozess* wegen Mordes an einem Rentner einen 40-jährigen Zeugen aufzutreiben. 

Robert Winter, Vorsitzender der 10. Strafkammer am Kasseler Landgericht, berichtete am Montag (04.05.2020) vom erneut vergeblichen Versuch der Göttinger Polizei, den 49-jährigen Bekannten des Angeklagten, der vorübergehend als Mittäter bei dem Mord an einem 79-jährigen Rentner in Volkmarsen-Lütersheim verdächtig war, in seiner Wohnung anzutreffen. Der Zeuge wurde zuletzt Ende April am Flughafen in Hannover gesehen.

Mord an Rentner: Zeuge im Prozess verschwindet

Update, 30.04.2020, 15.16 Uhr: Ein Zeuge im Prozess um den Mordfall in Lütersheim* verschwindet. Der Anwalt verliest die Aussage des Angeklagten.

Ein wichtiger Zeuge im Prozess  wegen Mordes an einem Rentner gegen den 39-jährigen Angeklagten aus Fulda ist untergetaucht. Am Mittwoch war er zum zweiten Mal vor die 10. Strafkammer des Kasseler Landgerichts geladen und erneut nicht gekommen. Die Polizei hatte den Mann aus Göttingen zwischenzeitlich im Verdacht, bei dem Mord an einem 79-jährigen Rentner im Volkmarser Stadtteil Lütersheim im November 2018 als Mittäter beteiligt gewesen zu sein.

Mord an Rentner: Kriminalpolizei hat Spuren gesichert

Update, 12.02.2020, 15.05 Uhr: Seit dem 30. Januar läuft am Landgericht Kassel der Prozess wegen des Verdachts des Mordes an einem Rentner und der besonders schweren Brandstiftung gegen einen 39-jährigen Mann aus Fulda. Bis zum 23. April sind insgesamt zehn Prozesstage angesetzt. 

Ihm wird vorgeworfen in der Nacht zum 20.11.2018 in Volkmarsen-Lütersheim einen Rentner in seinem Haus ermordet und danach das Haus in Brand gesteckt zu haben.

Unmittelbar nach der Entdeckung der Tat hatte die Kriminalpolizei das Gelände mit einem Zaun versehen lassen, um den Tatort ungestört nach Spuren untersuchen zu können. Danach war das Haus mit einem klaffenden Loch im Dach über viele Monate ungeschützt der Witterung ausgesetzt.

14 Monate nach dem Lütersheimer Rentners und der anschließender Brandstiftung wird das moderne Holzhaus in diesen Tagen abgerissen, weil es durch den Brand unbewohnbar geworden ist.

Mordan Rentner: Haus des Opfers muss abgerissen werden

Baufachleute ahnten schon nach dem Löscheinsatz, dass die Holzkonstruktion, die große Mengen von Löschwasser abbekommen hatte, nicht mehr bewohnbar sein würde. 

So wird das Gebäude nun fachmännisch abgetragen. Sauber getrennt nach den verwendeten Baustoffen werden die Gebäudebestandteile entsorgt. Unterdessen wird die juristische Aufarbeitung des Falles beim Landgericht in Kassel fortgesetzt. 

Update, 31.01.2020, 10.21 Uhr: Der Angeklagte soll am 9. Dezember 2018 auf der Fahrt von Korbach zum Polizeipräsidium in Kassel ein Geständnis abgelegt haben. Einer der damals anwesenden Beamten sagt aus, dass der 39-Jährige wohl Vertrauen zu ihm gefasst und etwa Folgendes gesagt habe: "Um Mitternacht ist es halt dann passiert, ich bin´s gewesen". Der Angeklagte aus Fulda sei auch darauf hingewiesen worden, dass er sich nicht selbst des Mordes an dem Rentner belasten müsse, habe aber einfach immer weiter geredet.

Mord an Rentner: Beichte im Polizeiwagen

Bisher hat der Angeklagte selbst kein Wort gesagt. Sein Verteidiger versucht, die Aussagen der Kriminalbeamten zu verhindern - dies allerdings vergeblich. Über die Frage, ob diese Angaben im Prozess verwendet werden dürfen, ist noch nicht entschieden worden.

