Schwerpunkt jüdisches Leben

Schriftsteller Tobias Wilhelm erkundet für zwei Monate Volkmarsen

Der Schriftsteller Tobias Wilhelm (3. von links) bekommt von Bürgermeister Hartmut Linnekugel das nötige Rüstzeug der Stadt für die kommenden zwei Monate. Von links: Karl Nitzge (Geschichtsverein), Claudia Kreller (Erzählte Geschichten), Thomas Neutze (Rückblende) und Madelyn Rittner (Hessischer Literaturrat).
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Der Schriftsteller Tobias Wilhelm (3. von links) bekommt von Bürgermeister Hartmut Linnekugel das nötige Rüstzeug der Stadt für die kommenden zwei Monate. Von links: Karl Nitzge (Geschichtsverein), Claudia Kreller (Erzählte Geschichten), Thomas Neutze (Rückblende) und Madelyn Rittner (Hessischer Literaturrat).

Als „Neubürger auf Zeit“ hat Bürgermeister Hartmut Linnekugel den Schriftsteller Tobias Wilhelm willkommen geheißen. Der Autor wird in den kommenden zwei Monaten in der Kugelsburgstadt leben und über sie schreiben. Einen Schwerpunkt bildet die regionale jüdische Kultur.

Volkmarsen – Im Rahmen des 2017 begonnenen Projektes „Land in Sicht: Autorenresidenzen im ländlichen Raum“ des hessischen Literaturrates wurde Wilhelm aus 16 Bewerbungen von der Stadt für den Standort Volkmarsen in diesem Jahr ausgewählt.

Das Ministerium für Wissenschaft und Kultur finanziert den Aufenthalt. Im Oktober solle die Ergebnisse des Autoren in Volkmarsen präsentiert. werden Der in einem 6000 Einwohner zählenden Ort bei Mainz aufgewachsene Autor ist mit 20 Jahren nach Berlin gezogen und hat in Potsdam an der Filmuniversität Babelsberg studiert und 2019 seinen Debütroman „Weißer Asphalt“ veröffentlicht.

In Volkmarsen reize ihn die intensiv aufgearbeitete Geschichte der jüdischen Einwohner in Volkmarsen und der Region vom Mittelalter bis zu Flucht, Deportation und Ermordung in der Zeit des Nationalsozialismus, erklärte Tobias Wilhelm bei einer Vorstellung.

Diese Form der Aufarbeitung vermisst er aus seinem Heimatort, und so will er die Veröffentlichungen von dem engagierten Heimatforscher Ernst Klein, dem Gründer und früheren Vorsitzenden des Vereins „Rückblende - Gegen das Vergessen“ und das im vorigen Jahr eröffnete Informationszenrum im Gustav-Hüneberg-Haus für seine Arbeit und eine mögliche Aufarbeitung in der alten Heimat nutzen. Vor Ort möchte er mit Zeitzeugen sprechen und gerne mit dem Verein einen Workshop anbieten.

„Wir erhoffen uns selbst neue Gesichtspunkte“, sagte der jetzige Vorsitzende des Vereins Rückblende, Thomas Neutze. Für Oktober sei im Hüneberg-Haus auch eine Veranstaltung mit Wilhelm geplant.

Vielleicht wird Wilhelm dann schon einen Einblick in seine Aufzeichnungen geben, am Ende dieses Jahres soll eine Broschüre vom Hessischen Literaturrat veröffentlicht werden. In Log- und Tagebüchern, Essays, Gedichten und Prosa beabsichtigt Wilhelm seine Eindrücke festzuhalten.

Auch die Kamera hat er dabei. Er war für einen Kurzfilmpreis nominiert worden und bekam für dieses Jahr eine Drehbuchförderung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien.

Unterstützung wollen auch der Geschichtsverein mit dem Vosritzenden Karl Nutzge an der Spitze und Claudia Kreller geben, die in lockerer Folge Treffen zum Thema „Erzählte Geschichte(n)“ ausrichtet

Ganz handfeste Dinge überreichte Bürgermeister Linnekugel dem „Stadtschreiber“ Wilhelm: Eine Bürotasse, eine Lampe und einen Essensgutschein. Zudem verfügt er über einen Schlüssel für das Hüneberg-Haus. Anregungen aus der Bevölkerung sind willkommen, sie können beim Vorzimmer des Bürgermeisters gemeldet werden.

Die Dauerausstellung über jüdisches Leben in der Region ist am Sonntag, 6. September, im Gustav-Hüneberg-Haus von 14. bis 17 Uhr unter Coronabedingungen geöffnet Die Dauerausstellung ist dem Thema „Deutsch-Jüdisches Leben in unserer Region im Laufe der Jahrhunderte“ gewidmet. Das Hüneberg-Haus ist im Steinweg 24 in Volkmarsen zu finden. (Von Armin Haß)

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