Waldschäden werden im Haushalt spürbar

Sorge um Stadtwald vereint Volkmarser Parteien

Einstimmig und ohne große Grundsatzdebatten hat das Volkmarser Stadtparlament am Dienstagabend den Haushaltsplan für das kommende Jahr beschlossen.

Es sei zwar nach fünf Jahren der erste Haushalt, der im Entwurf mit rund 13 000 Euro nicht ausgeglichen vorgelegt wurde, bedauerte FWG-Sprecher Klaus Teppe, fügte aber hinzu, dass Bürgermeister und Kämmerer deutlich aufgezeigt hätten, dass es möglich sei, den Etat durch einen Griff in die Rücklage auszugleichen.

Schwerer wiege auf lange Sicht die Tatsache, dass der Stadtwald quasi am Ende sei. Experten müssten ein schlüssiges Konzept für die Wiederaufforstung erarbeiten.

Als dringend notwendig für die Sicherheit der Bürger bezeichnete Teppe die Investitionen in das Feuerwehrhaus Külte und in die Hubarbeitsbühne. Das sei keine Angelegenheit, sondern städtische Pflichtaufgabe.

CDU-Sprecher Martin Schmand bedauerte das mangelnde Interesse der Bürger an den Haushaltsberatungen. Gleichzeitig bestätigte er aber auch: „Für den Bürger ist das Zahlenwerk nicht zu verstehen.“ Schmand appellierte, die „weichen Standortfaktoren nicht aus den Augen zu verlieren, denn sie seien es, die das Leben in der Stadt erst lebenswert machten. Der Dialog mit den Vereinen müsse verstärkt werden.

Brachliegendes Gewerbegrundstück bindet städtische Mittel

Aus Sicht der AfD-Fraktion beklagte Hakola Dippel das Defizit im Haushalt und hatte auch gleich einen Grund dafür im Auge: Das Starke-Heimat-Gesetz der Landesregierung binde städtische Mittel. Bis heute wüsste noch niemand, was die Stadt davon habe: „Kommen die Zuschüsse pauschal, investiv oder zweckgebunden?“ Eine weitere Belastung für den städtischen Haushalt sei das immer noch brach liegende Osthoff-Gelände. Da sei totes Kapital der Stadt gebunden, das anderswo gewinnbringend eingesetzt werden könne, zum Beispiel bei der Wiederaufforstung des Stadtwaldes.

Aus SPD-Sicht stellte Bruno Kramer fest, dass die begonnene interkommunale Zusammenarbeit und die Gründung der Kommunalbetriebe Nordwaldeck in die richtige Richtung führe, merkte aber an: „Da geht noch mehr, etwa bei den Bauhöfen.“

Schließlich regte Kramer an, nach Wegen zu suchen, auch die Bürger der Kernstadt mehr in das gesellschaftliche Leben einzubinden. Eine Möglichkeit sei zum Beispiel die Einrichtung eines Ortsbeirats in der Kernstadt.

Aus Sicht der Unabhängigen Liste bedauerte Arno Walprecht, dass mit der Gründung der Kommunalbetriebe Nordwaldeck die Gebührenhoheit aus der Hand gegeben werde. Beim Osthoff-Gelände wünschte er dem Magistrat eine glückliche Hand. Immerhin sei das Grundstück eine Million Euro wert.

Der FDP-Stadtverordnete Thomas Neutze wollte Walprechts Argumentation zur Gebührenhoheit nicht folgen. Bei den Kommunalbetrieben seien Fachleute am Werk, die gute Arbeit leisteten. Es sei gut, dass nun die Zeiten vorbei seien, in denen mit dem Wasserpreis Mittel im Haushalt hin- und hergeschoben wurden.

Volkmarsen will Stadtwald wieder aufforsten

Der dramatische Zustandsbericht von Forstexperten zur Situation im Stadtwald hat die Volkmarser Stadtverordneten so tief beeindruckt, dass sie einstimmig einem Antrag der SPD-Fraktion folgten, mit dem ein Konzept zur Wiederaufforstung erarbeitet werden soll. Ursprünglich hatte die SPD vorgeschlagen eine Million Euro für diesen Zweck einzuplanen.

 Schließlich hätten die Erträge aus dem Stadtwald in den vergangenen jahren rund 900 000 Euro in die Stadtkasse gespült. Doch ganz so einfach lässt sich bei den Haushaltsberatungen keine neue Verpflichtungsermächtigung für die kommenden Jahre einbauen. So einigten sich die Stadtverordneten auf einen Prüfauftrag, der den Magistrat zu geeigneten Maßnahmen verpflichtet. Immerhin habe das Land Hessen 200 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Wälder nach Sturmschäden und Käferplage in Aussicht gestellt, erinnerte Arno Walprecht von der Unabhängigen Liste. 

Ein Teil dieses Geldes könne sicherlich auch im Volkmarser Stadtwald verplant werden. Der FDP-Stadtverordnete Thomas Neutze fasste die aus allen Fraktionen geäußerte Haltung zur Waldrettung so zusammen: „Wir müssen uns alle intensiver um die Zukunft des Waldes kümmern. Da ist der reine Kapitalwert des Holzes noch das Unwichtigste.“ Viel wichtiger sei die Bedeutung des Waldes für den Schutz von Klima, Boden, Luft und Wasser. So ähnlich hatte es auch die SPD in ihrem Antrag formuliert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare