Grundsatzbeschluss nach intensiver Diskussion im Stadtparlament

Volkmarser Feuerwehr bekommt Hubarbeitsbühne: Schnelle Hilfe ist gute Hilfe

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Die ersehnte Hilfe kommt übers Giebelfenster: Das Foto entstand bei einer Rettungsübung der Bad Arolser Feuerwehr in Landau. Im Notfall können eingeschlossene Personen über Drehleiter oder Hubbühne gerettet werden.

Volkmarsen. Mit großer Mehrheit hat sich das Stadtparlament bei seiner Sitzung am Dienstagabend in der Nordhessenhalle grundsätzlich für die Anschaffung einer Hubarbeitsbühne für die Feuerwehr ausgesprochen, auch wenn diese nicht (noch) im Bedarfs- und Entwicklungsplan aufgeführt ist.

Die Anschaffung soll in zwei Haushaltsjahren, nämlich 2020 und 2021 finanziert werden. Dafür sprachen sich nach intensiver, aber durchgehend sehr sachlicher Diskussion 20 Stadtverordnete aus allen Fraktionen aus. Quer durch alle Fraktionen verteilt meldeten sich auch Kritiker zu Wort, sodass es am Ende vier Gegenstimmen und vier Enthaltungen bei dieser Grundsatzentscheidung gab. Damit hat der Magistrat eine klare Handlungsanweisung bei der schon bald beginnenden Aufstellung der nächsten Haushaltspläne.

Der Vorschlag zur Anschaffung einer Hubarbeitsbühne war aus den Reihen der Wehrführer an den Magistrat herangetragen worden. Die hatten sich laut Stadtbrandinspektor Kai Wiebusch einstimmig für die Anschaffung ausgesprochen, weil sich die Einsätze der Drehleitern aus den Nachbarkommunen in Volkmarsen und seinen Stadtteilen deutlich erhöht habe. 

Wozu werden Drehleitern und Hubarbeitsbühnen benötigt?

Immer häufiger müssten die Drehleitern nicht nur Brandbekämpfung, sondern auch zur Rettung von Notfallpatienten aus unzugänglichen Wohnungen in den Obergeschossen von Altstadthäusern herbeigerufen werden. Zugenommen hätten auch die Einsätze bei abgedeckten Dächern.

Die Zusammenarbeit mit den Feuerwehren aus Bad Arolsen, Warburg und Wolfhagen funktioniere reibungslos und sehr kameradschaftlich. Das ändere aber nichts daran, dass die Anfahrt der Drehleitern aus diesen Nachbarstädten gut zehn Minuten länger dauere als aus dem eigenen Stützpunkt. Und gerade bei Großbränden und medizinischen Notfällen zähle jede Minute, so Wiebusch. 

Bei der anschließenden Diskussion im Stadtparlament beeilten sich die Sprecher aller Fraktionen, die wertvolle und letztlich unbezahlbare ehrenamtliche Arbeit der Feuerwehren in allen Stadtteilen zu würdigen. Der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Klaus Teppe stimmte sogar einen Applaus für die rund 60 Feuerwehrleute an, die die Diskussion im Stadtparlament als Zuschauer verfolgten. 

Wie argumentieren die Stadtväter?

Der FDP-Stadtverordnete Thomas Neutze erklärte, er habe sich bei einer Vorführung auf dem Gelände der Feuerwehr von den technischen Möglichkeiten einer Hubarbeitsbühne überzeugen können. Offenbar sei diese mit rund 450.000 Euro für die Stadt auch nicht teurer als eine vom Land geförderte Drehleiter nach Abzug der Zuschüsse. Neutze: Wenn es denn stimmt, dass wir das Fahrzeug finanzieren können, dann sollten wir das auch tun, auch wenn das Fahrzeug nicht im Bedarfsplan steht und wenn wir damit einen Schluck über den Durst nehmen.“ 

Die Drehleitern aus Wolfhagen und Bad Arolsen waren beim Großbrand am Neujahrsmorgen in Ehringen im gemeinsam im Einsatz.

Der frühere Wehrführer und CDU-Stadtverordnete Martin Schmand erinnerte an die vielen vorangegangenen Diskussionen zu diesem Thema in den vergangenen Jahren und sprach sich ausdrücklich für die Anschaffung aus: „Das ist keine Anschaffung für die Feuerwehr, sondern für die Sicherheit der Bürger dieser Stadt.“ Die FWG-Stadtverordnete Ute Moldenhauer verwies auf die Einsatzstatistik und bekräftigte: „Wenn wir es finanzieren können, sollten wir es machen.“ 

Wie häufig wird die Hubarbeitsbühne im Bauhof benötigt?

Der CDU-Stadtverordnete Volker Diegel war der Einzige, der sich in den Ausschussberatungen kritisch zu dem Thema geäußert und die Notwendigkeit der Anschaffung angezweifelt hatte. Er bedauerte die in der Folge ausgelöste „unsachliche Diskussion auf Facebook“. Der AfD-Stadtverordnete Thorsten Huntzinger stellte im Namen seiner Fraktion fest: „Wir erkennen den Bedarf an, auch wenn der noch nicht im Bedarfsplan festgeschrieben sein sollte.“ Manchmal hinkten Pläne auch der Realität hinterher. 

Aus den Reihen der SPD-Fraktion formulierte deren Sprecher Bruno Kramer eine Reihe von Fragen, etwa zu den Einsatz- und Alarmierungsfristen und zur Mitnutzung der Hubbühne durch den Bauhof. Dazu berichtete Bürgermeister Hartmut Linnekugel, dass der Bauhof an 45 Tagen im Jahr Bedarf an einer Hubbühne habe. Die Mietkosten betrügen dann rund 8000 Euro, die bei einer Betrachtung der Betriebskosten von 28.000 Euro gegengerechnet werden könnten. 

Fehlt dann das Geld an anderer Stelle?

Der ULV-Stadtverordnete Florian Bellin-Harder erklärte: „Ich habe am Neujahrsmorgen erlebt, welche Schäden durch Feuer entstehen. Ich glaube daher, dass die Kosten für die Hubarbeitsbühne im Zweifel geringer sind als die Schäden, die ein Großbrand anrichten kann.“ Dennoch sorge er sich, dass durch die Großanschaffung andere Investitionswünsche, auch bei der Feuerwehr, zurückstehen müssten. 

Dazu stellte Bürgermeister Hartmut Linnekugel fest: „Bisher sind alle Bedarfsanmeldungen der Feuerwehr vom Magistrat umgesetzt worden. Ich kann mich nicht erinnern, dass der Magistrat jemals eine Bedarfsanmeldung zurückgewiesen hätte.“ Das solle im Interesse der Sicherheit aller Bürger auch künftig so bleiben.

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