Volkmarser Gedenkveranstaltung zum Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren: Aus der Geschichte lernen

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Gingko-Baum als Zeichen des Friedens am deutsch-belgischen Tag: Von links, Bad Arolsens Grünen-Stadtrat Dietmar Danapel, Stadtverordnetenvorsteher Burkhard Scheele, Bürgermeister Hartmut Linnekugel, Stadtrat Ingbert Lauhof, die SPD-Landtagskandidatin Jutta Kahler, Ernst Klein vom Verein Rückblende und Oberst a.D. Jürgen Damm vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Volkmarsen. Einen Gingko-Baum als Zeichen des Friedens haben die Teilnehmer einer Gedenkveranstaltung zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren vor der Grundschule Villa R gepflanzt.

Die Veranstaltung war Teil der Friedenswochen im Wolfhager Land und Volkmarsen unter dem Motto „Erinnerungs und Friedensarbeit mit internationaler Begegnung“. In Volkmarsen war die Veranstaltung als deutsch-belgischer Tag angelegt. Schließlich war hier von 1959 bis 1993 die belgische Reichs-Mittelpunktschule RMS für die Kinder der belgischen Garnison in Bad Arolsen und Essentho untergebracht.

Schule mit Geschichte

Die damalige belgische Schule ist nun Grundschule Villa R. In alter Verbundenheit waren auch zwei lehrer von damals zur Gedenkfeier gekommen, nämlich Paul Thuerlinckx, der nach seiner Pensionierung noch einige Jahre in Külte wohnte und Maurice Bulckens, der in Bad Arolsen heimisch geblieben ist.

Die Schirmherrschaft über die Gedenkfeier hatte Bürgermeister Hartmut Linnekugel übernommen, der betonte, wie wichtig es sei, aus der Geschichte zu lernen.

Planung und Organisation lagen in den Händen vom Arbeitskreis Rückblende gegen das Vergessen mit seinem Vorsitzenden Ernst Klein und vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, vertreten durch Oberst a.D Jürgen Damm.

Die SPD-Landtagskandidatin Jutta Kahler nutzte die Gelegenheit, in einem Grußwort auf die Bedeutung des Erinnern hinzuweisen. Sie wohne im Korbacher Langemarckweg, angrenzend an den Flandernweg. Beide Straßen seien in den 30er Jahren von den Nationalsozialisten in Erinnerung an die Opfer der Flandernschlachten benannt.

Heute sei bekannt, dass der Erste Weltkrieg den Nährboden gelegt haben für den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg. Deshalb sei es so schlimm, wenn in diesen Tagen wieder Rechtsradikale in Deutschland  durch die Straßen zögen und wie in Chemnitz ein jüdisches Restaurant angriffen. Zu diesem Unrecht dürfe man als aufrechter Demokrat nicht schweigen.

Als pensionierter Soldat und Prädikant der evangelischen Kirche erinnerte Oberst a.D. Damm an den völkerrechtswidrigen Überfall des Deutschen Kaiserreiches auf das neutrale Königreich Belgien am 4. August 1914. Der Plan von General Schlieffen sah vor, Frankreich von zwei Seiten in die Zange zu nehmen. 

Dazu war der Durchmarsch durch Belgien notwendig. In Flandern entwickelte sich bald ein blutiger Grabenkrieg mit der französischen Armee. In vier großen Schlachten wurden Hunderttausende von Soldaten abgeschlachtet. Ypern, Passendaele und Langemarck ständen für schreckliche Kriegsereignisse und den erstmaligen Einsatz von Chlorgas durch das Deutsche Reich. 

Die jungen Soldaten, die 1914 mit Begeisterung in den Krieg gezogen seien, hätten zu spät gemerkt, dass der Tod auf dem Schlachtfeld nichts Heldenhaftes habe. Im Zuge der Kriegsereignisse hätten sich deutsche Soldaten zudem in Leuwen und Dinant zu schweren Massakern an der Zivilbevölkerung hinreißen lassen, die bis heute nachhallten.

Ernst Klein vom Verein gegen das Vergessen erinnerte daran, dass in den 60er Jahren viele junge Leute begeistert für die Idee eines vereinten und friedlichen Europa eingetreten seien. Das müsse auch heute wieder möglich sein.

Klein: „Iah habe in Arolsen und Volkmarsen erlebt, wie aus Besatzungsmächten Freunde geworden sind.“ Klein dankte allen belgischen Freunden für ihre Teilnahme an der Gedenkveranstaltung und erinnerte besonders an Frits Coghe, der sich als Altphilologe der belgischen Schule um die Aufarbeitung der Geschichte der Stadt Volkmarsen und um die Dokumentation der Kriegsgräber in Belgien verdient gemacht habe.

Mit Friedensgedichten in deutscher und flämischer Sprache klang die Gedenkfeier in der Villa R aus.

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