Darüber hinaus schildert der Beamte die Tatnacht* und rekonstruiert diese aus den Aussagen des 39-jährigen Fuldarers. Dabei kommt heraus, dass der Angeklagter und der Rentner anscheinend eine Beziehung miteinander hatten.

Erstmeldung, 27.01.2020, 12.26 Uhr: Mord an einem Rentner und Brandstiftung wirft die Staatsanwaltschaft einem 39-jährigen Mann vor, der in der Nacht zum20. November 2018 in Volkmarsen-Lütersheim einen 79-Jährigen erschlagen und dann dessen Haus angezündet haben soll.

Am Montag (27.01.2020) hat vor der 10. Strafkammer des Kasseler Landgerichts die Verhandlung gegen den in Vacha (Thüringen) geborenen Mann begonnen.

Mord an Rentner: Angeklagter hält sich am Landgericht Kassel bedeckt

Der Angeklagte im Mord von Lütersheim ist ein großer schlanker Mann mit kurzen braunen Haaren, der mit zögernden Schritten den Gerichtssaal am Landgericht Kassel betritt, sich auf die Anklagebank setzt und sofort die Augen hinter der rechten Hand verbirgt, die den gesenkten Kopf stützt. Wenn Richter Robert Winter ihn anspricht, schüttelt er nur den Kopf und verweist auf seinen Verteidiger.

Mord in Lütersheim: Staatsanwältin schildert brutales Geschehen

Staatsanwältin Julia Beinroth schildert in ihrer Anklage ein äußerst brutales Geschehen. Danach war der Angeklagte am Nachmittag des 19.11.2018 zum Haus des 79-jährigen Rentners in Volkmarsen-Lütersheim gefahren und hatte auf einem nahen Feldweg mehrere Stunden gewartet. Er sei damals in finanziellen Schwierigkeiten gewesen und habe Geld und Wertgegenstände aus dem Haus stehlen wollen.

Mord an Rentner: Angeklagter geriet mit Bewohner in Streit und schlägt zu

Vermutlich gegen 20 Uhr, so die Anklägerin, sei er in das Haus des Rentners in Lütersheim eingedrungen und noch im Flur mit dem Bewohner in einen handfesten Streit geraten. Dabei habe der Angeklagte den anderen mit der Faust zu Boden geschlagen. Beim Sturz schlug er mit dem Kopf auf einen Feuerlöscher und blieb benommen auf dem Rücken liegen.

Mord Rentner: Bewohner stirbt an einem Schädelbruch

Der Angeklagte soll den Rentner kurz gewürgt und dann mit einer Schreckschusspistole mehrfach auf dessen Kopf eingeschlagen haben. Der 79-jährige Mann aus Lütersheim konnte sich nur noch schwach wehren, erlitt einen mehrfachen Schädelbruch und verstarb, wie wlz-online.de* berichtet.

Mord an Rentner: Anklage wirft dem 39-Jährigen Mord aus Habgier vor

Anklägerin Beinroth beschuldigte den Angeklagten, den Tod des Rentners bewusst herbeigeführt und sich daher des Mordes aus Habgier und zur Vertuschung einer Straftat schuldig gemacht zu haben. Anschließend soll der Angeklagte Kredit- und Geldkarten des Toten an sich genommen haben, Handy, Computer und sechs Buschtrommeln wurden mit einer Schubkarre zum Auto gebracht. Mit den Geldkarten wurden später in Kassel und Fulda Einkäufe im Wert von über 3000 Euro getätigt.

Brandstiftung nach Mord an Rentner: Der Angeklagte soll nach der Tat das Feuer gelegt haben

Aus einem mitgebrachten Benzinkanister soll der Angeklagte dann an mehreren Stellen des Hauses und am Auto des Toten in der Garage Benzin verschüttet und an mindestens fünf Stellen angezündet haben.

Video: 79-Jähriger nach Brand im Haus gefunden - Tötungsdelikt?

Von Elmar Schulten und Thomas Stier

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