Auszeichnung durch Bundesinnenminister Seehofer

Volkmarserin erhält xy-Preis für Zivilcourage

Drei Männer und eine Frau stehen mit Blumen und Urkunden vor dem ZDF-Logo.
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xy-Preis für Volkmarserin wegen ihres mutigen Einschreitens bei der Amokfahrt von Volkmarsen. von links: Rudi Cerne, Lea-Sophie Schlömer, Dennis Hennig, Ahmad Al Sheikh Hussein Kames.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat am Dienstagabend in Berlin den XY-Preis „Gemeinsam gegen das Verbrechen“ verliehen.

Volkmarsen/Berlin - Der mit jeweils 10 000 Euro dotierte Preis ging an die beiden Lebensretter Dennis Hennig (35) aus Soest und Ahmad Al Sheikh Hussein Kames (29) aus Bonn. Ebenfalls ausgezeichnet wurde Lea-Sophie Schlömer, die bei der Amokfahrt beim Rosenmontag in Volkmarsen geistesgegenwärtig versucht hat, den Zündschlüssel aus dem Tatfahrzeug zu ziehen.

Innenminister Horst Seehofer stellte anerkennend fest: „Den XY-Preisträgern war das Schicksal der Menschen, denen sie geholfen haben, nicht gleichgültig. Sie haben Verantwortung übernommen und davon lebt unsere ganze Gemeinschaft.“ Die Preisträger sind in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ am 17. November mit Rudi Cerne zu sehen.

Alles ging unglaublich schnell

Lea-Sophie Schlömer war am 24. Februar 2020 mit Familie und Freunden beim Karnevalsumzug, als gegen 14.45 Uhr plötzlich ein Auto mit 50 bis 60 Kilometern pro Stunde in die Zuschauer fährt. „Es ist ca. 1,5 bis 2 Meter an mir entfernt vorbeigefahren“, erzählt die junge Frau im Fernsehen: „Ich habe einen Aufprall gehört und mich umgedreht.“ Menschen wurden umgefahren. Instinktiv lief Lea-Sophie dem Auto hinterher.

Sie erzählt: „Mir war klar, dass der Autoschlüssel gezogen werden muss. Die Straße wird immer enger. Die Leute weiter hinten hätten keine Chance gehabt.“ Dort standen auch die Bewohner des Behinderten-Pflegeheims, in dem Lea-Sophie arbeitet. Ihre Mutter und ihre Schwester wurden getroffen und retteten sich auf den Gehsteig.

Rangelei um den Fahrzeugschlüssel

Bei dem Auto hatte die Start-Stopp-Automatik ausgelöst. Das war der Moment, in dem Lea-Sophie Schlömer eingreifen konnte: „Ich hab" die Beifahrerseite aufgerissen, mich auf den Sitz gekniet und nach dem Schlüssel gegriffen.“

Der Täter habe ihr gegen den Hals und die Hand geschlagen und an ihren Haaren gezogen: „Wir haben uns immer wieder gegenseitig die Hände vom Schlüssel weggeschlagen ich wollte den Schlüssel abziehen, er das Auto wieder starten.“ Schließlich aber schaffte es die damals 16-Jährige, den Großteil des Schlüsselbundes bis auf den Autoschlüssel abzureißen.

Verletzten geholfen

In der Zwischenzeit waren mehrere Männer, darunter auch Polizeibeamte in Zivil und karnevalistisch verkleidete Festzugteilnehmer, in den Wagen eingedrungen, schlugen auf den Fahrer ein und hielten ihn fest.

Ein überfahrener Bollerwagen und mehrere Dutzend Verletzte: Das war die Situation nach der Amokfahrt am Rosenmontag 2020 in Volkmarsen.

Gleichzeitig zog ein Freund Lea-Sophie aus dem Auto. Sie kann den Männern noch sagen: „Das hilft nichts. Der Schlüssel muss gezogen werden.“ Auf der Straße kümmerte sie sich um Verletzte: „Ich habe meine beiden Jacken für Kinder ausgezogen, an einer Wurstbude Servietten geholt.“ Anschließend leistete sie erste Hilfe bei einer Frau mit offenem Beinbruch, half in der Apotheke, reichte Verbandsmaterial und Getränke herum, beruhigte die am Boden liegenden Opfer.

Anerkennung durch die ZDF-Jury

Die junge Frau sagte bei der preisverleihung: „Es war für mich selbstverständlich zu helfen und ich bin froh, dass ich das gemacht habe. Es war das Richtige und ich würde es wieder so machen.“

In der Pressemitteilung des ZDF heißt es dazu: „Für ihr mutiges Einschreiten in einer äußerst bedrohlichen Extremsituation zollt die Jury Lea-Sophie Schlömer ihre allerhöchste Anerkennung. Dafür und für ihr umsichtiges und fürsorgliches Verhalten den Opfern gegenüber gebührt ihr der XY-Preis Gemeinsam gegen das Verbrechen.“

Der Strafprozess läuft seit Mai

Vor Gericht geht die Aufarbeitung der Amokfahrt indes weiter: Der Prozess wird am Donnerstag, 11. November, um 9 Uhr im Landgericht Kassel, Saal D130, fortgesetzt. (Elmar Schulten)

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