Amokfahrt für „Aktenzeichen xy“ nachgestellt

Volkmarserin für Zivilcourage-Preis nominiert

Ein Kamerateam filmt Karnevalisten auf einem Festwagen sowie eine kostümierte Fußgruppe.
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Das ZDF hat für die Sendung „Aktenzeichen xy“ eine Szene zur Darstellung der Amokfahrt von Volkmarsen nachstellen lassen. Dazu wurde eine Faschingsgesellschaft bei Fürstenfeldbruck gebeten, Anfang im Oktober einen Festwagen aus dem Depot zu holen.

Die Redaktion der ZDF-Sendung „Aktenzeichen xy“ hat im Raum München die Amokfahrt beim Rosenmontagszug am 24. Februar 2020 in Volkmarsen nachstellen lassen.

Volkmarsen/Olching - Der Fernsehbeitrag soll einen von mehreren bundesweiten Fällen beschreiben, die für den vom Bundesinnenministerium ausgeschriebenen Preis für Zivilcourage nominiert sind.

Als preiswürdig wurde im Volkmarser Fall die junge Frau nominiert, die die tür des ins Stocken geratenen Tatfahrzeugs aufgerissen hat und dann versucht hat, den Zündschlüssel abzuziehen. Damit stoppte sie die Versuche des Amokfahrers, den Wagen erneut zu starten.

Schläge für den Amokfahrer waren Thema vor Gericht

Der damals 29-jährige Amokfahrer soll versucht haben, die Frau von ihrem Tun abzuhalten. Es entstand ein Handgemenge, bei dem sich auch Polizisten in Zivil und andere Zuschauer in das Auto drängten. Auf dem Gehweg stehende Zuschauer schlugen dem Fahrer mehrfach so heftig ins Gesicht, dass dieser noch Tage später Prellungen und Schwellungen hatte. Dieses Detail war vor Wochen auch schon Thema in dem Prozess vor dem Kasseler Landgericht.

Oberstaatsanwalt Dr. Tobias Wipplinger hatte in diesem Zusammenhang erklärt, er habe kurzfristig von Amts wegen gegen einen Mann im Nonnenkostüm ermittelt, der als Schläger infrage gekommen sei. Das Ermittlungsverfahren habe er dann aber sehr schnell eingestellt. Dr. Wipplinger: „Aus meiner Sicht war das, was Sie getan haben, Nothilfe. Es war sehr mutig, was Sie getan haben.“

Zivilcourage-preis des Bundesinnenministers

Gleiches gilt auch für das beherzte Einschreiten beim Abziehen des Zündschlüssels durch eine junge Volkmarserin, die zum Tatzeitpunkt 16 Jahre alt war. Sie ist nun für den XY-Preis 2021 nominiert. Er steht unter der Schirmherrschaft des Bundesinnenministers und ehrt Personen mit Zivilcourage, die Verbrechen verhindern oder zu ihrer Aufklärung beitragen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird auf drei Preisträger aufgeteilt.

Die junge Frau, die auch schon dem Prozess gegen den Amokfahrer als Zeugin ausgesagt hat, war Anfang Oktober selbst bei den Dreharbeiten bei Fürstenfeldbruck dabei.

Szene etliche Male gedreht

Johann Krämer, Vorsitzender des Komitee Faschingszug Olching berichtete im Gespräch mit dem Fürstenfeldbrucker Tageblatt, dass das ZDF bei ihm angefragt habe, ob er einen Festwagen zur Verfügung stellen könne. Der Komitee-Wagen stehe das ganze Jahr über in der Garage und sei nun einen Monat vor dem närrischen Auftakt herausgeholt worden. Acht Vereinsmitglieder schlüpften in Kostüme und fuhren zu den Dreharbeiten.

„Bis die Szene perfekt abgedreht war, musste der Wagen etliche Male die Straße rauf und runter fahren“, heißt es in der Lokalzeitung von Fürstenfeldbruck weiter.

Nächste Sendung „Aktenzeichen xy“ am 17. November

Als schließlich die Amokfahrt gedreht wurde, griffen sogar echte Streifenbeamte der Polizei ein, die in ihrer Freizeit Komparsenrollen übernehmen. Einen ganzen Tag lang dauerte es, bis das nötige Filmmaterial im Kasten war.

Der ZDF-Filmbeitrag soll in der Sendung am 17. November ausgestrahlt werden. Dann werden die Zuschauer auch erfahren, ob die junge Heldin aus Volkmarsen den Preis bekommt. (Elmar Schulten und Ingrid Zeilinger)

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