Wunschfahrzeug steht nicht im Bedarfs- und Entwicklungsplan

Volkmarser Feuerwehr: Eigene Hubbühne wäre hilfreich

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Beim Großbrand am Neujahrsmorgen in Ehringen waren die beiden Drehleiterfahrzeuge aus Wolfhagen und Bad Arolsen gemeinsam im Einsatz.

Volkmarsen. Weil sich im Stadtgebiet – zumindest gefühlt – die Großeinsätze häufen, haben die Wehrführer der Stadtteilfeuerwehren einen erneuten Vorstoß unternommen und die Anschaffung eines Teleskopmastgerätes in Form einer Hubarbeitsbühne beantragt.

Die sei auch deshalb notwendig, weil immer mehr Notfall-Patienten vom Rettungsdienst nicht über enge Treppenhäuser in den Rettungswagen getragen werden könnten. Immer wieder müsse dazu die Drehleiter aus Bad Arolsen zur Unterstützung angefordert werden. Die aber komme in den engen Gassen der Volkmarser Altstadt nur mühsam voran. 

Außerdem vergehe regelmäßig unnötig viel Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsgerätes aus dem benachbarten Bad Arolsen. Stadtbrandinspektor Kai Wiebusch machte bei der gemeinsamen Sitzung der Volkmarser Parlamentsausschüsse deutlich, dass Zeit der größte Feind der Feuerwehr sei. 

Das sei zuletzt beim Großbrand am Neujahrsmorgen in Ehringen deutlich geworden: „Wir haben zehn Minuten lang zuschauen müssen wie uns das Feuer von der Scheune förmlich in Richtung Wohnhaus davongelaufen ist.“ Am Ende seien zum Glück die beiden Drehleiterfahrzeuge aus Bad Arolsen und Wolfhagen in Ehringen eingetroffen und hätten sehr gute Arbeit geleistet. 

Wozu wird die Hubbühne benötigt?

Das ändere aber nichts daran, dass die Anfahrt aus den Nachbarstädten gut und gerne 20 bis 25 Minuten dauere. Das könne auch bei der Rettung von Herzinfarktpatienten aus Dachgeschosswohnungen eine kritische Zeit sein, die im Zweifel Leben gefährde. Bürgermeister Hartmut Linnekugel rechnete vor, dass ein Drehleiterfahrzeug rund 700.000 Euro koste. 

Selbst wenn das Land eine solche Anschaffung bezuschusse, bleibe für die betreffende Stadt ein Eigenanteil von rund 500.000 Euro zu finanzieren. 

Das von der Feuerwehr vorgeschlagene Hubfahrzeug mit Rettungsbühne, Kranfunktion, Lichtarmmast und 32 Metern Arbeitshöhe sei für rund 450.000 Euro zu haben und löse jährliche Betriebskosten in Höhe von rund 6500 aus. Das Fahrzeug sei nach Einschätzung der Feuerwehr flexibler einsetzbar in den engen Straßen der Altstadt. Das ändere aber nichts daran, dass das Fahrzeug nicht im Bedarfsplan vorgesehen sei.

Was sagen die Stadtverordneten zu diesen Vorschlägen der Feuerwehr?

Der Vorschlag des Volkmarser Wehrführerausschusses, ein Hubfahrzeug außerhalb des Bedarfs- und Entwicklungsplans anzuschaffen, ist in den städtischen Ausschüssen nicht auf einhellige Zustimmung gestoßen. 

Während sich die Sprecher aller Fraktionen beeilten, die ehrenamtliche Arbeit der Feuerwehren für die Sicherheit der Stadt in den höchsten Tönen zu loben, wagte als Erster der CDU-Stadtverordnete Volker Diegel kritisch anzumerken, das es gute Gründe gebe, sich an den amtlichen Bedarfs- und Entwicklungsplan für die Feuerwehrausrüstung zu halten. Möglicherweise sei das viele Geld für die außerplanmäßige Neuanschaffung besser ausgegeben. 

Ähnlich äußerten sich auch die SPD-Stadtverordnete Christel keim und Thorsten Huntzinger von der AfD. Und auch Florian Bellin-Harder von der Unabhängigen Liste Volkmarsen fragte besorgt nach, ob denn unter einer solchen Großinvestition die kleineren Feuerwehren auf den Dörfern mit Einsparungen zu rechnen hätten. Das sei nämlich aus seiner Sicht die falsche strategische Weichenstellung. 

Die haben uns - auf deutsch gesagt - den Arsch gerettet!

Als am Neujahrsmorgen seine Scheune in Ehringen ein Raub der Flammen wurde und um den Erhalt seines Wohnhauses gekämpft wurde, habe er am eigenen Leib erfahren, wie wichtig eine schlagkräftige Feuerwehr im Dorfe sei: „Die haben uns nämlich in den ersten Minuten nach der Alarmierung auf deutsch gesagt den Arsch gerettet.“ Und wenn man sehe, welche Werte vom Feuer vernichtet werden, dann sei die Investition in den Brandschutz wichtig und richtig. 

Letzteres bekräftigte auch FDP-Sprecher Thomas Neutze. Er bedauerte, dass es für die Anschaffung keine Landeszuschüsse gebe. FWG-Fraktionsvorsitzender Klaus Teppe erinnerte daran, dass der Wunsch der Feuerwehr nicht neu sei. Schon vor Jahren habe man sich für eine Kombination aus Löschfahrzeug und Hubwagen ausgesprochen. Diese Kombilösung wäre unterm Strich finanziell günstiger ausgefallen. 

Wann wird über den Vorschlag der Feuerwehr entschieden?

CDU-Sprecher Tobias Viesehon verwies auf die kontroversen Diskussionen innerhalb seiner Fraktion und bekräftigte: Wir hätten uns mehr Informationen vom Magistrat gewünscht. Bürgermeister Hartmut Linnekugel versicherte schließlich auf Nachfrage von Klaus Teppe, dass aus jetziger Sicht die Anschaffung des Hubfahrzeuges über zwei Haushaltsjahre finanzierbar sei. 

Dafür müsse keine andere Feuerwehr-Investition zurückstehen. Alle Fraktionen waren sich am Ende einig, dass im Ausschuss keine Beschlussempfehlung abgegeben wurde. Stattdessen soll bis zur Sitzung des Stadtparlamentes am kommenden Dienstag eine ergänzte Vorlage der Verwaltung alle nötigen Zahlen und Fakten nachliefern.

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