St. Elisabeth-Krankenhaus

Im Volkmarser Kreißsaal gehen die Lichter aus: Geburtshilfeabteilung schließt Ende Juni 

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Das letzte „Christkind“ im Krankenhaus Volkmarsen wurde 2017 geboren. Ende Juni 2019 gehen die Lichter im Kreißsaal aus. Unser Bild zeigt die Familie der Neugeborenen Mina Zaun mit Hebamme Shanna Glaser.

Volkmarsen Die Geburtshilfe-Abteilung des St. Elisabeth-Krankenhauses Volkmarsen schließt zum 30. Juni. Das teilte die Geschäftsleitung der Marienkrankenhaus Kassel Gesellschaft gestern mit.

Drastisch gestiegene Beiträge zur Haftpflichtversicherung für geburtshilfliche Leistungen führt Geschäftsführer Michael Schmidt als einen wichtigen Grund an. Diese übersteigen die Vergütungen deutlich, die durch die Geburtshilfe erwirtschaftet werden können.

So hoch sind Versicherungsbeiträge

Auch in Volkmarsen läuft der bisherige Vertrag der beiden gynäkologischen Fachärzte mit dem Haftpflichtversicherer für geburtshilfliche Leistungen zum 31. Dezember 2019 aus und könnte nur mit einer Steigerung auf 250.000 Euro pro Jahr fortgeführt werden, einem Vielfachen der bisherigen Versicherungsprämie, so Schmidt weiter. 

„Mit rund 350 Geburten im Jahr in Volkmarsen sind solche Versicherungsbeiträge für niedergelassene Belegärzte nicht abbildbar und verringern die Attraktivität des Standortes für niedergelassene Ärzte“, macht Schmidt deutlich. 

Auch Hebammen kündigen Vertrag

Weil ein Betrieb der geburtshilflichen Belegabteilung in Volkmarsen ausgeschlossen ist, haben sich auch die freiberuflichen Beleghebammen dafür entschieden, ihren Vertrag mit dem St. Elisabeth-Krankenhaus fristgerecht zum 30. Juni 2019 zu kündigen und auf eine langfristige Vertragsverlängerung zu verzichten. 

Nach der Schließung der Geburtshilfe wird in Volkmarsen die gynäkologische Versorgung ambulant wie stationär bestehen bleiben. Auch die Hebammen am Standort Volkmarsen werden die Betreuung vor und nach der Geburt weiter anbieten. 

Weite Wege für Schwangere 

Irina Batzel von der Hebammenpraxis Neumond bedauert die Schließung des Kreißsaales. Damit verbunden seien weite Wege für werdende Mütter. Wenn Ende Juni im Kreißsaal des St. Elisabeth-Krankenhauses Volkmarsen die Lichter ausgehen, bleiben in Waldeck-Frankenberg noch die Krankenhäuser Korbach und Frankenberg übrig. 

Für die Schwangeren im Kasseler Land und im angrenzenden Nordrhein-Westfalen bieten sich als nächste Kliniken mit Geburtshilfeabteilungen Kassel oder Paderborn an. Doch werden Frauen auch schon mal nach Bielefeld, Göttingen oder Bad Hersfeld weiter geschickt.  Das sind Erfahrungen, von denen die Volkmarser Hebamme Irina Batzel berichtet.

Aus für Entbindungen in Klinik

Sie betreibt seit 2006 in der Kugelsburgstadt mit zwei weiteren Hebammen die Praxis Neumond. Da Anästhesisten und Gynäkologen künftig nicht mehr zur Verfügung stehen, können auch die Hebammen nicht mehr den Betrieb des Kreißsaals gewährleisten. Hohe, weiter steigende Haftpflichtpolicen für die Ärzte bedeuten das Aus für den Bereich Entbindungen. 

Auch nach Schließung der geburtshilflichen Belegabteilung bleiben jedoch die gynäkologischen Leistungen am St. Elisabeth-Krankenhaus erhalten. „Unsere beiden Belegärzte Dr. Ralf Kubenke und Leonhard Kalhoff werden wie bisher in ihrer Praxis die Patientinnen ambulant und gynäkologische Patientinnen im Krankenhaus operativ ambulant und stationär versorgen“, so Klinik-Geschäftsführer Michael Schmidt. 

Deutlich verschlechtert

Durch die Neugestaltung der Gebührenordnung für Hebammen hat sich seit Anfang 2018 die Vergütungssituation für stationäre Leistungen in geburtshilflichen Belegabteilungen deutlich verschlechtert. Hebamme Irina Batzel berichtet, dass die Vergütung den Einsatz einer Hebamme im Kreißsaal von 280 auf 160 Euro reduziert worden sei. 

Unterm Strich müssten die Hebammen Einkommensrückgänge um 23 Prozent hinnehmen. So würden die Fahrtkosten nicht mehr von den Kassen bezahlt. 

Weiter Betreuung durch Hebammen

Die Volkmarser Hebammen werden aber weiter ihre Praxis betreiben, Eltern vor der Geburt begleiten und auch danach ihre Leistungen anbieten. Irina Batzel bedauert die Schließung der Geburtshilfe. Schließlich sei der Umgang familiär gewesen. Die Eltern hätten die Rundum-Versorgung sehr geschätzt. 

Die Geburtshilfe in Volkmarsen sei eine gut funktionierende Abteilung, die von vielen Schwangeren gerne in Anspruch genommen werde, so Schmidt. 

Funktionierende Abteilung

„Dass eine solche Abteilung letztlich aufgrund mangelhafter finanzieller Rahmenbedingungen schließen muss, ist traurig“, erklärt der gynäkologische Belegarzt Leonard Kalhoff. Dies sei auch durch Untätigkeit der Bundespolitik bedingt. 

Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese hatte im Dezember im Gespräch mit unserer Zeitung Gespräche mit dem Land und den benachbarten Kreisen Kassel und Höxter angekündigt und bekräftigt, dass eine Schließung der Geburtshilfe-Abteilung auf jeden Fall vermieden werden müsse. „Leider war es dann nicht möglich, einen gangbaren Weg zu finden“, bedauert Klinik-Geschäftsführer Michael Schmidt.

Das sind die Zahlen

Betrug die Zahl der Geburten in Volkmarsen Ende vorigen Jahres 338, so verzeichnete das Standesamt 2017 in Volkmarsen 367 Entbindungen. 142 der Eltern kamen aus Nordrhein-Westfalen, 81 aus dem Landkreis Kassel und 141 aus Waldeck-Frankenberg.

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