Beziehung zwischen Angeklagtem und Opfer?

Mordprozess Lütersheim: Beichte im Polizeiwagen

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Löscharbeiten in Lütersheim in der Nacht zum 20. November 2018: Der 79-Jährige wurde in seinem Wohnhaus tot aufgefunden.

In Lütersheim kommt es 2018 zu einem Fall von Mord, Brandstiftung und Diebstahl. Der Angeklagte beichtet die Tat im Polizeiwagen.

  • Mord, Brandstiftung und Diebstahl in Lütersheim
  • 39-Jähriger vor Gericht: Beichte kam im Polizeiwagen
  • Angeklagter und Opfer sollen Beziehung gehabt haben

Kassel/Volkmarsen – Das Geständnis kam am 9. Dezember 2018 im geschützten Dunkel eines Polizeiwagens auf der Fahrt von Korbach zum Polizeipräsidium in Kassel: „Er hatte wohl Vertrauen zu mir gefasst und eine Art Beichte abgelegt: ,Um Mitternacht ist es halt dann passiert, ich bin´s gewesen‘, hat er gesagt“, berichtete der 53-jährige Beamte der Korbacher Kriminalpolizei vor der 10. Strafkammer des Landgerichts.

Dort hat der Angeklagte aus Fulda bisher kein einziges Wort gesagt. Sein Verteidiger hatte vergeblich versucht, die Aussagen der beiden Kriminalbeamten zu verhindern. Sein Mandant sei bei der Fahrt nach Kassel in einer emotionalen Ausnahmesituation gewesen, die Angaben dürften im Prozess nicht verwertet werden. Darüber will die Kammer von Richter Robert Winter später entscheiden, die Aussage der Zeugen wurden aber zugelassen.

Mord in Lütersheim: Beichte auf dem Weg ins Präsidium - „[...] alles ist sowieso egal“

Der Angeklagte sei sowohl vor der Vernehmung im Polizeirevier in Korbach als auch im Auto auf seiner Rechte als Beschuldigter mündlich und schriftlich hingewiesen worden. Obwohl er ihm mehrmals gesagt habe, dass er ohne Anwalt nichts mehr sagen müsse, habe der 39-Jährige immer weiter geredet: „Ihr wisst doch eh schon alles, das Leben macht keinen Sinn mehr, alles ist sowieso egal“ habe er gesagt.

Die Aussagen des Mannes fasste der Beamte gestern so zusammen: Am Abend des 19. November 2018 sei der Angeklagte zum Haus des späteren Opfers am Ortsrand von Lütersheim gefahren. Beide hätten sich im April 2018 über einen Chatraum im Internet kennengelernt und wenig später in Fulda erstmals getroffen.

Danach sei der 79-Jährige alle zwei bis drei Wochen nach Fulda gekommen, es sei zum Austausch homoerotischer Zärtlichkeiten gekommen. Etwa dreimal hätten sie sich auch in dem Haus des Älteren getroffen, wo er auch übernachtet habe.

Mord in Lütersheim: Angeklagter entlastet ehemaligen Verdächtigen

Gegen 20 Uhr sei er am Tattag in Lütersheim angekommen und habe sein Auto auf einem Feldweg oberhalb des Hauses abgestellt. Dort sei „zufällig“ auch ein zweiter Mann, ein Freund aus Göttingen gewesen, der aber wieder gefahren sei. Er habe mit der Tat nichts zu tun, habe der Angeklagte über den zweiten Mann gesagt, der zwischenzeitlich auch festgenommen worden war, berichtete der Polizist.

Man habe sich unterhalten, bis es dann im Flur im Erdgeschoss zu einem Gerangel gekommen sei, schilderte der Beamte die Aussage des Angeklagten. Der 79-Jährige habe eine Schreckschusswaffe gehabt, die er ihm abgenommen habe. Der alte Mann starb wenig später unter zahlreichen Schlägen auf den Kopf mit der Waffe.

Mord in Lütersheim: 39-Jähriger aus Fulda legt Feuer um Mord zu vertuschen?

Er sei zunächst auf die Autobahn gefahren, hätte an einer Tankstelle einen Benzinkanister gefüllt und sei damit zurückgefahren, habe der 39-Jährige weiter berichtet.

Aus dem Haus habe er unter anderem Elektrogeräte sowie EC- und Kreditkarten des Toten entwendet und die Beute mit einer Schubkarre zum Auto gebracht. Dann habe er im Haus und in der Garage Benzin verschüttet und es an mehreren Stellen angezündet. Die Waffe und einige der Karten habe er späterin die Fulda geworfen.

Von Thomas Stier

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