Betrieb von Behörden genehmigt

Wurftaubenclub Arolsen wegen Schießlärms und Bleischrots in die Kritik geraten

Auf einem weitläufigen Gelände von 33 Hektar verteilt sich der Wurftaubenstand bei Külte. Der graue Stand ist eine Olympische Anlage für Trap- und Skeet-Schießen. In den Holzhäuschen und auf Türmen sind weitere Wurfmaschinen installiert.
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Auf einem weitläufigen Gelände von 33 Hektar verteilt sich der Wurftaubenstand bei Külte. Der graue Stand ist eine Olympische Anlage für Trap- und Skeet-Schießen. In den Holzhäuschen und auf Türmen sind weitere Wurfmaschinen installiert.

Kritik an der Landesförderung für den Waldeckischen Wurftaubenclub (WWC) Arolsen übt der SPD-Stadtverordnete Arnold Kahlhöfer aus Külte. Auch äußert er Bedenken wegen Lärms und Bleieintrags im Boden.

Volkmarsen-Külte – In einer mit dem Ortsbeirat Külte abgestimmten Stellungnahme erklärt er, dass mit den 37 000 Euro vom Land für den im Wald in der Külter Gemarkung gelegenen Schießstand eine Gefährdung der Umwelt durch bleihaltige Munition gefördert würde.

Gefahren durch Blei befürchtet

Das Bleischrot sinke in das Gelände und gefährde damit Gewässer, Gundwasser, den Boden, Tier und Mensch. In weniger als 500 Meter Entfernung sei die Trinkwassergewinnungsanlage der Kommunalbetriebe Nordwaldeck (KBN.)

Kahlhöfer: „Schon bei einer Gefährdung dieser Güter müssen die Behörden eingreifen, sie dürfen nicht wegschauen und warten, bis der Schaden für die Allgemeinheit eingetreten ist. Ziemlich klar ist, dass das Schwermetall Blei giftig ist, nicht umsonst wurden Bleirohre, Radausgleichsgewichte aus Blei oder Bleigießen verboten und bei der Jagdausübung Beschränkungen ausgesprochen.

Täglich bis zu 15 000 Schuss genehmigt

Nicht zuletzt wird durch den Zuschuss die massive Beeinträchtigung der umliegenden Anwohner durch Lärm gefördert. Hierzu hatte der Ortsbeirat Külte schon seit 1980 Beschwerde geführt, zuletzt gegen die erheblichen Ausweitungen der täglichen Schießzahlen, von 2000 auf 15 000 Schuss.“ Eine Anhörung oder Information der Gemeinde durch die Behörde sei nicht erfolgt.

Der Ortsbeirat Külte habe kürzlich bei niedrigen Schusszahlen eine Bleimenge von 7,68 Tonnen/Jahr errechnet, die dort auf die mit einem Bach durchflossene Fläche und angrenzenden Wald jährlich niederregne. Kahlhöfer: „Bei 40-jähriger Nutzung kann man sich das Gefährdungspotenzial vorstellen. Dieses ist nicht mehr tragbar.“ Und: „Wahrscheinlich wird der zukünftig erforderlich werdende Bodenaustausch dann auch wieder bezuschusst oder die Allgemeinheit hat die Sache ganz zu tragen.“

Neue Betriebserlaubnis 2020

Die WLZ hatte zu diesem Thema bereits am 28. November 2020 die verschiedenen Aspekte untersucht. Von Seiten des Regierungspräsidiums waren die einschlägigen Genehmigungen bekräftigt worden.

Ein Sprecher des Landkreises Waldeck-Frankenberg erklärte dazu auf neuerliche Anfrage der WLZ: Dem WWC sei im September 2020 vom Landkreis eine neue Betriebserlaubnis für seinen Schießstand „Am Bickersbusch“ erteilt worden.

Nutzungszeiten festgelegt

Darüber hinaus besteht eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz des RP Kassel aus dem Jahre 2003, worin die Nutzungs- und Schießzeiten festgelegt sind. Diese wurde nach Auskunft des Sprechers verlängert, da sich keinerlei Veränderungen zur ursprünglichen Genehmigungsgrundlage ergeben haben.

Die Nutzungszeiten sind von Montag bis Samstag in der Zeit von 8 bis 20 Uhr bei maximal 15 000 Schuss. Am Sonntag ist die Nutzungszeit von 9 bis 13 Uhr bei höchstens 5000 Schuss.

Gesundheitsamt: Keine Gefahr

Nach Auskunft des Betreibers werden ausschließlich Bleischrote eingesetzt. Der Einsatz von vernickelten Bleischroten oder aus anderen Materialien ist nicht zugelassen.  

Nach Einschätzung des Gesundheitsamtes des Landkreises Waldeck-Frankenberg ist von einer Belastung des Trinkwassers durch die Bleigeschosse nicht auszugehen. Die Filterrohre der drei Brunnen im Umfeld des Geländes befinden sich in einer Tiefe von 30 bis 50 Metern.

Blei sehr stabil

Eine Grundwasserverunreinigung wäre angesichts dessen nur möglich, „wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenwirken würden, wovon nicht auszugehen ist.“ Unter normalen Bedingungen ist Blei sehr stabil, wie der Sprecher weiter mitteilt, es könnte zu Belastungen von Oberflächengewässern oder oberflächennahen Quellen kommen.

Beides sei hier nicht vorhanden. Eine akute Gefährdung des Grundwasser ist somit aus Sicht des Gesundheitsamtes nicht gegeben

Belastung nur in wenigen Fällen nachgewiesen.

Die Umweltministerkonferenz nimmt in ihrem 49. Bericht zu der Thematik Stellung. Dort heißt es unter anderem: „Grundwasserbelastungen konnten im Bereich von Schießständen bisher nur in wenigen Fällen nachgewiesen werden“.

Gleichwohl wird darauf hingewiesen, dass beim längeren Betrieb eines Schießstandes Altlasten im Boden entstehen können, von einer Grundwassergefährdung sei aber nicht auszugehen.

Einschränkungen wegen Pandemie

Schließlich geht der Landkreis auf die gegenwärtige Nutzung in der Corona-Pandemie ein: Auch nach den aktuell gültigen Regelungen für den Amateur- und Freizeitsportbereich dürfen ein oder zwei Personen bzw. mehrere Personen aus einem gemeinsamen Haushalt sportliche Aktivitäten durchführen. „Von einer Zuwiderhandlung in Bezug auf den Wurftaubenstand Külte ist uns nichts bekannt geworden“, heißt es weiter. (Von Armin Haß)

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