Närrische Sprechstunde in der Nordhessenhalle

Volkmarser Landfrauen wissen  wie man zünftig Karneval feiert

Die Volkmarser Landfrauen wissen, wie man zünftig Karneval feiert.

Volkmarsen. In die „närrische Sprechstunde“ hatten die Landfrauen bei ihrer Damensitzung geladen. Prinzessin Myra I. hatte ihre Freundin Olga mitgebracht, die beim Dreigestirn sitzen durfte.  Aufmerksame Gäste erkannten aber den Gatten der Prinzessin, Holger Kuhaupt, unter der blonden Löwenmähne. Denn Männer sind bis auf Ausnahmen  verboten beim Landfrauenkarneval.

Zur Sprache kamen in der vollbesetzten Halle neben medizinischen Themen auch renitente Ameisen, Toilettenfrauen, Klageweiber, betrogene Gattinnen und Flugenten.

Letztere, dargestellt von den Landfrauen Barbara Kramer und Brunhilde Engel, sprachen über die Gefahren, denen sie sich aussetzen, wenn sie im Flug einen epileptischen Anfall erleiden. Angela Schön, Mutter von Laurin I., erzählte aus ihrem Leben als Adjutantenmutter, nachdem sie letztes Jahr Adjutanten-Gattin war.

Landfrauenkarneval in Volkmarsen

Loriots Sketch über die gerechte Aufteilung eines Zitronencremebällchens auf dem „Kosakenzipfel“ stand Pate für die Darbietung des Singkreises „Spätlese“ um Ehrengard Berens. Frau Hoppenstedt, alias Gertrut Gothmann, dürfte mit 87 Jahren wohl die älteste Darstellerin auf der Bühne gewesen sein.

Zur Aufführung des Hollywood-Kassenschlagers „Titanik“ benötigte Ute Scheele den Organisten Alexander von Rüden. „Guck mal, ein Eisberg“ und „Oh, wir müssen sterben“ - Diese beiden Sätze genügten, um die Handlung auf das Wesentliche zu reduzieren. Eine harte Probe für das Zwerchfell war auch die Szene aus der Massagepraxis.

 Dort hatten die Vorstandsfrauen Antje Leis und Sabine Thill ihre Männer Martin und Albert auf den Bänken liegen und unterhielten sich über untreue Gatten, während sie die Männerkörper malträtierten.

Als Klageweiber in schwarze Kleider gewandet sangen die Vorstandsfrauen liturgische Verse über ihre Sorgen und Nöte. Etwa: „Dass unsere Männer uns morgen früh in Frieden ruhen lassen, das wünschen wir“.

Gattinnen, Schwestern und Schwägerinnen des Dreigestirns traten gemeinsam auf und rissen das Publikum bei Mitmach-Liedern mit. Musikalische Einlagen mit Tanzaufführungen boten die Gymnastikdamen des Turnvereins in Ameisenkostümen und die „Gymnastikgruppe Elisabeth Henkelmann“, die von der Prinzessin trainiert wird.

Ebenso mitreißend war der finale Auftritt des „Landfrauenbaletts“ als Matrosinnen um Brunhilde Engel und Barbara Kramer. Zu „Santiano“ verwandelte sich der Saal in ein wogendes Meer von rudernden und schunkelnden Zuschauerinnen. 

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