Kommunales Wirtschaftsgespräch

Wie gewinnen Diemelstädter Firmen neue Mitarbeiter? 

+
Den Nachwuchs und Fachkräfte für das Berufsleben im Blick: Beim Kommunalen Wirtschaftsgespräch der IHK auf Schloss Rhoden präsentierten Jannick Göbel (Network), IHK-Regionalausschuss-Vorsitzender Wolfram Klawe, Dr. Peter Sacher, Leiter des IHK-Servicezentrums, Bürgermeister Elmar Schröder, Christian Strube, Projektleiter Wirtschaftsförderung Region Kassel, und Steffen Öhl (Network) ihre Möglichkeiten.

Diemelstadt. Ungewöhnliche Wege werden beschritten, um Fachkräfte für die Firmen der Region zu gewinnen. Das reicht von der Jobbörse in den Niederlanden bis hin zu Netzwerken für Studenten.

Beim kommunalen Wirtschaftsgespräch der IHK und der Stadt Diemelstadt auf Schloss Rhoden bot Bürgermeister Elmar Schröder die Stadt als Partner der Unternehmen an, um gemeinsam die Werbung um Fachkräfte aus dem In- und Ausland voranzubringen.

Was kann die Stadt unternehmen?

Schließlich gehe es darum, die Attraktivität der Firmen deutlich zu machen und des Umfeldes mit Kindergärten, Schulen und Wohnraum. Doch da es kaum Leerstände gebe, müsse da nach Lösungen gesucht werden. Zwar sei die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Diemelstadt von 2000 bis 2015 mit 25,9 Prozent stärker als im Landesdurchschnitt angestiegen, doch werde die Zahl der Einwohner in Diemelstadt (rund 5300) bis 2030 um 8,9 Prozent zurückgehen. 

Wie haben sich Firmen entwickelt?

Schröder schätzt, dass ein Drittel der vor drei Jahren gekommenen 150 Flüchtlinge in Diemelstadt bleiben würden. Derzeit seien zehn bis 15 Asylanten in Jobs. Weniger und immer ältere Einwohner heißt auch geringeres Potenzial an Arbeitskräften: Von Firmen werde der Mangel an Fachkräften als Gefahr bezeichnet, stellte Schröder fest. 

Dabei haben die Firmen sich gut entwickelt und steht die Erschließung des Gewerbegebiets Steinmühle an der Autobahn an. Das von jungen getragene Network Waldeck-Frankenberg geht einen neuen Weg. 

Was bringt die Jobbörse?

„Wir wollen junge Leute nach dem Studium nach Waldeck-Frankenberg zurückholen“, sagt Jannick Göbel, der nach der Ausbildung zum Bankkaufmann ein Studium absolviert. Mit einer Jobbörse, an der sich Unternehmen gebührenpflichtig beteiligen, erreicht das Netzwerk auf digitalem Weg junge Leute in ganz Deutschland. Das 2015 gegründete, von einem Team junger Leute organisierte sowie von Land und Bund ausgezeichnete Netzwerk hat zu 40 erfolgreichen Jobvermittlungen beigetragen. 27 Partnerunternehmen im Kreis unterstützen Network, dessen Webseite 50 000 Nutzer verzeichnet.

 Instagramm oder Facebook liefern weitere Plattformen. Schließlich setzt das Netzwerk auf Workshops, „Kamingespräche“ und andere Veranstaltungen, um Kontakte zu fördern und Waldeck-Frankenberg als Karrierestandort schmackhaft zu machen.

Auswanderung nach Nordhessen?

Mühsam ist das Werben um Zuwanderer aus dem Ausland, fasste Christian Strube die Erfahrungen der Wirtschaftsförderung Region Kassel GmbH von einer Auswandererbörse in den Niederländern zusammen. Seit 2013 ist die Region dort vertreten, 6000 Interessierte besuchen die Messe, vom Arbeitslosen bis zum Millionär, der in Deutschland investieren wolle. Nach Nordhessen kämen im Schnitt pro Jahr fünf Holländer, um sich hier anzusiedeln und zu arbeiten. 

In Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit würden Jobs angeboten. Die Stadt Wanfried konnte an Niederländer leerstehende Fachwerkhäuser aus der Innenstadt verkaufen. Auch in Naumburg gelang es, Häuser an Niederländer zu verkaufen, in deren Heimatland liegen die Immobilienpreise deutlich höher. 

Lohnt sich der Einsatz?

Die Schnuppertage in Nordhessen würden von 15 bis 30 Personen besucht, manche Holländer kämen immer wieder, einige entschieden sich für die Übersiedelung nach Nordhessen: Das Verhältnis von Kosten und Nutzen der Werbeaktion in Holland stimme, sagt Projektleiter Strube. Sieghard Knocks, Unternehmer aus Ammenhausen, stellte fest, dass die Jobangebote in Portugal und Spanien nicht bekannt seien und fragte, ob nicht auch dort um Fachkräfte geworben werden müsste. Die Handwerkerschaft habe in Spanien geworben, berichtete Firmenchef Hartmut Mielke aus Ammenhausen: „Das Programm war nicht so erfolgreich, viele sind wieder zurück.“

Woher kommen noch Arbeitskräfte?

 Dr. Peter Sacher, Leiter des IHK-Service-Zenrums Waldeck-Frankenberg, berichtete von einem eingestellten Förderprogramm des Bundes, auf dessen Grundlage 20 junge Spanier in die Tourismushochburg Willingen zur Ausbildung geworben wurden. Von ihnen machten neun ihren Abschluss. Für diese Auszubildenden sei eine Betreuung einschließlich Sprachförderung und Freizeitangeboten wichtig. Bund und Land müssten die Betreuung mitzufinanzieren. Sacher verwies auf die Angebote der IHK in der Region für die Förderung der Ausbildung und die Werbung um Fachkräfte. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare