Erster Meilenstein ist geschafft

Ohne Druck geht's jetzt im Volkmarser Mikwe-Haus nach Prioritätenliste weiter 

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Herrliche Räume bietet das Mikwe-Haus im Steinweg 24: Ernst Klein vom Verein Rückblende zeigt einen Versammlungsraum mit Parkettboden und moderner Küche. Hier können demnächst Vorträge und kleine Konzerte angeboten werden.

Volkmarsen. Ein Jahr lang hat er hart für den Kauf und die Finanzierung des Mikwe-Hauses im Steinweg gekämpft. Am 27. Dezember wurde der Vertrag notariell beurkundet.

„Jetzt ist der Druck weg. Wir können in Ruhe die nächsten Schritte planen“, freut sich Ernst Klein, der als vorsitzender des Vereins „Rückblende - Gegen das Vergessen“ 2013 maßgeblich an der Ausgrabung des jüdischen Ritualbads in dem 800 Jahre alten Gewölbekeller des denkmalgeschützten Hauses beteiligt war.

Der Kaufpreis von 190 000 Euro sei nach der Jahreshauptversammlung im Dezember durch zusätzliche Spenden voll erreicht worden. Nun fehlten noch rund 13 000 Euro für die Grunderwerbssteuer und die Notarkosten.

Wie wurde das Mikwe-Projekt finanziert?

32 000 Euro steuerte die Stadt Volkmarsen bei, 64 000 Euro hat der Landkreis zugesagt, 9500 Euro kommen vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft und Kunst. Der Rest sind Spenden.

Zur Finanzierung trägt auch die Verpachtung von 90 Quadratmeter Bürofläche mit Eingang vom Steinweg an ein Architekturbüro bei. „Bauexperten im Haus zu haben, kann nicht schaden“, kommentiert Klein. Der Mietvertrag ist zunächst auf drei Jahre befristet.

Ein Schmuckstück mit Geschichte: Das Mikwe-Haus im Steinweg 24 ist im vorderen Teil vor Jahren schon kernsaniert worden und befindet sich in einem sehr guten Zustand.

„Das ist dann doch noch alles prima gelaufen“, freut sich Klein. Ihm ist aber auch bewusst, dass jetzt die eigentliche Arbeit erst anfängt: Die Museumsräume müssen hergerichtet, der Umzug vorbereitet werden. Das mittelalterliche Haus am Steinweg ist riesig, bietet rund 380 Quadratmeter Nutzfläche.

Vor 25 Jahren wurde das Gebäude kernsaniert. Die vordere Haushälfte ist in einem Top-Ausbauzustand und kann quasi unmittelbar bezogen werden.

Was sind die weiteren Pläne für das Mikwe-Haus?

Der hintere Teil allerdings erfordert noch einige Anstrengung beim Ausbau.

Die Räume zur Gartenterrasse hin bieten sich für die Gestaltung eines Gartencafés an. Hier müsste aber noch eine behindertengerechte Toilette eingebaut werden.

Der hintere Teil muss demnächst vom Verein Rückblende für Museumszwecke hergerichtet werden. Hier könnte ein Museumscafé entstehen

Der Raum darüber soll einen Großteil der Ausstellung aufnehmen, die aktuell noch im Haus „Dr. Bock“ zu sehen ist. Auch hier sind noch Trockenbauarbeiten auszuführen. Außerdem schwebt Klein ein Tür-Durchbruch von Hinterhaus zu Vorderhaus vor.

Der wird aber nicht einfach zu bewerkstelligen sein, weil beide Gebäudeteile ein um etwa 1,50 Meter unterschiedliches Fußbodenniveau haben.

Überhaupt gibt es ungezählt viele Treppenstufen in dem historischen Gebäude. Deshalb wünscht sich Klein mittelfristig den Anbau eines Aufzuges.

Doch all das ist noch Zukunftsmusik. „Wir stellen jetzt erst mal eine Prioritätenliste auf, denn es gibt Vordringliches und Wünschenswertes. Wir wollen der Reihe nach vorgehen“, gibt der Vorsitzende die Marschrichtung vor.

Mikwe-Haus als wertvoller, außerschulischer Lernort

Der Verein „Rückblende – Gegen das Vergessen“ erforscht und dokumentiert seit 1995 die Geschichte jüdischer Familien in Nordhessen. So gelang es unter anderem, ehemalige jüdische Mitbürger aus Volkmarsen, die die Verfolgung und Vernichtung durch die Nationalsozialisten überlebt haben, nach Volkmarsen einzuladen. 

Auch deren Familiengeschichten wurden in der Geschichtswerkstatt im Haus Dr. Bock dokumentiert. Konfirmandengruppen, Schüler und Studenten nutzen das Archiv und die Dauerausstellung als außerschulischen Lernort. 

Seit der Entdeckung der mittelalterlichen Schachtmikwe, eines jüdischen Ritualbades im Gewölbekeller des Hauses Steinweg 24 bemüht sich der Verein um den Erwerb des Hauses. Hier wäre genügend Platz für die Dauerausstellung, das Archiv und Arbeitsräume für Schüler und Studenten. 

Der als gemeinnützig anerkannte Verein Rückblende zählt 185 Mitglieder, davon 35 Neuzugänge aus dem Jahr 2017. Spenden zur Unterstützung des Mikwe-Hauses sind in Form von Handwerkerleistungen und Überweisungen willkommen. 

Spendenkonto: IBAN: DE14523500050009462078

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