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Volkmarser Feuerwehren ziehen in Ehringen Bilanz: Nichts Gutes am 24. Februar

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Von: Elmar Schulten

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Ehrungen bei einer Feuerwehrversammlung: Zwei junge Frauen halten Urkunden. Hinter ihnen stehen Männer in Feuerwehruniform.
Ehrungen bei der Volkmarser Feuerwehr: Stadtbrandinspektor Kai Wiebusch (links) ist seit 15 Jahren als Kreisausbilder tätig. Kerstin Gottmann und Ronja Wilke erhielten die Kinderfeuerwehr-Medaille des Landesfeuerwehrverbands. Dazu gratulieren von rechts Bürgermeister Hartmut Linnekugel, Landrat Jürgen van der Horst, Eberhard Henkelmann vom Kreisfeuerwehrverband und Andreas Wilke als stellvertretender Stadtbrandinspektor. © Elmar Schulten

Bei der gemeinsamen Jahreshauptversammlung der Volkmarser Stadtteil-Feuerwehren hat Stadtbrandinspektor Kai Wiebusch eine Einsatzbilanz der vergangenen beiden Jahre vorgelegt.

Volkmarsen – In diese Zeit fielen sowohl die blutige Amokfahrt vom Rosenmontag 2020 als auch die vielen Hochwassereinsätze bei dem Starkregen im Juli 2021.

Dabei stellte Wiebusch fest, dass sich sowohl die schlimme Amokfahrt, die auch heute noch in vielen Köpfen präsent ist, als auch der russische Überfall auf die Ukraine vor wenigen Wochen an einem 24. Februar ereigneten. Wiebusch: „Ein Datum, das man nicht mehr so schnell vergessen wird.“

Wir sind Volkmarsen. Wir halten zusammen.

Am 24. Februar 2020 seien wohl besonders viele Schutzengel über Volkmarsen versammelt gewesen. Anders sei es kaum zu erklären, dass bei der Amokfahrt keine Menschen ums Leben gekommen seien. Dafür aber seien laut Feststellung des Landgerichts 90 Zuschauer und Teilnehmer beim Rosenmontag teilweise schwer verletzt worden.

Die Volkmarser Feuerwehr sei mit vielen Kameraden unmittelbar am Festzug beteiligt gewesen. Viele von ihnen hätten trotz eigener Verletzung bei der Versorgung der Verletzten geholfen. Kurz nach dem Ereignis sei eine Losung dauerhaft in Volkmarsen geblieben: „Wir sind Volkmarsen. Wir halten zusammen.“

Einsatzzahlen von 2020 auf 2021 mehr als verdoppelt

Im Corona-Jahr 2020 rückten die Volkmarser Feuerwehren zu 61 Einsätzen aus, darunter zehn Bränden, 25 Hilfeleistungen und 20 Fehlalarme, eist durch Brandmeldeanlagen ausgelöst.

Das Starkregenereignis im Sommer 2021 war verantwortlich für einen Anstieg der Einsatzzahlen um mehr als das Doppelte: 137 Einsätze insgesamt, davon 27 Brände, 85 Hilfeleistungen, 20 Fehlalarme.

Wasser kam nicht vom Twistesee

Unmissverständlich stellte Wiebusch klar, dass die Hochwasserschutzanlagen am Twistesee und in Ehringen größere Schäden bei dem Juli-Hochwasser verhindert haben. Anders als die Erzählung mancher Unbeteiligter vermuten lasse, seien die Wassermengen, die in die Außenbezirke der Volkmarser Altstadt geflossen seien, über den Bachlauf der Aar unterhalb der Wetterburg und über den Zulauf der Külter Fischteiche gekommen.

Wiebusch. „Bei allen Unannehmlichkeiten der Betroffenen war dieses Jahrhunderthochwasser aber nichts im Vergleich zu den schlimmen Ereignissen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mit mehr als 180 Toten.“

Dank für Rund-um-die-Uhr-Einsatzbereitschaft

In Volkmarsen habe die Feuerwehr geschützt, was zu schützen war. Wo immer dies nicht möglich gewesen sei, habe die Feuerwehr bei den Aufräumarbeiten geholfen, so etwa beim VfR-Clubheim am Stadtbruch. Dafür habe sich auf VfR-Vorsitzender Joachim Rest ausdrücklich bedankt.

