Neues Buch veröffentlicht

Volkmarser Ernst Klein schildert Schicksale jüdischer Familien

Mit 96 Jahren ist Bern Brent im Sommer 2019 wieder von Australien nach Volkmarsen gereist, wo jüdische Verwandte lebten. Unser Bild zeigt ihn mit Tochter Joanna Bret und Enkel Jimmy Bonnan sowie Gastgeber Ernst Klein am Gustav-Hüneberg-Haus.Brent , heute 98, findet auch Eingang in Kleins neues Buch „Bernstein und Hüneberg“.
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Mit 96 Jahren ist Bern Brent im Sommer 2019 wieder von Australien nach Volkmarsen gereist, wo jüdische Verwandte lebten. Unser Bild zeigt ihn mit Tochter Joanna Bret und Enkel Jimmy Bonnan sowie Gastgeber Ernst Klein am Gustav-Hüneberg-Haus.Brent , heute 98, findet auch Eingang in Kleins neues Buch „Bernstein und Hüneberg“.

Der Volkmarser Heimatforscher hat ein neues Buch über die Schicksale jüdischer Familien in der Region veröffentlicht.

Volkmarsen – Mit heute 98 Jahren ist der Australier Bern Brent einer der ältesten lebende Zeitzeugen jüdischen Lebens, dessen Schicksal sein Freund Ernst Klein aus Volkmarsen in seinem neuen Buch „Bernstein und Hüneberg“ darstellt.

Ausgrenzung und Ermordung

Mit dem Titel verbinden sich die Lebensgeschichten von zwei jüdischen Familien. Mehr noch: Klein widmet in dem neuesten, mit seiner Ehefrau Brigitte verfassten Werk weite Passagen der Entwicklung jüdischen Lebens in den vergangenen 500 Jahren.

Die bereits im beginnenden 20. Jahrhundert begonnene Ausgrenzung angesehener Bürger und ganzer Familie sowie die Deportation und Ermordung jüdischer Bürger aus Volkmarsen werden darin ebenfalls dargestellt wie Emigration - und das Wiedersehen mit Angehörigen jüdischer Familien seit den 1990-er Jahren in Volkmarsen, wofür sich das Ehepaar Klein mit ganzer Energie eingesetzt hat.

Jüdische Besucher in Volkmarsen

Bern Brent, als Gerd Bernstein geboren, war 1995 der erste jüdische Gast in der Kugelsburgstadt. Er ist in Berlin als Sohn deutsch-jüdischer Eltern aufgewachsen, die sich wie die Großeltern zum protestantischen Glauben bekannten. Er galt als „Halb-Arier“, und ihm gelang es, nach England zu fliehen.

Als Deutscher wurde jedoch zusammen mit weiteren Emigranten und Flüchtlingen in England kritisch beäugt und im Zuge von Schiffstransporten zunächst in ein Internierungslager nach Australien verbracht. Später wurde er australischer Staatsbürger, der sich sehr mit seinen familiären Wurzeln befasst und mit seinen verschlungenen Lebenswegen.

Der Vater mit dem Namen Otto Bernstein wurde 1942 in das KZ Theresienstadt verschleppt, überlebte und ging später ebenso wie die Mutter nach Australien.

Großmutter im KZ umgekommen

Großmutter Sophie Maas war entkräftet in Theresienstadt gestorben, und eine Tante hatte sich in Berlin das Leben genommen, um der Deportation zu entgehen. Otto Bernstein hat einen Teil von Kindheit und Jugend in Volkmarsen verbracht, bevor er in Berlin und als Kaufmann bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs in Moskau war. An Volkmarsen erinnerte er sich als „Kinderparadies“.

Aus Erinnerungen des Vaters und einem Gedicht des Großvaters Hermann Bernstein, der mütterlicherseits mit der angesehenen jüdischen Familie Hüneberg verwandt war, erfuhr Brent später von Volkmarsen. Und so ergaben sich die Kontakte zu den Kleins.

Biographien und Gedichte

Eine Fülle von (auto)biographischen Aufzeichnungen und Fotos zu den beiden Familien Bernstein und Hüneberg, von Gedichten aus der Feder von Hermann Bernstein fügte Klein in dem knapp 300 Seiten umfassenden Buch zusammen.

Zum heutigen Holocaust-Gedenktag hatte Klein eine Lesung vorgehabt, die wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden kann

Buchprojekt gefördert.

Der Buchpreis beträgt 22 Euro, das Werk kann direkt bei Ernst Klein, Telefon: 05693/469, E-Mail: ernstwklein@web.de, oder im Buchhandel unter Angabe der ISBN-Nummer 978-3-9821343-6-9 bezogen werden.

Das Buchprojekt wurde vom Netzwerk für Toleranz Waldeck-Frankenberg und von der Klaus-Dieter-Trayser-Stiftung finanziell unterstützt. Klein will einen Teil der Exemplare an interessierte Schulen zu Unterrichtszwecken kostenfrei abgeben. (Von Armin Haß)

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