Ralph W. Mollerick berichtet vor Schülern über seine Rettung vor dem sicherem Tod

Ticket im Kindertransport rettete sein Leben

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Besuch aus den USA in der Geschichtswerkstatt des Volkmarser Vereins „Rückblende“: der gebürtige Wolfhager Ralph W. Mollerick (rechts, mit Ehefrau Phyllis) mit Gastgeber Ernst Klein, Oberst a.D. Jürgen Damm und dem Bad Emstaler Bürgermeister und Vorsitzenden der dortigen Bürgerstiftung, Ralf Pfeiffer (von links).

Volkmarsen. Vor achtzig Jahren rettete ihm der Kindertransport nach England das Leben. Acht Jahre später emigrierte Ralph W. Mollerick in die USA. Seit Jahren nutzt er immer wieder die Möglichkeit, mit jungen Menschen über die dunkle Zeit des Nationalsozialismus zu sprechen.

Das war auch das Ziel seines Besuchs in der Geschichtswerkstatt des Volkmarser Vereins „Rückblende – Gegen das Vergessen“. Mollerick ist der letzte lebende Jude, der seine Kindheit in Wolfhagen verbracht hat. 

Zu seinem Vortrag brachte der 87-jährige neben Ehefrau Phyllis auch seine Freunde Evelyn und David Hershler, ebenfalls US-Amerikaner mit deutschen Wurzeln, mit. Der Historiker Dr. David Hershler hat Möllerichs Erinnerungen aufgezeichnet und ein Buch über die Rettungsaktion Kindertransport verfasst, über den es im Jahr 1938 gelang, rund 10 000 jüdischen Kindern das Leben zu retten. 

Darunter auch dem damals siebenjährigen Wolfgang Möllerich, der seinen Namen bei der Einbürgerung in die USA in Ralph W. Mollerick änderte. Beruflich erfolgreich, war er in späteren Jahren etwa bei der Raumfahrtbehörde NASA am Entwurf des Weltraum-Teleskops Hubble beteiligt. 

Die Umstände seiner Entwurzelung in jungen Jahren sowie den Verlust seiner im Konzentrationslager ermordeten Eltern konnte der gebürtige Wolfhager indes nie vollständig verarbeiten. Ermutigt von seiner zweiten Frau Phyllis, entschloss sich Ralph Mollerick erst 1993 dazu, nach Deutschland zu reisen.

 Die Zeiten haben sich gottlob geändert: sein aktueller Aufenthalt ist der 13. in 25 Jahren. „Aussöhnung“ war ein Stichwort, das beim Besuch in der Geschichtswerkstatt immer wieder zu hören war. 

Auch der mitreisende David Hershler zeigte sich erstaunt darüber, wie viel an deutschen Schulen getan werde, um eine Wiederholung der Geschichte zu verhindern. Etwa an der Christine-Brückner-Schule aus Bad Emstal, aus der eine 9. Klasse mit ihrem Bürgermeister nach Volkmarsen kam, um den Zeitzeugen zu hören. 

Als Übersetzer fungierte der frühere Englischlehrer an der Wolfhager Filchner-Schule, Günter Glitsch. Ebenfalls mit dabei war der Bad Arolser Oberst a.D. Jürgen Damm, der über sein Engagement beim Volksbund Deutsche Kriegsgräber immer wieder mit Schülern zusammen- und Geschichte aufarbeitet. Das Programm der Besucher aus Florida schloss einen Besuch beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen ein.

(Von Sandra Simshäuser)

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