Dank für professionelle Hilfe und ständige Einsatzbereitschaft sagte auch Bürgermeister Hartmut Linnekugel in seinem Grußwort an die Volkmarser Feuerwehren: „Sie geben stets ihr Bestes, um die Not unserer Mitbürger zu mildern. - Sie können Krise und Einsatz!“

Damit auch in Zukunft stets professionelle Hilfe gelistet werden könne, stellten die städtischen Gremien die benötigten Ausrüstungsgegenstände bereit. Dazu gehörten moderne, gut ausgestattet Fahrzeuge und Feuerwehrhäuser.

Jugendwehr ist Garant für Zukunft der Feuerwehr

Landrat Jürgen van der Horst würdigte die Einsatzbereitschaft der 179 Ortsteilwehren im gesamten Landkreis Waldeck-Frankenberg. Die 243 Feuerwehrleute der Volkmarser Stadtteilwehren stellten dabei ehrenamtlich den Brandschutz im Norden sicher. Und das mit einem Ausbildungsstand, der den Hauptamtlichen in nichts nachstehe.

Die 70 aktiven Mitglieder der Volkmarser Jugendfeuerwehren und die regelmäßige Brandschutzerziehung an den Schulen seien eine kluge Investition in die Zukunft.

Nordhessenhalle wird für Flüchtlingsaufnahme vorbereitet

Schließlich ging der Landrat auch auf Situation der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine ein. Aktuell seien im Landkreis 1600 Frauen und Kinder überwiegend in Privatunterkünften untergebracht. In Allendorf habe der Landkreis bereits eine größere Unterkunft eingerichtet. Ebenso könne demnächst die Nordhessenhalle als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. Van der Horst: „Die Menschen, die zu uns kommen, brauchen Beistand.“ Noch aber bleibe die Halle den Volkmarser Vereinen zugänglich.

Weiße Zelte vor der Nordhessenhalle in Volkmarsen.
Die Nordhessenhalle wird für die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine vorbereitet. Dazu wurden zusätzlich Zelte vor der Halle aufgebaut. © Elmar Schulten

Ein Einsatzbefehl nach dem Katastrophenschutzgesetz wie bei der Flüchtlingskrise 2015 sei zum Glück derzeit nicht nötig. Der Zuzug von Flüchtlingen habe sich verlangsamt. -„Wir fahren auf Sicht“, stellte der Landrat fest.

Die Grüße der Polizeistation Bad Arolsen überbrachte Hauptkommissar Ralf Wetzel und dankte der Feuerwehr für die gute Zusammenarbeit.

Zahlreiche Ehrungen für viele Jahre im ehrenamtlichen Dienst

Im Namen des Kreisfeuerwehrverbands zeichnete Eberhard Henkelmann den Volkmarser Stadtbrandinspektor mit der St. Florian Medaille in Silber am Bande aus. Damit würdigte er Wiebuschs Einsatz, der seit 15 Jahren zusätzlich als Kreisausbilder tätig ist.

Die beiden Betreuerinnen der Kinderfeuerwehr, Ronja Wilke und Kerstin Gottmann aus Külte, mit der Kinderfeuerwehrmedaille des Landesfeuerwehrverbands in Bronze, beziehungsweise in Gold ausgezeichnet.

Ehrungen bei der Feuerwehr. Die Geehrten halten Urkunden.
Ehrungen bei der Volkmarser Feuerwehr für 25 und 40 Jahre aktiven Dienst. Dazu gratulieren Landrat Jürgen van der Horst (links) sowie Bürgermeister Hartmut Linnekugel und Stadtbrandinspektor Kai Wiebusch (rechts). © Elmar Schulten

Mit dem Brandschutzehrenzeichen in Gold am Bande für 40 ehrenamtliche Dienstjahre würdigte Landrat Jürgen van der Horst Burkhard Scheele aus Herbsen, Karsten Helmentag aus Külte, sowie Jürgen Rest, Werner Salokat, Klaus Teppe, Albert und Andreas Thill aus Volkmarsen.

Das Brandschutzehrenzeichen am Bande in Bronze würdigt 25 Dienstjahre von Stefanie Engler und Carolin Kühne aus Ehringen, Mandy Herbold und Stefanie Mielke aus Hörle sowie von Sven Büsse und Jens Schmidt aus Volkmarsen. Schließlich wurden auch die Anerkennungsprämien des Landes Hessen für 10, 20, 30 und 40 ehrenamtliche Dienstjahre feierlich übergeben. (Elmar Schulten)

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